Kleine Autos, große Gefühle

Craig Callum designt für Hot Wheels Spielzeugautos. Worauf es ankommt, wenn echte Fahrzeuge geschrumpft werden, wer heutzutage überhaupt noch damit spielt und welche Modelle besonders wertvoll sind.

Wie wird entschieden, welche Spielzeug­autos produziert werden?

Die Auswahl neuer Modelle beginnt mit der emotionalen Verbindung, die ein Fahrzeug bei Kindern und Sammlern schafft.

Welches Auto finden sie am spannendsten, coolsten und inspirierendsten?

Dann berücksichtigen wir, was in der Autowelt gerade modern ist, ob das Fahrzeug auch im Maßstab 1:64 wiedererkennbar bleibt und wie es um die technische Machbarkeit bestellt ist. Hot Wheels deckt seit jeher das gesamte Spektrum der Mobilität ab – von Supercars und Renn­wagen bis hin zu Alltagsautos. Letztere werden oft noch angepasst und modifiziert, um sie noch spannender wirken zu lassen. Schlussendlich ist es eine Zusammenarbeit zwischen Design, Produktentwicklung und Lizenzierung – wichtig ist, dass das Fahrzeug in der Herstellung machbar ist.

Wie wird aus einem echten Auto ein Spielzeugauto?

Bei lizenzierten Fahrzeugen, die bereits existieren, beginnt der Prozess normalerweise mit Originalmaterial wie Konstruktionsdaten, technischen Zeichnungen oder Zugang zum realen Fahrzeug für 3D-Scans. Diese Vorlagen werden dann auf 1:64 herunterskaliert. An diesem ­Moment arbeiten mehrere Designer eng zusammen und kümmern sich um Modellierung, ­Grafik und Konstruktion.

Unsere Autos sind so gebaut, dass sie jahrelanges aktives Spielen überstehen müssen.

Craig Callum, Senior Design Manager Hot Wheels.

Das klingt relativ einfach. Welche Bereiche dieser Umsetzung sind schwieriger, als man es vielleicht vermuten möchte?

Die Herausforderung besteht nicht nur in der Genauigkeit, sondern auch in der Spielbarkeit. Das Auto muss gut rollen, langlebig sein und im sehr kleinen Maßstab sofort visuell „lesbar“ sein. Die Proportionen werden oft subtil angepasst, damit das Modell immer noch kraftvoll, dynamisch und unverkennbar als Hot Wheels erkennbar bleibt. Spielzeugautos müssen sehr robust sein.

Wie werden sie vorab getestet?

Unsere Fahrzeuge müssen strenge internationale Sicherheits- und Qualitätsstandards erfüllen. Diese umfassen Fall-, Druck-, Belastungs- und Rolltests sowie umfangreiche Überprüfungen von Materialien und Lackbeständigkeit. Kinder sind zwar nicht direkt in Testverfahren eingebunden, doch das reale Spielverhalten ist ein wichtiger Aspekt während der Entwicklung. Hot Wheels-Autos sind so konzipiert, dass sie Jahre aktiven Spielens überstehen – auf dem Boden, auf Rennstrecken und überall dazwischen.

Zum Mattel-Konzern gehören Hot Wheels und Matchbox, zwei der bekanntesten Spielzeugauto-Marken der Welt. Wie unterscheiden sich die beiden aus Ihrer Sicht?

Matchbox konzentriert sich traditionell auf realistische Alltagsfahrzeuge und urbane Mobilität, einschließlich Service- und Einsatzfahrzeuge. Hot Wheels hingegen ist ausdrucksstärker und leistungsorientierter, mit starkem Fokus auf Geschwindigkeit, Fantasie und kühnes Design.

Wer spielt heutzutage hauptsächlich mit Spielzeugautos? Sind es eher Buben oder Mädchen, Jüngere oder Ältere?

Alle – das Spielen mit Autos verbindet oftmals gleich mehrere Generationen: Kinder mit Eltern und Großeltern. Viele Erwachsene sammeln unsere Autos mittlerweile, weil sie mit der Marke aufgewachsen sind und sie jetzt aus einer neuen Perspektive wiederentdecken.

Wie können ältere oder stark genutzte Spielzeugautos wieder aufgefrischt werden?

Viele Fans restaurieren ihre Modelle durch Reinigung, Neulackierung, das Richten der Achsen oder den Austausch der Räder. Weil es keine ­offiziellen Ersatzteile im klassischen Sinne gibt, ist die Community äußerst kreativ. Oft modifizieren sie Gussformen selbst, um neue Custom-Autos zu erschaffen.

Welche Modelle gelten als besonders begehrt und wertvoll?



Zu den wertvollsten Modellen von Hot Wheels gehören frühe Ausgaben aus den späten 1960er- Jahren, besonders die sogenannten „Redline“-Autos. Die seltensten davon sind Prototypen oder fehlerhaft bemalte oder bedruckte Fahr­zeuge, die völlig einzigartig sind. In unserer Hauptlinie von Gussfahrzeugen ­haben wir sogenannte Super-Treasure-Hunt-Modelle inkludiert, die für Fans versteckt sind, um sie zu jagen. Diese können auch sehr wertvoll sein, da sie schwer zu finden sind.

Woran kann ein Laie so ein besonderes Modell erkennen?

Oft ist es eine Kombination spezifischer Merkmale. Dazu gehören charakteristische Lackvarianten wie die Spectra-Flame-Beschichtung und die Verwendung von Gummireifen statt Kunststoffreifen. Limitierte Auflagen oder spezielle Verpackungen können ebenfalls auf erhöhte Sammelbarkeit hindeuten. Auch der Zustand der Originalverpackung ist für den Sammlerwert entscheidend.

Welches Modell ist Ihr persönliches Lieblingsmodell?

Das ändert sich ständig. Oft sind es tatsächlich die Basismodelle. Sie sind erschwinglich und erreichen Millionen von Kindern weltweit. Außerdem haben wir bei dieser Reihe etwas mehr Freiheit, um unsere eigenen Originaldesigns zu schaffen. Wir können wirklich Spaß mit den ­Designs haben. Gleichzeitig ist es eine sehr erfüllende Herausforderung, die Anziehungskraft sowohl für Sammler als auch für Kinder hochzuhalten. Denn dieses Gleichgewicht ist das Herz von Hot Wheels: Kinder inspirieren, Leidenschaft ent­fachen und gleichzeitig Relevanz für unsere Fans und Erwachsene bewahren, die ihre Jugend wiedererleben.

Auf Instagram und TikTok gibt es viele User, die sich der erwähnten Jagd nach Spezial-Modellen, dem Bau von Rennstrecken oder der Nachbildung von Autos als Kuchen widmen. Folgen Sie der Social-Media- Community und beeinflusst das Ihre Arbeit?

Absolut. Social Media ist eine ständige Inspirationsquelle. Ob Custom-Builds, aufwendige Streckendesigns oder Sammel-Jagden – die Community zeigt uns, wie viele kreative Wege es gibt, sich mit unseren Autos auseinanderzusetzen. Es kann auch eine großartige Feedbackquelle sein, wenn man die Reaktionen der Community auf unsere Designs sieht. Diese Leidenschaft verstärkt die Idee, dass Hot Wheels mehr als ein Spielzeug ist – es ist Teil der modernen Auto- und Popkultur weltweit geworden.

Zur Person

Craig Callum studierte in England Automotive Design. Nach einer kurzen Station bei Renault Trucks beginnt er 2009 bei Lego zu arbeiten, ist dort zuletzt für die sehr realitätsnahe Speed-Champions-Serie zuständig. 2018 verlässt er die Spielzeugindustrie in Richtung Oldtimerbranche. Nach einem Motorradunfall orientiert er sich neu und dockt 2022 als Designer bei Hot Wheels an.