Ayurveda: Warum Öl auf der Stirn entspannt

Ein Auto muss jährlich zum Service. Warum nicht auch dem eigenen Körper und Geist Gutes tun – mit einer Ayurveda-Kur in Sri Lanka? Hier das Tagebuch eines Selbstversuchs.

Was verbinden Sie mit Ayurveda? Entspannung, Erholung, Diät und Massagen? Viel schlafen, lesen, mit der Freundin plaudern und dazwischen wohltuende Massagen bekommen? Mit einem Fruchtcocktail in der Hand in der Sonne am Strand faulenzen? Oder haben Sie diese Vorstellung: Schmerzende Entgiftungsmassagen und Darmreinigungen mit tagelangem Betthüten? Beides stimmt nicht. 

Meine Vorstellung einer Ayurveda-Kur

Würden Sie eine Ayurveda-Kur machen, wenn Sie wissen, dass Sie in den ersten Tagen starke Migräne-Attacken bekommen – und so starke Rückenschmerzen, dass Sie kaum sitzen können, geschweige denn schlafen? Das kann passieren. Jeder Mensch reagiert anders.

Und würden Sie diese Kur machen, wenn Sie wissen, dass Sie sich danach nicht nur um einige Jahre jünger fühlen, sondern auch so aussehen? Sich wie neu geboren fühlen? Schon eher. Der Extremsportler Dean Karnazes hat einmal gesagt: "Manchmal muss man durch die Hölle gehen, um in den Himmel zu kommen."

Tauchen Sie ein in das Tagebuch meiner einwöchigen Schnupper-Ayurveda-Kur. 

Erkenntnis des 1. Tages: Kurgäste haben auch Spaß






Shunyata heißt übersetzt "Ozean des Lichts".






Maria Neurohr, Inhaberin


Das fängt ja schon gut an: Der Taxifahrer findet trotz Adressangabe nicht zur Ayurveda Shunyata Villa in Induruwa im Südwesten Sri Lankas. Warum ich mir gerade dieses kleine Resort ausgesucht habe? Wegen der sehr privaten und persönlichen Atmosphäre und des deutschsprachigen Managements. Maria und Jürgen Neurohr hatten, als sie vor dreizehn Jahren aus Deutschland ausgewandert sind, eigentlich eine ganz andere Vision: Sie suchten einen Alterswohnsitz. Das Ergebnis: ein kleines Ayurveda-Resort mit nur fünf Zimmern und dreizehn Kurplätzen.

Bei meiner Ankunft habe ich gemerkt: Sensible Menschen spüren in dieser Oase eine ganz spezielle Energie. "Jeder Kurgast hinterlässt hier etwas, sät einen Samen", versucht Maria das Gefühlte in Worte zu fassen. "Unsere Gäste kommen übersäuert und gestresst an, meist mit chronischen Erkrankungen und Übergewicht, und verlassen uns nach zwei oder drei Wochen wie neu geboren." Na, ich bin gespannt...

Um 16 Uhr habe ich meine Welcome-Massage. Ich fühle mich noch etwas fehl am Platz. Während ich auf die Behandlung warte, lerne ich eine Schweizerin kennen. Sie stellt sich vor und grinst über beide Ohren. Ich hatte schon Angst, dass hier jeder nur für sich sein möchte. Aber ich habe ja kein Schweige-Seminar gebucht.

Die Ayurveda-Therapeutin, eine kleine zarte Sri Lankerin mit Haaren bis zum Po, führt mich in einen auf Stelzen gebauten Holz-Pavillon mit Bambus-Rollos. Es ist sehr finster im Raum. Sehr lange massiert sie mein Gesicht. Das habe ich so noch nie erlebt. Ganz langsam und mit leichtem Druck. Ihre Finger schweben über meiner Haut. Sie massiert meine Augenhöhlen, die Augenbrauen, mit etwas Öl den Kopf – jetzt weiß ich warum ich so eine große Flasche Shampoo bekommen habe – und rollt meine Ohren sanft aus. Ich döse vor mich hin, höre permanent das Rauschen des Meeres und mich atmen – ich schlafe bereits. Sie massiert sehr lange meine Füße und zuletzt auch meine Beine und den Rücken.

Die Massage hat so lange gedauert, dass ich nun die Yoga-Einheit nicht pünktlich schaffe. Das ärgert mich. Ich möchte mich aber nicht hetzen. Denn das ist gegen die Philosophie einer Kur.






Nach der Kur werde ich mich wie ein Rolls-Royce fühlen.






Susan M., 64jähriger Kurgast


Um 19 Uhr findet das Abendessen am Strand statt. Auf einem langen Tisch ist für acht Personen gedeckt. Hoffentlich passe ich in die Gruppe. Spricht hier jeder nur über seine Krankheiten? Zwei Kurgäste sind ungefähr so alt wie ich. Mein erstes Vorurteil, dass nur ältere Menschen eine Ayurveda-Kur machen, wurde somit nicht bestätigt.

"Habt ihr euren Vermouth schon getrunken?", fragt eine Deutsche in die Runde. Sie meint natürlich die ayurvedische Medizin, die abends in Stamperlform serviert wird. Die gute Laune der 64-Jährigen hat mein Bild einer Ayurveda-Kur in der Sekunde zerschlagen und somit auch mein zweites Vorurteil. Wir plaudern über Gott und die Welt und lachen. Was für eine nette Damenrunde.






Im Ayurveda gibt es keine Verbote, sondern maßhalten ist die Regel.






Ines Cieslak, Managerin


Als Nachspeise bekommen wir Kokos-Mangospalten mit ein wenig – kaum sichtbar am Teller – Schokoladensauce serviert. Aufregung herrscht am Tisch. Ist das wirklich Schokolade? In einem Ayurveda-Resort? Eine Kur-Kollegin fragt den Kellner. Er nickt. "Ahhhh", schreit sie. "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich es mehr genossen." Fast drei Wochen ist sie hier schon der Ayurveda-Kost ausgesetzt, aber noch nie hat sie etwas mit Schokolade bekommen. Drittes Vorurteil: Man muss hungern während einer Kur, auf alles Gute verzichten – auch das wurde somit nicht bestätigt.

Erkenntnis des 2. Tages: Der Puls hüpft wie ein Frosch

Nach dem Frühstück um 9.20 Uhr steht die ärztliche Konsultation auf meinem Behandlungsplan. Ines, eine der deutschen Managerinnen und gelernte Krankenschwester und Hebamme, steht mir als Dolmetscherin bei. Ich verstehe Dr. Padmini leider kaum. Spricht sie Singalesisch oder Englisch?






Am Beginn einer Ayurveda-Kur steht die traditionelle Pulsdiagnose.






Ines Cieslak, Managerin


Die traditionelle Pulsdiagnose ist in wenigen Minuten gestellt. Das Wesen des Menschen ertasten Ayurveda-Ärzte nämlich mit seinem Aderschlag. Ich frage Dr. Padmini, ob sich mein Puls wirklich anfühlt wie eine fliehende Schlange, ein gleitender Schwan oder ein hüpfender Frosch – das habe ich gestern Abend gelesen. Die Ärztin kichert nur – ja, so wird es im Ayurveda-Lehrhospital an der Universität in Colombo gelehrt. Für sie ist es selbstverständlich, für mich ein Rätsel. Zungen- und Augendiagnose, Blutdruckmessung sowie Fragen nach Urinfarbe, Verdauung, Schlaf und Ernährung folgen. Bereits vor der Reise habe ich einen Anamnese-Fragebogen ausgefüllt und per E-Mail zurückgeschickt. Zwischendurch kritzelt sie irgendetwas auf Singalesisch auf einen Zettel. Jetzt schaut mich Dr. Padmini ernst an: Ich muss unbedingt meine Schilddrüse in Österreich anschauen lassen und ein Blutbild machen lassen.






Ayurveda braucht Zeit. Eine Kur ist kein Wellnessurlaub.






Ines Cieslak, Managerin


"Jedem Gast wird eine individuelle Kur erarbeitet, denn gleiche Diagnose heißt nicht gleiche Behandlung", übersetzt Ines. Die älteste Schulmedizin der Welt unterteilt den Menschen in drei Körperkräfte: Vata, Pitta und Kapha. Jeder bringt ein anderes Mischverhältnis dieser drei "Doshas" mit. Gerät eine stark aus der Reihe, sind Krankheiten die Folge.

Die Kunst des Ayurveda ist es, das Gleichgewicht wieder herzustellen. Ayurveda heißt übersetzt "das Wissen vom Leben" und befähigt jeden Menschen dazu, sich selbst zu heilen. Eine Kur ist ganzheitlich und umfasst die vier Säulen Entgiftung, Ernährung, Bewegung und Psychohygiene.

Geheime Rezepturen werden seit Hunderten von Jahren gehütet

Zu Mittag bekomme ich bereits meine erste Medizin. Jetzt gehöre ich endgültig zu den anderen Kurgästen. Auf meinem Platz stehen zwei Gläser, mit meinem Namen beschriftet. Der gelbliche Tee schmeckt nach Kümmel und Kardamom und die schwarze Essenz (der "Vermouth") nach Kräutern, wie ein Hustensaft. 

Kopfschmerzen plagen mich durch den Tag, trotz der vielen Behandlungen: Ich bekomme eine Gesichts-, eine Ganzkörper- und eine Rückenmassage. Danach werde ich "gestempelt". Heiß! Die Kräuter- und Reis-Beutel werden im Wasser aufgewärmt. Die Behandlung stimuliert die Zellerneuerung und dient der Gewebsstraffung. 

Um 16 Uhr gibt es schon wieder Medizin, vier Mal täglich, wie ich erfahre. Für jeden Kurgast steht eine mit dem Namen beschriftete Schachtel bereit. Darin befindet sich der Behandlungsplan für den nächsten Tag, sowie die Medizin. Fünf schwarze Kugeln – sehen aus wie Hasenbemmerl – und ein Saft. Er schmeckt zum Glück neutral. Aber was schwimmt da herum? Es sieht aus wie Würmer? Die Managerin Ines steht mir zur Seite. Diese Frage bekommt sie wohl öfter gestellt. Es ist eine angeröstete Reis-Hülle. Die Wirkung: verdauungsfördernd. 

Ich bin sehr müde. Ich glaube, die Entgiftung setzt bereits ein. Oder ist es der Kaffee-Entzug? Die Umstellung? Alles zusammen. Ich beeile mich nach dem Essen aufs Zimmer. Schreibe noch Tagebuch, versuche alle Erlebnisse zu verarbeiten. Ich habe ein abführendes blut- und darmreinigendes Pulver von der Ärztin bekommen. Giftstoffe werden so besser ausgeschieden. Es ist grün und schmeckt nach Pflanzen – sehr bitter. Ein Hexengemisch. Jetzt reicht’s aber wirklich für heute. Es ist 21 Uhr. Gute Nacht.

Erkenntnis des 3. Tages: Massagen wirken – durch medizinische Kräuter-Öle

Der Wecker klingelt um 6.30 Uhr. Die Darmreinigung habe ich problemlos ohne Spektakel überstanden. Das Kopfweh hat sich leider nicht über Nacht verabschiedet. Ich ziehe mich schnell an – schminken tu ich mich hier ja nicht. Meine Kleidung ist einfach und luftig. Schuhe brauche ich keine.






Ich vertrage sehr viele Lebensmittel nicht. Mit der ayurvedischen Kost habe ich jedoch kein Problem.






Eva P., 32jähriger Kurgast


Vor dem Frühstück machen wir in der Gruppe leichte Körperübungen, um den Kreislauf in Schwung zu bringen, mit einer anschließenden Meditation. Ich schlafe wieder ein…

Zum Frühstück gibt es eine grüne Suppe mit Kichererbsen. Mir schmeckt sie. Klar, ist es keine Honigsemmel, auch kein Speckstangerl, aber ich habe mich ja auch bewusst für eine Kur entschieden. Die Suppe regt das Verdauungsfeuer "Agni" an, dazu trinken wir Kräutertee. Danach wird ein Obstsalat gereicht. Die Früchte kühlen den Körper und können nun optimal verdaut werden. Ich mache daheim wohl alles falsch. Als Medizin bekomme ich wieder die "Hasenbemmerln" und "schwimmenden Würmer"…

Ich fühle mich richtig schlapp, habe überhaupt keine Energie. Pickel sprießen. Andere Gäste haben Rückenschmerzen, Durchfall und kleine rote Punkte am Körper bekommen. Jeder reagiert anders auf den Entgiftungsprozess. 

Weiter geht's mit einem Kräuterbad, mit Akupunktur und mit drei Massagen. 

Eine ayurvedische Massage kann man nicht mit einer Sport-Massage vergleichen. Es geht um die großflächige Verteilung der medizinischen Öle auf der Haut, aber auch um eine tiefe Einarbeitung, wie etwa bei der Schmerzzonen-Behandlung. Das Um und Auf sind also die Öle. Sie werden entsprechend der Konstitution (Vata, Pitta und/oder Kapha) eines jeden Gastes ausgewählt, die Basis ist immer Sesamöl – entsprechende Kräuter werden zugefügt. Giftstoffe, die sich im Bindegewebe abgelegt haben, werden gelockert, um sie in die Blutbahn und in den Darm zu bringen und sie dann wieder auszuscheiden. 

Erkenntnis des 4. Tages: Yoga ist lustig

6 Uhr – endlich bin ich ohne Wecker aufgewacht! Bereits um 6.30 Uhr treffen wir uns mit dem Yoga-Lehrer zum Beach Walk. Wir sind die einzigen am Strand. Die Urlauber der Nachbarhotels schlafen noch. Hoppla. Wer seid denn ihr? Drei Hunde warten bereits auf uns. Sie gehen immer mit. Allein der zwanzigminütige Morgen-Spaziergang ist eine Wohltat für Körper, Geist und Seele. Wir gehen vorbei an Mangroven und an grasenden Kühen, sehen im Sand Schildkrötenspuren und beobachten Fischer aus dem Meer zurückkommen. 






Bewegung ist sehr wichtig, damit der Stoffwechsel angeregt wird.






Ines Cieslak, Managerin


Am Ende des Strandes stellen wir uns im Kreis auf und machen einfache Yoga-Körperstellungen, sogenannte "Asanas". Ein Hund setzt sich in die Kreismitte.

Die nächste Übung: Lachen. Da soll noch einmal jemand sagen, dass Yoga langweilig oder schwierig ist. Wir beugen uns hinunter und lachen: hehe, hihi, hoho – jeder zeigt mit dem Finger auf den Nachbarn und wir lachen weiter. Die Vögel zwitschern, das Meer rauscht – ich fühle mich entspannt und putzmunter. Die Wellen sind sehr hoch, vielleicht drei Meter. Die Yoga-Einheit endet mit einer Atemübung und Lauten für jedes der sieben Energiezentren, sogenannten "Shakren": Wir schließen die Augen und singen immer wieder den Klang "Yam", um das Herzzentrum zu öffnen.

Zweimal die Woche gibt es zum Frühstück zusätzlich Stringhoppers, das sind Nudeln aus rotem Reis mit Dhal, einem Linsen-Curry, und Pol Sambol, einem Kokos-Chili-Gemisch. Das ist ganz schön viel. Davor die grüne Suppe, danach der Obstsalat. Es ist ja erst 8 Uhr morgens. Soll ich vielleicht doch auch auf die Diätkost umsteigen? Hat die Ayurveda-Ärztin vor mich zu mästen? Ich genieße jetzt einfach das Essen. So gesund und ausgewogen habe ich mich ohnehin noch nie ernährt. Das muss ich ausnutzen.

Auf in den Tag! Es warten Akupunktur, ein Dampfbad, eine Gesichts- und eine Schmerzzonen-Massage und – wahrscheinlich der Höhepunkt der Woche – eine vierhändige Massage. Danach noch eine weitere Yoga-Einheit. Mir fällt plötzlich auf, dass ich endlich wieder etwas Energie habe. Das Kopfweh ist auch weg. Das fühlt sich gut an.

Erkenntnis des 5. Tages: Auch Buttermilch auf der Stirn entspannt

Der Tag beginnt wieder mit einem Beach Walk, anschließend probiere ich mich im Tai Chi. Irgendwie lustig, wie wir die unsichtbare Energie vor uns herbewegen. Ich lasse mich voll darauf ein und schließe die Augen.

Ich habe heute erfahren, dass ich den Shirodara – den ayurvedischen Ölstirnguss – nicht bekomme. Nur einen nicht-medizinischen mit Sesamöl. 

Der Shirodara ist die bekannteste ayurvedische Anwendung und besonders in Europa zu einer modischen Attraktion geworden. Die Ärztin Dr. Padmini erklärt mir, dass er den Höhepunkt einer Ayurveda-Kur bildet und an zwei bis vier Tagen einer Kur gemacht wird. Meistens beginnt man am fünften Tag, entsprechend der Vorgeschichte, etwaigen Krankheiten und natürlich der mentalen Situation.






Tagelang bereiten wir jeden Kurgast auf den Ölstirnguss vor. Das ist genauso wichtig wie die Nachbehandlung.






Dr. Padmini, Ayurveda-Ärztin


Das warme Öl rinnt etwa 20 Minuten über die Stirn auf den Bereich des "dritten Auges" und stimuliert tiefe Gehirnzentren. Seelische und körperliche Anspannungen werden gelöst und Erschöpfungszustände klingen ab. Der Stirnguss wirkt stresslösend, befreit von belastenden Gedanken und bringt Klarheit in Kopf und Geist.

Tagelang wird der Körper auf den Stirnölguss vorbereitet, das ist genauso wichtig wie die Nachbehandlung. Und diese würde mir fehlen, denn am achten Tag sitze ich wieder im Flugzeug – ohne jegliche ärztliche Betreuung. Es könnten Schmerzen oder Themen aus der Vergangenheit hochkommen. Nach dem Shirodara müsste auch wieder ein Abführtag stattfinden, in der darauffolgenden Woche wird der gesamte Stoffwechsel wieder aufgebaut. 

<p><spunQ:Quote author="Maria Neurohr" occupation="Inhaberin">Im Ayurveda kommen etwa 250 verschiedene medizinierte Öle zum Einsatz.</spunQ:Quote></p>

 

<p>Mir wird bewusst, dass der Shirodara, der so oft in Wellness-Hotels – auch in Österreich – angeboten wird, kein echter medizinischer Stirnguss sein kann und eigentlich nur rausgeworfenes Geld ist. Da er bei meiner Ayurveda-Kur enthalten ist, hat die Ärztin eingewilligt mir einen Stirnguss mit Sesamöl zu machen – ohne Kräuter und somit ohne Medizin. Patienten mit starker Migräne bekommen übrigens Buttermilch statt warmen Öl. Ein bisschen enttäuscht bin ich. Andererseits ist Ayurveda als Kur ernst zu nehmen, man wählt eben nicht selbst aus dem Wellness-Portfolio, sondern bekommt Therapien auf den eigenen Körper abgestimmt.</p>






Im Ayurveda werden etwa 250 verschiedene medizinierte Öle verwendet.






Maria Neurohr, Inhaberin


Mir wird bewusst, dass der Shirodara, der so oft in Wellness-Hotels – auch in Österreich – angeboten wird, mangels Vor- und Nachbehandlung kein echter medizinischer Stirnguss sein kann und eigentlich nur rausgeworfenes Geld ist. Da er in meiner Ayurveda-Kur eigentlich enthalten wäre, hat die Ärztin jedoch eingewilligt, mir einen Stirnguss mit Sesamöl zu machen – ohne Kräuter und somit ohne Medizin.

Patienten mit starker Migräne bekommen übrigens Buttermilch statt warmen Öl. Ein bisschen enttäuscht bin ich. Andererseits ist Ayurveda als Kur ernst zu nehmen, man wählt eben nicht selbst aus dem Wellness-Portfolio, sondern bekommt Therapien auf den eigenen Körper abgestimmt.

Erkenntnis des 6. Tages: Ich fühle mich wie neu geboren

Die Kopfschmerzen haben tagelang angehalten. Heute früh fühle ich mich endlich wie neu geboren, sprühe nur so vor Energie. Ich brauche auch nur noch sieben Stunden Schlaf, wache ohne Wecker auf und meine Haut ist besser geworden. 

Heute habe ich eine private Yoga-Stunde. Sanjeewa war früher Mönch und ist heute im Ayurveda-Resort als Yoga-Lehrer und Chiropraktiker und Osteopath tätig. Er versteht den Körper, er kann ihn lesen und auch die Gedanken der Menschen. Mit verschiedenen Impulsen gibt er meinem Körper Informationen. Angeblich erinnert sich mein Körper später wieder daran. Er hilft mir in den Asanas, meinen Brustkorb zu öffnen und die gesamte Wirbelsäule zu drehen, befreit Blockaden in mir. Die Energie fließt. Sehr wichtig ist dabei die Atmung. 

Erkenntnis des 7. Tages: Ich bin, was ich verdaue.

Heute ist mein letzter Tag. Ich war erst einmal Schwimmen. Während der Kur soll man den Körper schonen und ihn nicht der Sonne aussetzen, deswegen wirkt Ayurveda besser während der Regenzeit. Ich springe schnell ins Wasser, um daheim erzählen zu können, ich war im Meer. 

Ich fühle unheimlich viel Energie. Während der Massagen schlafe ich nicht mehr ein und tu mir schon schwer beim Liegen. Eine Woche ist vergangen. Was machen nur Gäste, die drei Wochen kuren? Wer an einer chronischen Erkrankung leidet, braucht natürlich eine umfassendere Behandlung. 






Die Ursache vieler Krankheiten ist die Übersäuerung des Körpers.






Jürgen Neurohr, Inhaber


"Ayurveda wirkt sehr gut bei Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Darmentzündungen, Migräne, Stress, Rheuma oder Arthrose", erklärt Jürgen Neurohr, Besitzer der Resorts. "Zur Zeit haben wir einen Gast, der an Multipler Sklerose leidet."

Um 13 Uhr genieße ich ein letztes Mal die vier Gänge. Die ayurvedische Kost ist mittags am ausgiebigsten, weil der Körper anschließend die meiste Zeit zum Verdauen hat. "Im Westen sagt man: Du bist, was du isst. Im Ayurveda sagen wir aber: Du bist, was du verdaust", erklärt Jürgen.

Ich bin nicht müde nach dem Essen, noch fühle ich mich träge oder schlapp oder hab' das Gefühl, als würde irgendwas in mir rumoren. Es ist perfekt zugeschnitten für mich. Laut Ayurveda liegt es daran, dass die Mahlzeit aus den sechs verschiedenen Geschmacksrichtungen besteht: süß, sauer, bitter, herb, salzig und scharf. Aber wie soll ich das jemals zu Hause umsetzen? Unmöglich. Die Zubereitung wäre ein Vollzeit-Job.

Fazit: Einfach nichts tun ist das Schwierigste.






Ayurveda zieht dich immer wieder in die Selbstverantwortung hin.






Ines Cieslak, Managerin


Ayurveda braucht Zeit. Eine Kur sollte keinesfalls mit einem Wellnessurlaub gleichgesetzt werden. Gästen geht es meist in der ersten Woche aufgrund der Entgiftung nicht gut.

"Wieso geht es mir so schlecht? Im Urlaub soll es mir doch gutgehen?", klagt ein 32-jähriger Kurgast, völlig unzufrieden und fertig. "Ich bin sonst immer so aktiv. Was soll ich hier machen? Ich kann doch nicht einfach nichts tun." Das schwierige an der Kur ist, sich mit seinen Themen, seinem Leben auseinanderzusetzen. Sich überlegen, was die Ursache der Krankheit sein kann. Ausgebildete Psychologen unterstützen Kurgäste dabei.

Was zählt, ist das Endergebnis. Deswegen sollten Sie auch niemanden überreden mitzukommen, machen Sie die Kur notfalls alleine.

Und was passiert nach der Kur? Muss ich laut Ayurveda meine Ernährung komplett umstellen? "Viele Gäste machen den Fehler und nehmen sich nach der Kur zuviel vor. Das schafft niemand", erzählt Jürgen Neurohr, Besitzer des Resorts. "Es ist schwer, so viel auf einmal zu ändern." Damit hat er recht.






Wir wollen den Gästen zeigen, dass Ayurveda im Alltag möglich ist und nicht nur in Asien.






Ines Cieslak, Managerin


Ich versuche folgendes umzusetzen: Ich achte nun stärker auf meinen Säure-Basenhaushalt. Ich trinke keinen Kaffee – okay, vielleicht eine Tasse am Tag ;-)

Ich mische kein Joghurt mit Obst, esse nach 16 Uhr keine Rohkost. Verzichte auf Weißmehl. Ich trinke morgens auf nüchternen Magen ein Glas warmes Wasser. Ich versuche den Tag mit warmer Nahrung zu starten, zum Beispiel mit einem Haferbrei. Ich habe mir Ghee, geklärte Butter, zum Kochen gekauft. Laut der Ayurveda-Ärztin soll ich keine Schokolade essen. Kompromiss: Ich kaufe mir hochwertige Bio-Schokolade ohne Zucker ;-)

Ich habe die Worte von Ines im Ohr: "Ayurveda möchte erreichen, dass du glücklich bist." 

Yoga praktiziere ich bereits seit fünf Jahren. Mehr Bewegung brauche ich nicht. Vielleicht das Gegenteil: Einmal nichts tun?

Angebot

Eine zweiwöchige Panchakarma Kur kostet in der Ayurveda Shunyata Villa ab 1.798 Euro im DZ (ohne Flug). Infos und Buchungen bei ÖAMTC Reisen (Tel. 0810 120 120).