Der beste Wuzler der Welt
Stefan Burmetler ist Tischfußball-Weltmeister. Wie der 19-jährige Niederösterreicher trainiert, warum Tisch nicht gleich Tisch ist, wie man einen Zieher spielt und welchen Tipp er vor der kommenden Fußball-WM für die Nationalmannschaft hat.
Du wurdest als 18-Jähriger Weltmeister. Wie lange spielst du schon, um so gut zu sein?
Seit meinem siebten Lebensjahr, das sind jetzt knapp 12 Jahre.
Was fasziniert dich am Tischfußball oder Wuzeln, wie es im Volksmund heißt?
Es ist egal, ob du jung, alt, klein, groß, dick oder dünn bist. Jeder kann gegen jeden spielen und gewinnen. Diese Chancengleichheit gibt es beim normalen Fußball nicht – das finde ich cool.
Die wichtigste Eigenschaft, die ein Spieler haben muss, ist…
… dass er Spaß hat. Ohne Spaß, kein Erfolg. Davon abgesehen braucht es gute Reflexe, sehr viel Spieltechnik und ein schnelles Handgelenk.
Wie trainierst du das Handgelenk?
Eigentlich nur beim Spielen und beim Arbeiten. In meinem Beruf als Maurer wird das Handgelenk ohnehin dauernd beansprucht.
Hast du einen speziellen Schuss, für den du in der Szene bekannt oder vielleicht sogar gefürchtet bist?
Mein Schuss aus der Zweierreihe ist sehr gut, der sogenannte Zieher. Dabei liegt der Ball seitlich neben der Spielfigur, leicht hinter der Stange. Dann zieht man die Figur samt Ball rasch zur Seite, öffnet so ein freies Schussfenster, und schießt den Ball mit einer schnellen Drehung aus dem Handgelenk ins Tor. Aber eigentlich bin ich für meine Schnelligkeit bekannt. Mein Bruder und ich zählen in der Meisterschaft zu den schnellsten Spielern, nur wenige sind schneller als wir.
Du trittst sowohl in Einzel- als auch in Doppelbewerben an…
Ja, weil ich auf diese Art öfter zum Spielen komme. Turniere sind für mich das beste Training. Im Doppel spiele ich je nach Gegner und Tagesform vorne oder hinten, aber vorne fühle ich mich prinzipiell wohler.
Warum?
Weil ich auf dieser Position meine zuvor angesprochene Schnelligkeit besser einsetzen kann. Ich trete gerne im Doppel an. Aber wenn ich mich für eine Disziplin entscheiden müsste, wäre es der Einzelbewerb, weil das Tempo hier eine entscheidendere Rolle spielt.
Gab es einen bestimmten Moment, in dem du beschlossen hast, Profi zu werden?
Nein, das ist schleichend passiert. Mein Bruder und ich haben immer schon viel gespielt, haben uns gegenseitig angestachelt, wollten besser als der andere sein. Professionell wurde es vor allem durch unseren Trainer Thomas Wagner. Er hat uns auf Turniere mitgenommen, hat Trainings geplant und uns extrem unterstützt. Ohne ihn wären wir nicht so gut geworden.
Tischfußball wird auf unterschiedlichen Tischtypen gespielt. Welche Marke ist dein Favorit und warum?
Der Garlando ist mein Favorit, auf dem mein Bruder und ich seinerzeit zu spielen begonnen haben. Es gab dann eine kurze Phase, in der mir der Leo (Anmerkung: das ist der typische deutsche Tisch) besser gefallen hat. Aber auf dem Garlando ist das Spielen herausfordernder, deswegen macht er mir Spaß. Er verfügt nämlich über eine viel glattere Platte. Das bedeutet, dass der Ball mehr rutscht und somit schwerer zu kontrollieren ist. Und damit kommen viele nicht so gut zurecht.
Warum umwickelst Du die Griffe mit einem Griffband, wie man es vom Tennis kennt?
Das mache ich, um kontrollierter spielen zu können. Beim Tischfußball sind Technik, Präzision und Schnelligkeit von entscheidender Bedeutung. Je besser ich den Griff in der Hand habe, desto besser kann ich den Ball kontrollieren – und desto besser ist im Idealfall auch mein Schuss. Die Standardgriffe, die sich von Tischtyp zu Tischtyp unterscheiden, sind mir zu rutschig.
Es ist egal, ob du jung, alt, dick oder dünn bist: Du kannst gegen jeden spielen und gewinnen.
Stefan Burmetler, Tischfußball-Weltmeister
Gibt es ein persönliches No‑Go am Wuzeltisch, bei dem du innerlich sofort eine Rote Karte zückst?
Ich mag es nicht, wenn der Ball auf unglückliche Art und Weise im eigenen Tor landet und der Gegner sich dann extrem freut und jubelt.
Im Profifußball geht es um Millionenbeträge. Wie ist das beim Tischfußball?
In der Meisterschaft und bei normalen Turnieren gibt es schon ein wenig Preisgeld, bei einer WM oder in der Tischfußball-Champions-League hingegen nicht. Bei uns geht es mehr ums Gewinnen. Wir spielen also eigentlich nur um Ruhm und Ehre. Aber es hat mich sehr gefreut, dass mich mein Heimatort (Anmerkung: Kirchberg an der Pielach) geehrt hat.
Welche Bedeutung hat dann der Weltmeistertitel überhaupt für dich?
Der Titel ist natürlich trotzdem toll. Wichtiger finde ich jedoch, dass ich dem Sport auch etwas zurückgeben und für den heimischen Nachwuchs ein Vorbild sein kann. Dank der medialen Aufmerksamkeit ist das hoffentlich zumindest ein wenig gelungen.
Wenn Tischfußball eine olympische Disziplin wäre: Welche Nation würdest du am meisten fürchten – und warum?
Die Top-Nationen in unserer Sportart sind Deutschland, Amerika, Frankreich und die Schweiz. In diesen Ländern gibt es viele sehr gute Spielerinnen und Spieler, die immer auch um den Sieg mitspielen können.
Abschließende Frage: Magst du der österreichischen Nationalmannschaft vielleicht einen Tipp geben, wie sie bei der kommenden WM den Titel holen kann?
Das Wichtigste ist, zu kämpfen und nicht aufzugeben – auch wenn man in Rückstand gerät.
Zur Person
Stefan Burmetler (19) aus Kirchberg an der Pielach spielt seit zwölf Jahren Tischfußball. Seine größten Erfolge: der Gewinn von gleich zwei Weltmeistertiteln in Saragossa (Spanien) im vergangenen Jahr. Zunächst holte er mit Spielpartnerin Melissa Mosser die Goldmedaille im Mixed-Bewerb, danach den Titel im Einzel. Damit ist der Maurer-Lehrling der jüngste Einzel-Weltmeister aller Zeiten.