Christophorus Magazin

4 EMOTION Christophorus L awinen- und Suchhundestaffeln sind bei der Suche nach Vermissten oftmals entscheidend. Im Öster- reichischen Bergrettungsdienst (ÖBRD) sind aktuell 230 Lawinen- und Suchhun- de im Einsatz. Die Vierbeiner sind auf sieben Bundesländer aufgeteilt, wobei Tirol mit 68 Hunden die meisten hat. In Österreich wurde vor über 120 Jah- ren der weltweit erste Bergrettungs- dienst gegründet. Hunde sind dagegen im Rettungswesen eine recht moderne Erscheinung. „Durch Zufall entdeckte man 1939 bei einem Lawinenunglück in Andermatt in der Schweiz die Fähigkeit des Hundes, Verschüttete aufzuspüren. Ein Dackel namens Moriztli, der einem Holzfäller gehörte, fand damals den Verunglückten. Er konnte lebend ge- borgen werden“, erzählt Martin Gurdet, Geschäftsführer des Bundesverbands Bergrettung. Den Durchbruch in Österreich brach- te die erste Einsatzprobe unter realisti- schen Bedingungen im Katastrophen- winter 1950/51. In Trins hatte der Hund Zorn fünf Stunden nach dem Abgang einer Lawine Erfolg. Der Verunglückte konnte lebend geborgen werden. Damals gab es nur vereinzelt Hunde im Berg- rettungsdienst, in Tirol waren es drei. In Salzburg legte der erste Vierbeiner 1954 seine Prüfung ab, und in Oberösterreich von Antonia Lang  IMMER DER NASE NACH Verschüttet von einer Lawine oder vermisst im alpinen Gelände. Warten, bangen, hoffen und ver- zweifeln. Angst und Zuversicht fließen ineinander. Und dann plötzlich keine Stille mehr, sondern Geräu- sche. Darunter lautes Hundebellen. Endlich gerettet. Durch eine Spürnase auf vier Pfoten. wurden 1974 die ersten Hunde und Hundeführer auf der Dümlerhütte zur Opfersuche bei Lawinen ausgebildet. Die 13.000 freiwilligen Bergretterin- nen und Bergretter Österreichs wer- den jedes Jahr bundesweit zu rund 9.000 Einsätzen gerufen. Wenn es um Leben und Tod geht, dann ist auch die Lawinen- und Suchhundestaffel dabei. 2020 wurden 160 Einsätze mit Hunden des ÖBRD durchgeführt. Die Hunde sind ganzjährig bei den ÖBRD-Lawinen- und -Suchhunde- führern und werden durch Experten im ÖBRD aus- und fortgebildet. „Je nach Rasse kosten die Welpen eines seriösen Züchters ab 1.000 Euro. Ein Schäferhund kommt etwa auf 1.200 Euro, ein Golden Retriever auf ca. 1.600 Euro. Dazu kom- men natürlich Kosten wie Futter oder Tierarzt“, erzählt Reinhard Hirschmugl, Bundesreferent für Lawinen- und Such- hunde im Österreichischen Bergret- tungsdienst. Diesen Aufwand tragen die Lawinen- und Suchhundeführer privat. Die Hunde durchlaufen eine mehr- jährige dreistufige Ausbildung. „Über die Jahre entstehen hier Kosten von mehreren zehntausend Euro“, schildert Hirschmugl. Ab der achten Lebenswoche werden die Hunde ein- bis zweimal wöchentlich trai- niert und mit Spaß an die Aufgabe heran- geführt. Insbesondere der Hundeführer muss viel lernen. Hirschmugl zur Bezie- hung zwischen Mensch und Hund: „Die individuellen Eigenschaften jedes einzel- nen Lawinen- und Suchhundes müssen gemeinsam mit dem Hundeführer stim- mig sein. Es ist immer die Teamarbeit zwischen Hund und Mensch, welche über den Erfolg bestimmt.“ Das perfekte Zusammenspiel zwischen Bergretter und Hund ist somit entschei- dend. „Die beiden müssen einander blind vertrauen. Im Einsatz hat jeder seine Aufgabe, man kann nicht dauernd darauf achten, was der Hund macht. Er muss sich auch im Team wohl fühlen und zurechtfinden. Wenn es brenzlig wird, muss jeder Hand- und Pfotengriff sitzen“, erklärt Hirschmugl. Er ist seit 16 Jahren Bergretter der Bergrettung Graz und Hundeführer der Bergrettung Steiermark, Lawinen- und Suchhunde- staffel, und hat mit Fin seinen dritten ausgebildeten Hund. „Und erst jetzt ver- stehe ich annähernd, worum es geht.“ Auf die Lawinen- und Suchhunde kommt im Training und später „Unsere Lawinenhunde sind absolute Profis und werden ein Hundeleben lang ausgebildet. Der Zeitaufwand, um ein eingespieltes Team zu werden, ist sehr hoch.“ Reinhard Hirschmugl, Bundesreferent für Such- und Lawinenhunde des ÖBRD

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