Japan Mobility Show_Nissan1_CMS.jpeg Peter Pisecker
© Peter Pisecker
© Peter Pisecker
Oktober 2023

Aus Motor wird Mobility

Eindrücke von der ersten Japan Mobility Show, die bis vor vier Jahren als Tokyo Motorshow bekannt war.

Bevor wir uns Japan zuwenden, kurz nach München. Die Internationale Automobil-Ausstellung IAA, viele Jahre lang die größte Neuwagenmesse der Welt, abgehalten alle zwei Jahre in Frankfurt, übersiedelte 2021 nach München und erhielt ein neues Konzept. Seitdem nennt sie sich IAA Mobility und versteht sich nicht mehr als reine Automobilmesse, sondern erhebt den Anspruch, die gesamte Welt der (zukünftigen) Mobilität abzubilden. Hier finden Sie unseren Bericht über die IAA Mobility 2021 und hier jenen über die Ausgabe 2023.

Die Idee fand Anklang am anderen Ende der Welt: Wie der VDA, der die IAA in Deutschland organisiert, haben auch die Veranstalter der alle zwei Jahre stattfindenden Tokyo Motorshow (TMS) sich ein neues Konzept ausgedacht und nennen die Messe jetzt Japan Mobility Show. Geändert hat sich deutlich weniger als in München.

2021 musste die Tokyo Motorshow wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Zuletzt fand sie 2019 statt (hier unser damaliger Bericht). Im Lauf der Zeit hat sich dieser Autosalon immer wieder verändert, wuchs und schrumpfte, galt allerdings in den 90er-Jahren als eine der wichtigsten Automobilmessen der Welt, auf der auch alle europäischen Hersteller vertreten waren.

2023 ist sie bescheidener geworden. Neben den japanischen Herstellern und vielen Unternehmen, die als Zulieferer oder im automotiven Umfeld tätig sind, fanden sich diesmal mit BMW, Mercedes und Renault nur drei europäische Autofirmen und mit BYD auch eine chinesische.

Werbung
Datenschutz Zur Anzeige von Werbung benötigen wir Ihre Zustimmung.

Es wird sportlich

Japan Mobility Show_Mazda0_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker

Immer schon war die (frühere) Tokyo Motorshow Schauplatz blühender Phantasie: Die Dichte an Konzeptfahrzeugen war hoch, aufsehenerregende Designs und erstaunliche Techniklösungen verblüfften die Besucher immer wieder. In die Serienproduktion schaffte es nur ein kleiner Teil der oft atemberaubenden Show Cars.

Nach Jahren, in denen Elektromobilität und Wasserstoff-betriebene Antriebskonzepte die Messe dominierten – es gibt sie immer noch, sie stehen aber nicht mehr so im Vordergrund –, fällt heute bei vielen japanischen Herstellern auf, dass Sportwagen wieder in Mode zu kommen scheinen.

Beispiele dafür sind Mazda Iconic SP, Nissan Hyper Force, Toyota FT-Se oder Honda Prelude Concept. Aber der Reihe nach.

Mazda

Das zugedeckte Auto oben ist der Mazda Iconic SP, eine Konzeptstudie mit Elektroantrieb. Wie im bereits erhältlichen Serienauto Mazda MX-30 R-EV ist ein Wankelmotor eingebaut, der einen Stromgenerator antreibt und so Energie für den E-Motor liefert. Dessen Leistung wird mit 370 PS angegeben, wir rechnen's in Elektromotor-adäquatere 272 kW um.

"Der Mazda Iconic SP ist mit seiner Wankel-Elektromotor-Kombination eine Traumlösung", sagte Mazda-CEO Masahiro Moro. "An der Verwirklichung dieses Traums arbeiten wir."

Japan Mobility Show_Mazda1_CMS.jpeg Peter Pisecker 1
Japan Mobility Show_Mazda2_CMS.jpeg Peter Pisecker 2
Japan Mobility Show_Mazda3_CMS.jpeg Peter Pisecker 3

1 Erst kürzlich verkündete Mazda die Produktion des zweimillionsten Wankelmotors seit 1967. Kein anderer Hersteller baut noch diesen Rotationskolbenmotor, doch Mazda blickt auf eine Reihe erfolgreicher Wankel-Sportwagen wie den RX-7 zurück. © Peter Pisecker

2 Der Mazda Iconic SP könnte an diese Tradition anknüpfen. Sein Zweischeiben-Wankelmotor kann mit E-Fuels oder auch Wasserstoff gefüttert werden. Angetrieben werden die Räder aber ausschließlich vom Elektromotor. © Peter Pisecker

3 Mazda sagt, es gehe um den Spaß am Autofahren. Für optimales Handling ist der kompakte Wankelmotor in der Mitte positioniert, was für eine ausgewogene Gewichtsverteilung 50:50 garantiert. Der Zweisitzer ist mit 4,18 Meter um einiges länger als der MX-5. © Peter Pisecker

Doch nun zu den Autos von Nissan, die wirklich, als dreidimensionale Fahrzeuge, auf der Japan Mobility Show 2023 gezeigt wurden.

Japan Mobility Show_Nissan2_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker
Hyper Punk: kompakter Crossover, der "die virtuelle und die reale Welt verküpft" und sich "an die Content Creator-, Influencer- und Künstlerszene richtet". Sagt Nissan. Realistischer betrachtet, können wir hier möglicherweise erahnen, wie sich ein künftiger Juke präsentieren wird.
Japan Mobility Show_Nissan3_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker
Hyper Tourer: spannender Van, der auf gemeinsames Reisen ausgelegt ist – er "verbindet das Omotenashi-Prinzip japanischer Gastfreundschaft mit einer Reihe fortschrittlicher Technologien, darunter auch autonomes Fahren". Vollelektrisch natürlich.
Japan Mobility Show_Nissan4_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker
Hyper Force: Da ist es wieder, das Sportwagen-Motiv. In der Nissan-Variante mit erkennbaren Andeutungen an die Formensprache des Klassikers GT-R. Der vollelektrische Antriebsstrang mit leichter Feststoffbatterie soll eine Leistung von bis zu 1.000 kW entwickeln können.
Japan Mobility Show_1250_CMS.jpg Peter Pisecker © Peter Pisecker
Toyota EPU: Natürlich elektrisch, wie auch sonst, wird dieser 5 Meter lange, fünfsitzige Pick-up angetrieben.
Japan Mobility Show_Toyota6_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker
Toyota Landcruiser: Mit seinem Design geht Toyota zurück in die Vergangenheit. Dem anfangs (2024) einzig erhältichen 2,8-l-Turbodieselmotor wird 2025 ein Diesel-Hybridantrieb folgen.
Japan Mobility Show_Toyota5_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker
Toyota Kayoibako: Weniger als 4 Meter lang und extrem wandlungsfähig ist dieser Kastenwagen.

Lexus

Auch Toyotas Edelmarke Lexus brachte ein neues Elektroauto zur Show.

Japan Mobility Show_Lexus1_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker
Der Marktstart des Lexus LF-ZC ist für 2026 geplant. Wichtige Eckpunkte: voll digitales Cockpit, …
Japan Mobility Show_Lexus2_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker
… Einsatz von KI (Künstlicher Intelligenz) und Verwendung nachhaltiger Materialien wie Bambus im Innenraum.

Und was gab es noch?

Japan Mobility Show_Honda1_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker
Honda Sustaina-C Concept: ein Auto aus Acrylharz, das recycelt und wiederverwendet wurde.
Japan Mobility Show_Honda2_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker
Honda Prelude Concept: Sportwagen-Studie – auch Honda legt Wert auf "the Joy of Driving".
Japan Mobility Show_Suzuki1_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker
Suzuki Swift Concept: Auch wenn er in Tokio noch den Begriff Concept im Namen trägt – der neue Swift kommt bereits im kommenden Frühjahr nach Österreich.
Japan Mobility Show_1307_CMS.jpg Peter Pisecker © Peter Pisecker
Daihatsu Vision Copen: Nicht für Europa vorgesehen ist der kleine Roadster mit Hinterradantrieb, mittlerweile auf 3,8 Meter angewachsen.
Japan Mobility Show_BMW1_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker
BMW X2: Nur zwei deutsche Hersteller fanden den Weg zur Japan Mobility Show. Der bayrische brachte eine Weltpremiere mit: den neuen X2.
Japan Mobility Show_BMW2_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker
BMW X2: Er kam sogar in zweifacher Ausfertigung, denn auch die Elektrovariante iX2 feierte Premiere in Tokio.
Japan Mobility Show_Mercedes1_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker
Mercedes-Benz Concept EQG: Die elektrische G-Klasse (ab 2025) wird vier Motoren haben, die es ihr ermöglichen, wie ein Panzer auf der Stelle umzudrehen – indem die Räder auf der einen Seite sich vorwärts, die auf der anderen sich rückwärts drehen.

Noch ein Sportwagen zum Schluss

Stellvertretend für viele sehenswerte Konzepte, von denen nach einem hoffnungsfrohen Show-Auftritt zum Großteil leider nie wieder zu hören ist, ist uns dieser kleine Sportwagen aufgefallen. Die Firma heißt AIM, ist in Japan im Motorsport aktiv und zeigte auf der Japan Mobility Show 2023 diesen kleinen Prototypen eines Elektrosportwagens – dem man wirklich wünschen kann, eines Tages zum Leben erweckt zu werden, und sei es nur als Kleinserie.

Japan Mobility Show_AIM1_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker
Die 3945 mm lange Karosserie des AIM EV Sport 01 wurde von Shiro Nakamura gezeichnet, dem Ex-Designchef von Nissan, der unter anderem für den GT-R verantwortlich war.
Japan Mobility Show_AIM2_CMS.jpeg Peter Pisecker © Peter Pisecker
Die Eckdaten: 2 E-Motoren, 360 kW (490 PS), 740 Nm Drehmoment, Hinterradantrieb, Gesamtgewicht 1.425 kg, 81-kWh-Lithium-Ionen-Batterie.

Kommentare (nur für registrierte Leser)