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Es ist eine Frau in ÖAMTC-Kleidung zu sehen. Sie lehnt an einem Pannenfahrzeug.

Kfz-Technik ist auch Frauensache

Kolleginnen erzählen von ihrem Traumjob und was sie jungen Frauen raten, die auch in einem männerdominierten Berufsfeld Fuß fassen wollen.

TechnikDiversität

Es ist Samstagabend, mitten in der Sommersaison. Die S10 zwischen Linz und Freistadt zählt zu den stark befahrenen Strecken. Ein Paar ist am Heimweg vom Italienurlaub, als plötzlich die Kupplung streikt – ausgerechnet mitten im Tunnel Götschka. Gerade noch schaffen sie es bis zur nächsten Pannenbucht. Die ASFINAG verständigt den Club, vom Stützpunkt Freistadt macht sich sofort die Pannenhilfe auf den Weg. Als das gelbe Einsatzfahrzeug wenig später hinter dem Auto hält, zeigt sich das Paar kurz überrascht und schaut noch einmal genauer: „Kommt da eine Frau?“ Ja, und sie weiß genau, was jetzt zu tun ist. Seit zwei Jahren fährt Club-Technikerin Lea Schäfer im Pannendienst. Für sie ist dieser Einsatz nichts Außergewöhnliches – sondern genau das, was ihren „Traumjob“ ausmacht.

Man sollte seinen Beruf nicht vom Geschlecht abhängig machen.
Jennifer Mayrhofer
Es ist eine junge Frau zu sehen, die in einer Werkstatt steht.
Jennifers Traumjob: Kfz-Technikerin © ÖAMTC
Es ist eine Pannenfahrerin zu sehen, die vor einem geöffnetem Pannenfahrzeug steht.
Lea ist Technikerin im Pannendienst in Oberösterreich. © ÖAMTC
Es ist eine junge Frau zu sehen, die an einem Gerät arbeitet.
Jennifer bei der Arbeit in der Lehrwerkstatt in Linz. © ÖAMTC

Warum Technik heute mehr ist

Beim ÖAMTC sind zwar immer öfter auch Technikerinnen für unsere Mitglieder im Einsatz, aber Frauen sind in der Kfz-Technik noch immer eine Seltenheit. Mit nur sechs Prozent weiblichen Lehrlingen in der Kraftfahrzeugtechnik im Jahr 2024 bleibt die Branche männlich geprägt. Die Zahl steigt langsam, aber kontinuierlich. Mehrere Faktoren tragen zu dieser Entwicklung bei: Die technologische Transformation verändert das Berufsbild grundlegend. Moderne Fahrzeuge verlangen zunehmend elektronisches Fachwissen. Diagnosegeräte, computergestützte Systeme und elektronische Steuerungen dominieren heute den Arbeitsalltag. Entscheidend sind heute vor allem Wissen und technisches Verständnis. Körperliche Stärke spielt eine geringere Rolle. Dennoch beeinflussen traditionelle Rollenbilder und fehlende Vorbilder die Berufswahl nach wie vor stark.

Mir ist fachliche Kompetenz, gepaart mit Einfühlungsvermögen und Hilfsbereitschft besonders wichtig.
Emilia Schilling

Trotzdem entscheiden sich immer mehr junge Frauen bewusst für eine Lehre zur Kfz-Technikerin. Eine von ihnen ist Jennifer Mayrhofer. Ihr Interesse an Technik entwickelte sich schon früh: Als Kind war sie im Motocross aktiv – zunächst als Fahrerin, später half sie auch bei Wartungen und Reparaturen mit. Dabei merkte sie schnell, dass Technik für sie mehr ist als ein Hobby. Von ihren Eltern wurde sie in der Entscheidung, eine Ausbildung zur Kfz-Technikerin zu machen, voll unterstützt. Der Weg in einen technischen Beruf war für sie dennoch kein Selbstläufer. „Man muss schon Durchhaltevermögen mitbringen“, sagt sie. „Gerade am Anfang wird man unterschätzt und man muss sich erst beweisen.“ Entscheidend sei für sie gewesen, einen Ausbildungsbetrieb zu finden, in dem sie sich ernst genommen und unterstützt fühlt. Jungen Frauen, die sich für Technik interessieren, bei der Berufswahl aber noch zögern, rät sie, ihren Interessen zu folgen: „Man sollte seinen Beruf nicht vom Geschlecht abhängig machen. Mit einem Job zu leben, der einem nicht gefällt, nur weil man glaubt, er passe besser zu den Erwartungen anderer, finde ich traurig.“ Ihre Devise lautet daher: ausprobieren, Fragen stellen und sich ein Umfeld suchen, in dem man sich entwickeln kann.

Es ist eine junge Frau zu sehen, die an einem Computer steht und arbeitet.
Das Berufsbild Kfz-Techniker:in hat sich stark verändert - Jennifer mag die Vielseitigkeit des Jobs. © ÖAMTC
Gerade am Anfang wird man unterschätzt und man muss sich erst beweisen.
Jennifer Mayrhofer

Drei Frauen, ein Traumberuf

Was Jennifer gerade lernt, ist für Emilia Schilling längst Routine. Die Technikerin arbeitet am Stützpunkt Gmunden in der Prüfhalle, bei Bedarf unterstützt sie die Kollegen in der Pannenhilfe. In der traditionell männlich dominierten Branche zählt für sie vor allem eines: fachliche Kompetenz, gepaart mit Einfühlungsvermögen und Hilfsbereitschaft. „Genau zuhören, ernst nehmen und gut erklären – das ist bei uns genauso wichtig wie das technische Wissen.“ Dass sie von einer Kfz-Technikerin betreut werden, wird von den Mitgliedern zunehmend als selbstverständlich erlebt. Überraschung oder Vorurteile kommen manchmal vor, berichten alle drei Frauen. Sobald aber ihre Leistung sichtbar wird, verschwindet auch das anfängliche Staunen.

Alle Gelben Engel haben ein gemeinsames Ziel vor Augen: „Man hilft Menschen in einer Notsituation, in der sie selbst nicht weiterwissen“, sagt Lea Schäfer. „Wenn Mitglieder dann wieder weiterfahren können und die Anspannung aus ihren Gesichtern weicht, ist das unser größter Ansporn.“ Das zeigt auch der Einsatz im Tunnel Götschka: schnelle Hilfe in kritischen Momenten, fachliche Kompetenz und die Fähigkeit, mit Menschlichkeit auf unsere Mitglieder einzugehen.

Genau zuhören, ernst nehmen und gut erklären – das ist genauso wichtig wie das technische Wissen.
Emilia Schilling
Es ist eine Frau in ÖAMTC-Kleidung zu sehen. Hinter ihr sieht man ein Pannenfahrzeug.
Kfz-Technikerin Lea Schäfer © ÖAMTC
Es ist eine Frau in ÖAMTC-Kleidung zu sehen, die gerade in die geöffnete Motorhaube eines Fahrzeugs schaut.
Lea bei der Arbeit. © ÖAMTC
Es ist eine Frau in ÖAMTC-Kleidung zu sehen. Sie lehnt an einem Pannenfahrzeug.
Als Technikerin im Pannendienst hilft Lea Mitgliedern bei Pannen. © ÖAMTC

Lea, Emilia, Jennifer stehen stellvertretend für zahlreiche weitere Kfz-Technikerinnen beim Club. Sie machen sichtbar, dass technische Berufe heute vielfältig sind und dass Kompetenz, Engagement und Freude am Helfen das Einzige ist, was zählt. Und sie sind auch inspirierende Beispiele dafür, dass Traumberufe kein Geschlecht kennen.

Autorin

Anita Mayer ist seit 2022 für die Kommunikation des ÖAMTC Oberösterreich verantwortlich. Neben ihrer vielfältigen Tätigkeit für den Club ist die Mühlviertlerin gerne zu jeder Jahreszeit mit ihrem Gravelbike unterwegs.

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