Fotos: Tomas Kika (1), ÖAMTC/Sitter (1) „Der Autopilot nimmt uns nicht die Verantwortung ab – er verschafft uns aber Zeit und Aufmerksamkeit für jene Entscheidungen, die kein System treffen kann.“ ROLAND RETSCHITZEGGER Pilot, ÖAMTC-Flugrettung 17 VISION Christophorus Von außen betrachtet unterscheidet sich ein instrumentenflugtauglicher Notarzthubschrauber kaum von anderen Maschinen: Rotorblätter, Triebwerke und Kabine sehen ähnlich aus, auch die typische Silhouette bleibt unverändert. Die entscheidenden Unterschiede verbergen sich unter der Verkleidung und im Cockpit. Allerdings reicht es für den Instrumentenflug nicht aus, einzelne zusätzliche Geräte an Bord zu haben. Nahezu jedes sicherheitsrelevante System eines IFR-Hubschraubers ist Teil eines Gesamtkonzepts, das speziell für Flüge bei Nacht oder eingeschränkter Sicht ausgelegt wurde. Von der Navigation über die Stromversorgung bis hin zu den Warnsystemen greifen zahlreiche Komponenten ineinander. Informationszentrale Cockpit Während sich Pilot:innen im Sichtflug vor allem an markanten Punkten außerhalb des Hubschraubers orientieren, müssen sie sich im Instrumentenflug vollständig auf die Anzeigen im Cockpit verlassen. Bei modernen Hubschraubern wie der H135, die bei der ÖAMTCFlugrettung im Einsatz ist, steht ein hochentwickeltes digitales Avioniksystem im Zentrum. Dieses führt Fluglage, Navigation, Warnhinweise und Systemüberwachung in einer einheitlichen Benutzer:innenoberfläche übersichtlich zusammen. Drei große Bildschirme liefern den Pilot:innen jederzeit genau jene Informationen, die in der jeweiligen Flugphase benötigt werden. Das alles klingt kompliziert, verfolgt aber ein klares und einfaches Ziel: Die Arbeitsbelastung soll reduziert werden, damit mehr Aufmerksamkeit für die sichere Durchführung des Fluges bleibt. Gerade bei schlechtem Wetter oder in komplexen Situationen kann das entscheidend sein. Teammitglied Autopilot Zu den zentralen Bestandteilen der IFRAusrüstung zählt der Vier-Achsen-Autopilot. Er übernimmt jedoch weit mehr Aufgaben, als sein Name vermuten lässt. Statt lediglich Kurs oder Höhe zu halten, unterstützt er Pilot:innen in allen wesentlichen Bewegungsrichtungen des Hubschraubers: Er kann Höhe, Geschwindigkeit und Flugweg präzise halten und begleitet die Crew bei Navigations- und Anflugverfahren. Selbst komplexe Instrumentenanflüge lassen sich dadurch deutlich exakter fliegen als noch vor wenigen Jahrzehnten. Übrigens: Die beschriebenen Systeme kommen nicht nur in der heutigen H135-Flotte zum Einsatz, sondern bilden auch die Grundlage der künftigen H140-Hubschrauber der ÖAMTC-Flugrettung. Für unsere Pilot:innen bedeutet das jedoch keineswegs, die Verantwortung an eine Maschine abzugeben. Vielmehr übernimmt der Autopilot Routineaufgaben und schafft dadurch Kapazitäten für jene Entscheidungen, die kein Computersystem treffen kann. Sicher durch Redundanz Im Instrumentenflug darf es keinen einzelnen technischen Fehler geben, der sofort zum Problem wird. Deshalb setzt die Luftfahrt seit Jahrzehnten auf ein Prinzip, das auf den ersten Blick beinahe langweilig erscheint: Redundanz. Dieser Grundsatz bedeutet: Alle wichtigen Komponenten sind mehrfach in unseren Hubschraubern vorhanden. So verfügt die H135 beispielsweise über doppelte Fluglagensensoren, Luftdatenrechner und Magnetometer. Auch die Systeme zur Erfassung von Geschwindigkeit und Höhe sind mehrfach abgesichert. Fällt eine Komponente aus, stehen die notwendigen Informationen weiterhin über ein unabhängiges Ersatzsystem zur Verfügung. Dasselbe gilt für die Stromversorgung: Zwei Generatoren, eine Haupt- und eine Notbatterie stellen sicher, dass die wichtigsten Instrumente auch dann weiter funktionieren, wenn es zu technischen Problemen kommt. Erst diese Sicherheitsreserven schaffen die Voraussetzungen dafür, dass ein Hubschrauber überhaupt für den Instrumentenflug zugelassen werden kann. › Orientierung ohne Horizont Mindestens ebenso wichtig wie die Anzeigen im Cockpit ist die Navigation. Während Instrumentenflug früher vor allem auf bodengestützten Funkanlagen basierte, erfolgt die Positionsbestimmung heute zunehmend satellitengestützt. Die H135 verfügt dafür über mehrere unabhängige Navigationssysteme und ein speziell für den Instrumentenflug zugelassenes Flight Management System. Damit können moderne GPS-basierte Verfahren durchgeführt werden. Auch sogenannte „Point in Space“-Verfahren, über die wir schon häufiger berichtet haben, basieren auf dieser Technologie. Ohne die entsprechende Ausrüstung an Bord wären solche Anflugverfahren nicht möglich. Mitdenkende Technik Doch moderne IFR-Technik kann noch mehr. Systeme wie das Helicopter Terrain Awareness and Warning System, kurz HTAWS, überwachen laufend die Position des Hubschraubers im Verhältnis zu Gelände und Hindernissen. Erkennt das System eine gefährliche Annäherung, wird die Crew rechtzeitig gewarnt. Solche Systeme wurden entwickelt, um sogenannte Controlled-Flight-Intovon Stefan Tschernutter
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