BYD Seal_VW id7_er_83_CMS.jpg Erich Reismann
© Erich Reismann
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Februar 2024

Lade-Kapazitäten

Vollelektrische Viertürer: Die Limousine Seal des chinesischen Elektro-Giganten BYD im Vergleich mit dem Flaggschiff von Europas Elektro-Riesen VW, dem ID.7.

China demonstriert Stärke als Autobauer. Vor allem der Autoriese BYD. Das Ziel in Europa ist klar: Mehr Autos verkaufen, mehr Marktanteile gewinnen. Auch in Österreich klettern die BYD-Zulassungszahlen stetig nach oben, im ersten vollen Verkaufsjahr 2023 waren es knapp über 1.000 Fahrzeuge. Das meistverkaufte Modell ist das kompakte SUV Atto 3, gefolgt vom seit Kurzem erhältlichen Kleinwagen Dolphin.

Jetzt steht die sportliche Limousine Seal in den Startlöchern. Und die spiegelt nicht nur optisch das neue Selbstbewusstsein der Chinesen wider. Wir haben uns die 4,8 Meter lange Limousine zum Vergleichstest geholt.

Sein 16 Zentimeter längerer Gegner ist nicht weniger attraktiv. Denn mit dem seit Kurzem erhältlichen ID.7 schickt Europas größter Elektroauto-Hersteller VW einen ernsthaften Konkurrenten ins vollelektrische Oberklasse-Duell.

Akku-technisch verfolgen die beiden Viertürer unterschiedliche Wege. Während VW im ID.7 auf eine klassische Lithium-Ionen-Batterie setzt, verbaut BYD im Seal den konzerneigenen Blade-Akku auf Lithium-Eisen-Phosphat-Basis. Seine Vorteile: günstigere Rohstoffe, kein kritisches Kobalt und Nickel sowie extreme Sicherheit bei äußeren Einflüssen.

Auch beim Antrieb unterscheiden sich die beiden Testkandidaten. Während beim ID.7 ausschließlich die Hinterräder angetrieben werden, sorgen im Seal beide Achsen für Vortrieb. Markant sind auch die Unterschiede in der Leistung: 286 PS leistet der E-Motor im VW, kolossale 530 PS sorgen im BYD für gewaltige Fahrleistungen. Den gibt es zwar auch mit Hinterradantrieb und 312 PS, preislich ist diese Version aber nur 3.000 Euro günstiger und unterm Strich auch etwas weniger gut ausgestattet.

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VW ID.7

1. Geringer Stromkonsum, agil und sehr komfortabel, nicht günstig.

Groß ist er geworden, der neue ID.7. Mit einer Außenlänge von fast fünf Metern ist der Wolfsburger beinahe so lang wie ein 7er-BMW der vorletzten Generation. Das schafft aber auch einen gewaltigen Vorteil: Für die Insassen geht’s auf allen Plätzen ausgesprochen luftig zu, vor allem Großgewachsene verstauen im Fond ganz locker die Beine.

Sitzen ist überhaupt eine feine Sache im ID.7. Die in der getesteten "Business"-Version serienmäßigen "ErgoActive"-Sessel sorgen für perfekten Halt und bequemen Langstreckenkomfort. Ebenso gut: die ideal einstellbare Sitzposition. Das Gepäckabteil ist dank der weit aufschwingenden Hecklappe leicht zugänglich, das Volumen auch für eine vierköpfige Familie absolut ausreichend. Sinnvoll: höhenverstellbarer Ladeboden, viele Ablagen.

VW-typisch schnell durchschaubar ist die Bedienung am großen Touchscreen, wichtige Funktionen sind in wenigen Schritten erledigt. Das kleine Display hinterm Lenkrad liefert zusätzlich alle notwendigen Infos. Sinnvoll: Um die höchstmögliche Ladeleistung zu erreichen, lässt sich der Akku auf die ideale Temperatur vorkonditionieren.

Erstaunlich agil, leichtfüßig und einfach im Handling ist der ID.7 auch. Und sparsam, denn auf der auto touring-Verbrauchsrunde begnügte sich die Limousine mit weniger als 20 kWh/100 Kilometer.

Das Video zum Test

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BYD Seal

2. Fahrleistungen, lange Garantie, Bedien-Mankos, kleiner Kofferraum.

Der erste Eindruck: Der BYD Seal wirkt trotz seiner Außenlänge von 4,8 Metern kompakt. Die Proportionen sind stimmig, das Design gefällt. Gelungen: Das riesige getönte Panorama-Glasdach zieht sich weit nach hinten und lässt das Heck Coupé-artig erscheinen.

Innen fühlen sich auch vier Mitreisende nie beengt. Im Fond ist die Beinfreiheit über­raschend gut, obwohl der Seal in der Länge
16 Zentimeter weniger misst als der ID.7.

Dafür sind der Kofferraum nicht so geräumig, die Ladeöffnung schmal und der Ladeboden nicht höhenverstellbar. Immerhin gibt’s ein Fach im Boden und einen "Frunk", also einen kleinen Stauraum in der Fahrzeugfront. Lob verdienen die weich gepolsterten Sitze, sie bieten guten Halt, die Verarbeitungs- und Material-Qualität stimmt.

Die Bedienung am großen Touchscreen ist grundsätzlich logisch, etliche Funktionen (Sitzheizung, Assistenzsysteme) finden sich erst nach mehrmaligem Drücken in diversen Untermenüs. Auffallend: Die Tempolimit-Erkennung zeigt öfters falsche Infos, der Spurhalte-Assistent reagiert zu nervös. Nachholbedarf herrscht bei der Navi-Routenplanung mit Ladestopps.

Über alle Zweifel erhaben: die enormen Fahrleistungen, Traktion und Fahrsicherheit. Der Stromverbrauch fällt mit 23,7 kWh/100 km akzeptabel aus. Lobenswert: lange Garantie und Serienausstattung.

Unser Fazit

Strom-Rechnung. Den Angriff aus Fernost kann VW mit dem in (fast) allen Belangen souveränen ID.7 abwehren. Er ist extrem handlich, komfortabel, sparsam, geräumig und sicher. Aber nicht günstig. Der BYD Seal macht vieles richtig gut und bietet ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Bei Fahrkomfort, Verbrauch oder Bedienung kann er mit dem VW aktuell (noch) nicht mithalten.

Das ist so eine Sache mit der Ladeleistung – die Angaben der Hersteller geben oft nur die (theoretisch) maximale Ladeleistung ihrer Fahrzeuge an. Und sagen nicht dazu, dass der Akku entsprechend temperiert und fast leer sein muss. Und auch dann fällt die Ladeleistung stetig ab.

Unser Testprocedere: Wir testen so, wie ein E-Auto-Fahrer auf der Langstrecke unterwegs ist. Zuerst wird mit zumindest 80 Prozent vollem Akku gestartet und auf der Autobahn bis unter 8 Prozent leergefahren. Steht eine Akkukonditionierung (Temperierung) zur Verfügung, wird diese genutzt.

Dann laden wir bis zu 90 Prozent – darüber fällt die Ladekurve schon stark ab, das zahlt sich dann auf der Langstrecke zeitlich nicht mehr aus.

Als Ergebnisse haben wir dann:

  • Die Ladekurve: Ladeleistung in Kilowatt in Korrelation mit dem Akku-Stand in Prozent
  • Die durchschnittliche Ladeleistung im Bereich von 10 bis 90 Prozent
  • Die Ladedauer von 10 bis 90 Prozent
  • Wieviel Reichweite wird in den ersten zehn bzw. 20 Minuten geladen – und zwar in Abhängigkeit vom Testverbrauch. Eine hohe Ladeleistung in Verbindung mit einem niedrigen Verbrauch bringt hier also das beste Ergebnis.  

Während also der BYD mit dem Strom, den er in 20 Minuten laden kann, 142 Kilometer weit kommt, schafft der VW beachtliche 240 Kilometer. Also doch ein bemerkenswerter Unterschied.

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