Rund um Halloween darf man sich gerne ein wenig gruseln. Im Straßenverkehr kann man darauf allerdings gut verzichten. Trotzdem gibt es wohl bei fast allen Menschen Momente hinter dem Steuer oder am Motorradlenker, bei denen der Puls plötzlich schneller wird. Oft reicht schon eine kleine Unaufmerksamkeit – sei es, dass man selbst nicht aufpasst, oder andere einen Fehler machen. Und manchmal kommen einfach mehrere ungünstige Umstände zusammen, und man erlebt Situationen, die selbst Jahre später einen erschaudern lassen.
Selbst die Profis der ÖAMTC Fahrtechnik kennen solche Momente. Drei von ihnen haben uns von solchen Situationen erzählt. „Grusel“-Geschichten der etwas anderen Art, die gut ausgegangen sind, den Profis aber trotzdem noch heute eine Gänsehaut bescheren.
Unheil hinter der Kurve
Fritz Schuckert, leitender Pkw-Instruktor im Fahrtechnik Zentrum Teesdorf und Motorrad-Instruktor, erlebte seinen jüngsten Schreckmoment erst im Spätsommer. Mit einer Motorradgruppe war er im Helenental unterwegs und fuhr voraus. In einem kurvigen Abschnitt kam ihnen plötzlich ein Quad entgegen, das gerade überholte und dabei seine Fahrspur mitbenutzte. „Zum Glück waren wir mit Reserven unterwegs“, erzählt Fritz. „Dadurch konnte ich meine Fahrlinie noch in der Kurve verändern und dem Quadfahrer zusätzlichen Platz lassen. Gerade auf zwei Rädern ist ein solches Ausweichmanöver aber alles andere als angenehm.“ Eine Situation, auf die der Profi und seine Nerven wohl gerne verzichten könnten. Für Fritz ist deshalb entscheidend, sich auch dann nicht von der eigenen Sicherheit täuschen zu lassen, wenn Straße und Motorrad gerade perfekt zusammenspielen. Hinter der nächsten Kurve können ein Traktor, Schmutz auf der Fahrbahn, ein Ast oder ein Schlagloch warten.
Dass brenzlige Situationen aus noch unscheinbareren Ursachen entstehen können, hat er mit einem zerkratzten Helmvisier erlebt. In Verbindung mit tiefstehender Herbstsonne verschlechterte sich seine Sicht schlagartig. Seine Konsequenz: Verschlissenes Material rechtzeitig tauschen und nicht warten, bis aus kleinen Kratzern unter ungünstigen Bedingungen plötzlich ein echtes Problem wird.



Gefahr von hinten
Roland Frisch sensibilisiert als Fahrtechnik-Profi andere dafür, Gefahren frühzeitig zu erkennen und im entscheidenden Moment richtig zu reagieren. Dass man dabei nicht alles selbst in der Hand hat, hat er auf der Autobahn erlebt. Wegen eines Hindernisses musste er plötzlich kräftig abbremsen. Das allein bringt den Profi nicht aus der Ruhe: Er weiß aus dem Effeff, wie er auf plötzliche Hindernisse reagieren muss. Gesagt, getan: Er selbst kam rechtzeitig zum Stehen. Dann ein kurzer Blick in den Rückspiegel und es lief ihm kalt den Rücken hinunter: Nur sehr wenige Fahrzeuge hatten wie er früh genug abgebremst. Viele mussten auf eine freie Spur ausweichen und kamen erst dort zum Stillstand. „Das war schon ziemlich knapp.“
Für den Fahrtechnik-Profi war es eine eindrückliche Erinnerung daran, dass die eigene Reaktion eben nur ein Teil des Geschehens ist. Sein Rat: „Ausreichend Abstand halten und, wenn es notwendig wird, rasch und konsequent bremsen. Bei modernen Fahrzeugen kann dabei auch das adaptive Bremslicht den nachfolgenden Verkehr zusätzlich warnen.“
Unberechenbar sind für Roland auch Begegnungen mit Wild, wie er sie schon selbst mehrfach erlebt hat. Vor allem im Herbst und in der Nähe von Wäldern taucht Wild manchmal wie ein Gespenst mitten auf der Fahrbahn auf. Sein wichtigster Grundsatz dabei: „Bremsen, aber das Auto nicht verreißen.“ Springt ein Tier unmittelbar vor das Fahrzeug, lässt sich eine Kollision manchmal nicht mehr verhindern. Umso wichtiger ist es, die Kontrolle zu behalten und in der eigenen Fahrspur zu bleiben.
Ich hab eigentlich erwartet, dass hinter mir auch gebremst wird. Tatsächlich haben nur wenige richtig reagiert und wirklich gut gebremst.

Schreck im Dunkeln
Manfred Pfeiffenberger, Leiter der Experience World und des ÖAMTC Fahrtechnik Zentrums Saalfelden, muss bei seiner Geschichte heute noch ein wenig über sich selbst den Kopf schütteln. „Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen.“ Nach einem Event war er abends auf der Autobahn unterwegs, wenig Verkehr, der Pullover war viel zu warm. Also schnell während der Fahrt ausziehen. Was sollte schon passieren? Beim Überziehen über den Kopf blieb allerdings die Kapuze hängen. Plötzlich wurde alles schwarz. Es ging weder vor noch zurück und für einen kurzen Moment war die Sicht komplett weg. Als Manfred sich aus dem Pullover befreit hatte, war er mit dem Auto bereits deutlich zu weit nach rechts geraten. Dieser kurze Schreckmoment hat ausgereicht, um ihn von seiner Spur abkommen zu lassen. Zum Glück war wenig bis kein Verkehr und die Situation ging gut aus. Geblieben ist die Erkenntnis, wie schnell aus einer vermeintlichen Kleinigkeit eine gefährliche Situation werden kann. Denn Ablenkung beginnt nicht erst beim Handy. Oft sind es banale Dinge, bei denen wir uns denken: Das mache ich schnell nebenbei. Seine Konsequenz daraus ist angenehm unspektakulär: „Lieber kurz stehen bleiben. Die paar Sekunden sind gut investiert.“

Seit damals weiß ich es wirklich besser und würde so was nie mehr machen.
Damit der Horror ausbleibt
Drei Erlebnisse, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und trotzdem steckt in allen dieselbe Erkenntnis: Routine hilft, ist aber kein Schutzschild. Entscheidend ist, aufmerksam zu bleiben, sich Reserven zu lassen und zu wissen, wie man reagiert, wenn plötzlich etwas anders läuft als erwartet. Genau hier setzen auch die Trainings der ÖAMTC Fahrtechnik an. Unter sicheren Bedingungen lassen sich Situationen erleben und Reaktionen trainieren, denen man im echten Straßenverkehr möglichst nicht unvorbereitet begegnen möchte. Gruseln macht im Straßenverkehr wenig Spaß – lieber daheim bei einem Halloween-Film.

Autoren
Max Daucher ist gebürtiger Bayer und seit April 2024 beim ÖAMTC in der Öffentlichkeitsarbeit u.a. für die Fahrtechnik tätig. Besonderen Gefallen findet er daran diverse Sportevents in geselliger Runde anzuschauen. Den konträren kulturellen Ausgleich dazu sucht er in der Kunst, beim Malen, Lesen oder in Museumsbesuchen.

Max Kudlacek ist seit 2006 beim ÖAMTC in der Öffentlichkeitarbeit tätig. Er greift auch privat immer wieder in die Tasten – dann gerne auf einer seiner gesammelten Schreibmaschinen. Oder fährt mit dem Motorrad durch die Gegend.
