Vom Berg gerettet

Jedes Jahr verunglücken Tausende in Österreichs Alpen. Wie drei ÖAMTC-Mitglieder gerettet wurden – und was Experten Freizeitsportlern raten.

Egal, ob die Sonne erbarmungslos vom Himmel brennt, ob laue Frühlingstemperaturen herrschen oder ob die Zähne vor Kälte klappern – viele Hobbysportler:innen zieht es bei jedem Wetter regel­mäßig in die Berge. Doch leider bleibt das Erlebnis in der Natur nicht immer in positiver Erinnerung.

Insgesamt wurden 9.441 Alpinunfälle 2024 in Österreichs gezählt. Entsprechend stark gefordert sind auch die Gelben Engel der ÖAMTC Flugrettung, um die vielen Bergsportlerinnen und Sportler zu bergen, die jedes Jahr verunglücken. Denn die Rettung vom Berg und die folgende medizinische Betreuung müssen oftmals schnell gehen – und entsprechend teuer sind die Einsätze. Zumin­dest gilt das, wenn ­keine Versicherung haftet.

Drei Mitglieder erzählen von ihren alpinen Unfällen und wie der Schutzbrief sie vor schlimmeren Folgen sowie hohen Kosten bewahrt hat.

Auf den Ski

Ein seit Kindertagen vertrautes Skigebiet in der Steiermark, ein langer Tag und eine Piste, die kaum noch zumutbar war. Die gemütliche letzte Abfahrt wurde Martin L. in seinem Skiurlaub zum Verhängnis.

"Die Piste war schon ­extrem mitgenommen, und ich bin mit voller Geschwindigkeit über einen Buckel gefahren. Ich konnte den Sturz nicht mehr verhindern. ­Vermutlich ist ein Skistock im Schnee hängen geblieben – jedenfalls hat mir der Sturz die Schulter aus dem Gelenk gerissen. Aber ich erinnere mich kaum, wie es genau passiert ist", erzählt Martin.

Die Schmerzen waren so heftig, dass er das Bewusstsein verlor. Die Rettungskette wurde sofort in Gang gesetzt, die Schulter von Ersthelfer:innen, die aus dem Tal zur Unfallstelle kamen, notdürftig mit einer Rettungs­decke fixiert. Schließlich kam der gelbe Hubschrauber. Der Flugretter verabreichte Martin starke Schmerzmittel und renkte ihm noch auf der Piste die Schulter wieder ein, bevor es Richtung Schladming ins Krankenhaus ging. "Das waren bis heute die schlimmsten Schmerzen meines ­Lebens. Ich wäre niemals auf den Ski den Hang hinuntergekommen."

Das waren bis ­heute die schlimmsten Schmerzen meines ­Lebens. Ich wäre niemals auf den Ski den Hang hinuntergekommen.

Martin L., Wien.

Sein erster Hubschrauberflug ist dem 27-Jährigen aber im Gedächtnis geblieben. "Der Start und die Landung waren trotz allem beeindruckend", erzählt er schmunzelnd. Von der Verletzung sind nur kleine Operationsnarben zurückgeblieben. Die Rechnung hätte mehrere Tausend Euro ausgemacht, doch der Schutzbrief bewahrte den Wiener vor den hohen Kosten. "Ich war sehr erleichtert, dass ich mich dank des Schutzbriefs voll auf meine Heilung konzentrieren konnte."

Beim Wandern

Es war ein sonniger Tag im letzten Sommer. Die sportliche Pensionistin Karin U. wollte mit ­ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter nach zwölf Jahren endlich wieder die Ötschergräben in Nieder­österreich besuchen.

Die Familie startete von Mitterbach aus in Richtung Gemeindealm zu einer Wanderung, die vorwiegend bergab führte und rund vier Stunden dauern sollte. Bald merkte die 67-Jährige, dass der Abstieg ihre Knie stark belastete. Doch sie machte sich keine Sorgen, ging sie doch täglich mit ihrem Hund spazieren und fuhr viel mit dem Rad. Nach circa zwei Stunden auf dem geschotterten Wanderweg sackte ihr dennoch das Knie weg, und sie stürzte rund vier Meter in den Flusslauf der Erlauf.

Dabei erlitt Frau U. neben einer Platzwunde am Kopf auch zwei Halswirbelbrüche. Später stellte sich heraus, dass zusätzlich zwei Bänder im Knie gerissen waren.

"Glücklicherweise wanderte hinter uns eine Gruppe, bei der eine Krankenschwester dabei war. Sie leistete Erste Hilfe, verband meine Platzwunde und wies meinen Sohn an, wo er anrufen sollte. Der war in diesem Moment komplett geschockt." Ihr Sohn wählte den Euro-Notruf 112, und flott lief die Rettungskette an. "Das ging richtig schnell. Nur 30 Minuten später ­hörten wir den Hubschrauber über uns kreisen."

Es folgte eine Taubergung, da sich die Frau an einer Stelle in einer Schlucht befand, die auf ­anderem Weg nicht zeitnah erreichbar gewesen wäre. "Der Weg ist dort rund einen Meter breit; daneben geht es einerseits steil bergauf und anderer­seits steil bergab." Karin U. wurde vom Sanitäter untersucht, gesichert und zum nächstmöglichen Landeplatz geflogen. Dort wurde sie umgelagert und direkt ins Krankenhaus ­Amstetten gebracht. An die Taubergung kann sich die 67-Jährige nicht mehr so genau erinnern. "Ich stand doch noch ziemlich unter Schock. Ich ­habe es weder genossen noch mich gefürchtet", lacht sie heute.

Nach fünf Tagen wurde sie aus dem Krankenhaus Amstetten entlassen. Mittlerweile geht es der Niederösterreicherin wieder gut, auch wenn sie bis heute die Auswirkungen spürt. "Ich bin sehr dankbar, dass ich so schnell geborgen ­wurde und dank des Schutzbriefs versichert war. Durch den Unfall wurde mir sehr bewusst, wie schnell sich auf einmal alles ändern kann."

Auf dem Mountainbike

Am 20. Juli des Vorjahres endete ein spontaner Familien-Radausflug im oberösterreichischen Rannatal für Petra S. beinahe fatal. Bei der Fahrt durch einen Wald blieb sie mit einem Pedal an einem hervorstehenden Ast hängen und stürzte kopfüber rund 20 bis 30 Meter eine steile ­Böschung hinunter.

"Ich bin zuerst mit dem Kopf auf einen Felsen aufgeschlagen, dann mit dem Rücken gegen ­einen Baumstamm", erinnert sich die 43-jährige Ordinationsassistentin. Sie trug einen Helm und einen Rucksack mit stabilem Rückenprotektor – beides wurde zur Lebensversicherung. Trotz der Wucht des Sturzes blieb sie bei Bewusstsein, spürte aber sofort ein gefährliches Kribbeln im Rücken. Petras Mann rief sofort die Rettung, aller­dings lag der Unfallort tief im Wald, und die Stelle war extrem schwer zugänglich.

Ohne diese perfekte und schnelle Hilfe aus der Luft wäre ich heute entweder gelähmt oder vielleicht gar nicht mehr am Leben.

Petra S.

Der "Christophorus"-Heli benötigte nur neun Minuten Flugzeit zum Unfallort, konnte wegen des dichten Waldes aber zunächst nicht landen. Deshalb wurde der Notarzt auf einem Feld abgesetzt und stieg zu Fuß zur Verletzten ab. Schließlich wurde Petra im Bergesack über einen provisorischen Flaschenzug zu einer kleinen Lichtung hinaufgebracht und dort per Tau in den Hubschrauber aufgenommen.

Im Krankenhaus in Linz bestätigten die Ärzt:innen Petras böse Vorahnung: Ein Lendenwirbel war vollständig zertrümmert, ein Brustwirbel angeknackst. Sechs Wirbel wurden mit einer 18 Zentimeter langen Metallkonstruktion und zehn Titanschrauben stabilisiert, 56 Klammern verschlossen die OP-Schnitte. Lähmungen hatte sie keine – ein kleines Wunder. Zwei ­Monate später war sie wieder arbeitsfähig, nur Drehbewegungen und das Bücken sind noch eingeschränkt.

Petra erzählt: "Ohne diese perfekte und schnelle Hilfe aus der Luft wäre ich heute entweder gelähmt oder vielleicht gar nicht mehr am Leben. Der ganze Einsatz wurde dann auch völlig unkompliziert vom Schutzbrief übernommen. Ich lege wirklich jedem nahe, sich einen zuzulegen. Es kann nämlich so schnell gehen."

Und es ist ihr wichtig, unseren Leser:innen einen Tipp mitzugeben: "Verwenden Sie beim Radfahren immer einen Helm – egal, wie kurz die Strecke ist. Ohne gäbe es mich heute vielleicht nicht mehr."

Expertentipps für mehr Sicherheit in den Bergen

Der ärztliche Leiter der ÖAMTC Flugrettung, Dr. Wolfgang Voelckel, und der Flugretter der ÖAMTC Flugrettung, Markus Amon, geben folgende Tipps für mehr Sicherheit in den Bergen:


Fitness realistisch einschätzen: Die Tour sollte immer der eigenen Leistungsfähigkeit entsprechen. Überforderung führt oft zu Erschöpfung oder gefährlichen Situationen am Berg.
Körperliche Vorbereitung: Regelmäßiges Training stärkt Muskulatur und Beweglichkeit. Das beugt nicht nur Unfällen vor, sondern mindert auch das Verletzungsrisiko bei Stürzen.
Richtige Ausrüstung wählen: Im alpinen Gelände sind Wanderschuhe Pflicht – Turnschuhe bieten keinen Halt. Auf der Piste sollten Ski und Bindung regelmäßig kontrolliert werden.
Notfallausrüstung mitführen: Eine Aludecke schützt im Winter vor Unterkühlung, eine Warnweste erhöht die Sichtbarkeit für Rettungskräfte.
Erste Hilfe leisten: Keine Scheu vor der Hilfeleistung – meist ist es wichtig, den oder die Verletzte zu wärmen oder in stabile Seitenlage zu bringen.
Erreichbar bleiben: Handy auf laut stellen, um für Rettungskräfte erreichbar zu sein.
Deutliches Signal geben: Helfer:innen sollten sich gut sichtbar positionieren und mit zwei nach oben gestreckten Armen ein klares Signal setzen.

Zum Schutzbrief

Zusätzlich zur ÖAMTC-Mitgliedschaft gibt es den Schutzbrief, der noch mehr Leistungen samt umfassender Nothilfe und Kostenschutz im In- und Ausland bietet.

Darin inkludiert (kurzer Auszug):


Hubschrauber-, Berg- und Pistenrettung nach Freizeit-Alpinunfällen in Österreich
Hubschrauberrettung und -bergung nach Unfall oder Krankheit im Ausland
Kranken- und Kinderrückholung
Fahrzeugrückholung
Wildschadenhilfe, Heim- oder Weiterreise nach Unfall oder Erkrankung und vieles mehr.


Der Schutzbrief des Clubs gilt für Sie, Ihre Familie und alle Ihre Fahr­zeuge. Der Gültigkeitsbereich umfasst Österreich, alle Länder Europas, alle Mittelmeerinseln und die außereuropäischen Mittelmeer-Anrainerstaaten, die Kanarischen Inseln, die Azoren, Madeira sowie die Russische Föderation.

Alle Leistungen und Details zum Schutzbrief.