Reifentests

Reifenlabel

Reifenlabel oder ÖAMTC-Reifentests - wer bietet mehr Information?

Ab 1. 11.2012 müssen Reifen mit einer Kennzeichnung ("Label") versehen werden, die Auskunft über den Rollwiderstand, das Nassbremsverhalten und das abgestrahlte Rollgeräusch gibt.

Der ÖAMTC begrüßt, dass Verbraucher objektiv informiert werden. Reifen müssen sich allerdings in einer wesentlich größeren Anzahl von Eigenschaften bewähren. Die ÖAMTC-Reifentests bestehen z.B. bei Winterreifen aus 19 verschiedenen Einzelkriterien. In der folgenden Tabelle ist aufgelistet, wie viel mehr Eigenschaften die ÖAMTC-Reifentests im Vergleich zum Reifenlabel berücksichtigen.

Sie zeigt, dass auch nach Einführung des Reifenlabels nur die ÖAMTC-Reifentests am besten und umfassendsten über sämtliche wichtige Reifeneigenschaften informieren.

Reifen-Label

Testkriterium Reifenlabel ÖAMTC-Reifentests
Trocken Trocken Trocken
Fahrstabilität - +
Handling - +
Bremsen - +
Nass Nass Nass
Bremsen + +
Aquaplaning - längs - +
Aquaplaning - quer - +
Handling - +
Seitenführung - +
Schnee Schnee Schnee
Bremsen - ABS - +
Anfahren - +
Passfahrt - +
Eis Eis Eis
Bremsen - ABS - +
Seitenführung - +
Geräusch Geräusch Geräusch
Innengeräusch - +
Außengeräusch + +
Kraftstoffverbrauch + +
Verschleiss - +
PAK-Gehalt - +

Unabhängige Reifentests und Fachberatung bleiben einzige umfassende Informationsquelle für Reifenkauf

Für den ÖAMTC besteht die Gefahr, dass das Reifenlabel Käufer in die Irre führen könnte. Die Labeleinstufungen machen keinen Unterschied zwischen verschiedenen Reifentypen wie z. B. Sommer- oder Winterreifen sowie unterschiedlichen Dimensionen. Daher sind die Werte für Laien oft nur schwer nachvollziehbar. Außerdem wird beim Rollwiderstand die Bewertung "D" sowie beim Nassbremsen die Bewertungen "D" und "G" prinzipiell nicht vergeben. "F" ist also die schlechteste Nassbremseinstufung. Beim Vergleich verschiedener Modelle durch den Konsumenten kann das zu falschen Entscheidungen führen.

Grafische Beschreibung kann für Verwirrung sorgen

Hinzu kommt, dass die grafische Beschreibung der Reifeneigenschaften am Label falsch verstanden werden könnten. Das Piktogramm für den Bremsweg bei Nässe könnte suggerieren, dass eine umfassende Bewertung des Reifens bei Nässe durchgeführt wurde. Beurteilt wird tatsächlich nur das Verhalten der Pneus bei einer Bremsung auf nasser Fahrbahn. Andere wichtige Nässeeigenschaften wie Aquaplaning oder Kurvenverhalten werden nicht berücksichtigt. Auch die Angabe für das Abrollgeräusch kann täuschen, sagt sie doch nichts über die für die Insassen hörbare Geräuschkulisse im Fahrzeuginneren aus. Gemessen wird für dieses Kriterium einzig der für die Umwelt relevante Pegel des Außengeräusches.
Festzuhalten ist auch, dass die Angaben zur Labeleinstufung von den Reifenherstellern selbst kommen. Eine Vergabe durch zentrale oder dezentrale Einrichtungen ist nicht vorgesehen. Die Frage nach der Kontrolle der Labelwerte ist außerdem nicht einheitlich geregelt, sondern obliegt den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten.