Christophorus Magazin

4 BRUCHLANDUNG VOM KIRSCHBAUM Drei Brustwirbel, eine Rippe und die Speiche brach sich ein 72-jähriger Oberösterreicher bei einem Sturz von der Leiter. Dass keine bleibenden Schäden entstanden, lag an der perfekten Rettungskette. EMOTION Christophorus Freitag, 19. Juni, 7.30 Uhr: Morgenbesprechung an der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie am Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr. Nachdem die aktuellen Fälle durchgegangen waren, sagte einer der anwesenden Oberärzte abschließend: „Ich bin gespannt, wann der erste Kirschenpflücker kommen wird.“ Nun, es sollte nicht lange dauern … Zur selben Zeit bracht der 72-jährige Hermann Wetzlmair zu seiner morgendlichen Nordic-Walking-Runde auf. Bei jeder Witterung ist der fünffache Familienvater aus Garsten bei Steyr in Oberösterreich mit den Stöcken unterwegs, um sich fit zu halten und frisch in den Tag zu starten. Die diesmalige Runde war kürzer als üblich, weil die erste Hitzewelle dieses Jahres die Temperaturen rasch in die Höhe klettern ließ und außerdem die Kirschenernte auf dem Tagesplan stand. Wetzlmairs Gattin freute sich schon darauf, den ersten Kirschkuchen des Jahres zu backen. Reif und fruchtig waren die dunkelroten Früchte, sie strahlten regelrecht vom großen Kirschbaum in den Garten. 9.30 Uhr war es mittlerweile und die Nordic-Walking-Ausrüstung längst gegen Arbeitskleidung, Aluleiter und Erntekorb getauscht. Wetzlmair verkeilte die ausziehbare Leiter in der Baumkrone und arbeitete sich von unten nach oben. Je höher er stieg, umso schöner waren die Kirschen. Der Erntekorb füllte sich, und der Hobbygärtner erreichte langsam die Baumkrone. Just in jenem Moment, als er die Hand nach einer Kirsche ausstreckte, rutschte die Leiter von unten her weg und der Pensionist stürzte aus einer Höhe von rund sechs Metern auf die Wiese, die nach der Trockenheit im heurigen Frühjahr hart wie Beton war. Hilfe per Handy „Ich war, glaube ich, kurz benommen. Als ich zu mir kam, merkte ich sofort, dass ich mich richtig schwer verletzt hatte. Mein rechter Arm stand weg, Hals, Rücken und Bauch schmerzten. Erst schrie ich laut um Hilfe, aber niemand hörte mich. Dann schoss mir ein, dass ich auf dem Baum mein Handy in der Brusttasche mitführte. Es fiel beim Aufprall zwar aus der Tasche, lag aber neben mir, so dass ich es mit der gesunden Hand greifen und meine Frau anrufen konnte. Sie befand sich im zweiten Stock und setzte die Rettungskette in Gang. Ab diesem Zeitpunkt bewegte ich mich keinen Millimeter mehr“, erzählt Wetzlmair, der gleich eine Wirbelsäulenverletzung befürchtete. Erntekorb im Baumwipfel Der Disponent in der Rotkreuz-Leitstelle alarmierte das Steyrer Notarztteam, den ÖAMTC-Notarzthubschrauber Christophorus 10 aus Linz-Hörsching sowie eine Funkstreife der Polizei Garsten zur Helikoptereinweisung. Keine zehn Minuten später trafen sämtliche Einsatzkräfte praktisch gleichzeitig am Unglücksort ein. Obwohl vor Wetzlmairs Haus zahlreiche Stromleitungen des nahen Ennskraftwerks Lahrndorf in alle Himmelsrichtungen verlaufen, landete Christophorus-Pilot Cpt. Robert Gallmayer den Hubschrauber nur wenige Meter neben dem Unfallopfer in einem Maisfeld, so dass die C10-Notärztin, der Steyrer Notarzt sowie die Notfallsanitäterinnen und -sanitäter mit der Stabilisierung des Verletzten beginnen konnten. Die Sturzhöhe ließ sich leicht bestimmen, weil der volle Erntekorb noch im Wipfel hing. Dreifacher Wirbelbruch Nach rund 30 Minuten waren die Erste-Hilfe-Maßnahmen beendet und Christophorus 10 transferierte Hermann Wetzlmair zum Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum in Steyr, wo das Team der Traumatologie das erste „Kirschenopfer“ von Tom Grumböck

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