Da platzt einem der Kragen
Ein Wiener Unternehmen hat den Fahrrad-Airbag weiterentwickelt und fasst mit dem System "Hövding" vor allem notorische Helm-Muffel ins Auge.
Ein Kopfschutz auf Pkw-Niveau für Radfahrer:innen: Mit dieser Zielsetzung arbeitet der Wiener Airbag-Spezialist iSi Automotive an der Neuauflage des Fahrrad-Airbag-Systems "Hövding". Statt eines konventionellen Helms trägt man dabei einen Kragen um den Hals, der sich bei einem Unfall zu einer schützenden Haube entfaltet.
Nach der Insolvenz des schwedischen Entwicklers hat das Unternehmen aus Wien die Marke übernommen und entwickelt nun die vierte "Hövding"-Generation. Hendrik Hasch, CEO der iSi Automotive Group: "Damit bringen wir unsere langjährige Airbag-Expertise erstmals auf zwei Räder und entwickeln ein Produkt, das Sicherheit neu definiert."
ÖAMTC-Verkehrssicherheitsexperte Steffan Kerbl dazu: "So ein System ersetzt zwar keinen Helm, kann aber eine Ergänzung für jene sein, die sonst ohne Kopfschutz fahren würden."
Was ist die Idee?
Viele Radler:innen verzichten leider noch immer oft auf das Tragen von Helmen – sei’s aus Komfort- oder auch aus modischen Gründen. Genau hier setzt der "Hövding" an: Der Airbag-Kragen ist kaum sichtbar, beeinträchtigt weder Frisur noch Kleidung und soll sogar ein größeres Schutzfeld um Kopf und Nacken erzeugen als ein klassischer Helm.
Wie funktioniert’s?
Im Kragen erfassen Sensoren alle Beschleunigungs- und Rotationsbewegungen des Körpers. Ein lernfähiger Algorithmus unterscheidet dabei typische Fahrmuster von kritischen Bewegungen. Erkennt das System dann einen Sturz, zündet eine Gaspatrone und der Airbag bläst sich innerhalb von Millisekunden zu einer kapuzenähnlichen Schutzhaube auf.
Für die bevorstehende Generation 4, die im Laufe des Jahres auf den Markt kommen soll, kündigt iSi eine weiterentwickelte Sensorik an, um sowohl Reaktionssicherheit als auch Präzision zu steigern. ÖAMTC-Profi Kerbl: "Wichtig ist, dass das System auch in Grenzsituationen verlässlich auslöst."
Was bringt’s?
Laut Hersteller soll der Airbag durch seine Form und sein Volumen die Aufprall-Energie sogar effizienter absorbieren als viele herkömmliche Fahrradhelme. Zugleich bleibt der Kopf im alltäglichen Normalbetrieb frei, was zum Beispiel bei sommerlichen Temperaturen oder kurzen Wegstrecken einen Komfort-Gewinn bedeuten würde.
Rückblickend hatte der "Hövding 3" in Schweden zwar für Diskussionen mit der dortigen Verbraucherschutzbehörde gesorgt, was Kritikpunkte wie Auslösung und Robustheit des Systems betraf – iSi Automotive will beim "Hövding 4" aber genau da nachschärfen. Der Vertrieb soll zum Marktstart über den Fachhandel erfolgen, die Preise bei geschätzt 300 Euro liegen.
Info
Forschung, Entwicklung, Optimierung: Wissenschaft und Industrie erarbeiten laufend neue Methoden und Techniken. An dieser Stelle berichten wir über Innovationen, die sich positiv auf Effizienz oder CO2-Ausstoß auswirken.