• Reise-Reportagen
    Ausgabe: Oktober 2003
    11.05.2011
    Autor:
    Kurt Zeillinger

    3/4-Takt

    Durch drei beschwingte Landschaften: Mühl-, Wald- und Weinviertel.

    oesterreich_erfahren © Zeillinger, König
    © Zeillinger, König
    Auf einen Klick:

    Drei Viertel sind es, die sich das große Stück Österreich nördlich der Donau teilen. Drei Landschaften, deren kleinster gemeinsamer Nenner auf den ersten Blick spröder Charme ist - spektakuläre Gipfel und tiefblaue Seen sucht man vergeblich. Doch es lohnt sich absolut, Wein-, Wald- und Mühlviertel nicht nur rasch unter die Räder zu nehmen, sondern intensiv auf sich wirken zu lassen.

    Weinviertel
    Nur ab und zu schwingt sich die von Laubwäldern, Feldern und - nomen est omen - Weingärten geprägte Landschaft zu bescheidenen Hügeln auf. Aber wenn, dann gibt es fast immer romantische Kellergassen zu entdecken.
    In Mailberg, wo man unterhalb des Schlosses bereits vor Jahren begann, den Wein durch Investitionen in Qualität von seinem Doppler-Image zu befreien, sogar gleich zwei.
    Nun ist man überall dem Beispiel gefolgt und hat für den Grünen Veltliner mit dem für die Gegend typischen Pfefferl-Aroma das Herkunfts-Siegel DAC (Districtus Austria Controllatus) Weinviertel geschaffen.
    Weinstrassen

    Vom Fernsehen wachgeküsst wurde das von Rest-Österreich lange für verschlafen gehaltene Weinviertel erst in letzter Zeit. Etwa durch Erwin Steinhauer in der Rolle des auf dem Fahrrad fahrenden, im Weinbauern-Milieu des Pulkau als ermittelnden Gendarmerieinspektors Polt in der Verfilmung der Krimis von Alfred Komarek, und durch 63 in Retz gedrehte Julia-Folgen. Österreichs größter Weinkeller, der sich wie ein Labyrinth rund 20 km unter dem Stadtkern erstreckt, kann man - so wie die einzige funktionstüchtige Windmühle Österreichs - besichtigen.
    Weinviertel

    Waldviertel
    Die Küste eines Urzeit-Meeres trennt das Wald- vom Weinviertel: der Manhartsberg, der sich westlich der Linie Retz-Pulkau-Maissau von der Thaya bis zur Donau zieht. Hüben beherrscht der Wein die Landschaft und drüben - wie schon der Name sagt - der Wald. Sehr viel Wald.

    Der jüngste Nationalpark Österreichs legt Wanderern den faszinierenden Urwald an der Thaya von Hardegg westwärts zu Füßen. Halbschuhe reichen allerdings nicht aus, um die faszinierenden Ausblicke auf die Schleifen des Flusses genießen zu können.
    Nationalpark Thayatal

    Mühlviertel
    Weiter westwärts ist der Übergang vom Wald- zum Mühlviertel zunächst nur zu erahnen. Das Viertel hat seinen Namen übrigens weder von den Mühlen, die man nur ganz vereinzelt findet, noch von der Großen Mühl, von der es durchschnitten wird: Die vielen sanften Hügel - Bühel oder Mihel im Dialekt - standen Pate. Spätestens hinter Freistadt, wenn der Wald nicht mehr ganz so dicht ist, beherrschen die sanften Hügel das Bild. Früher trugen sie im Frühjahr überall das Blau der Flachs-Blüten, heute nur noch in der Umgebung von Haslach, der einstigen Leinen-Metropole. Viel häufiger trifft man auf dem kurzen Weg zum Böhmerwald (Tipp: wandern und radeln am Schwarzenberger Schwemmkanal, Einkehren in der Jausenstation Blauer Hirsch in Sonnenwald) auf Hopfenstangen.
    Mühlviertel

    Bierviertel Mühlviertel. Bester Hopfen, weiches Wasser: Nirgendwo anders in Österreich gibt es so viele kleine und unabhängige Brauereien. Im 1580 gegründeten Stift Schlägl brauen die Prämonstratenser Chorherren ihr prämiertes Roggenbier und acht weitere Sorten - im Stiftskeller kann man sie gleich verkosten, mit Leinöl-Erdäpfeln als Unterlage. In Hofstetten wird süffiges Kübelbier, in Kefermarkt würzig-dunkles, auf der Burg Clam dunkles obergäriges und in Neufelden Bier in Brauherrenkrügen angeboten. Dazu isst man Leinöl-Erdäpfel - und schläft sich anschließend am besten aus.
    Stiftsbrauerei Schlägl
    Brauerei Hofstetten
    Oberösterreichs Brauereien

    Nostalgie-Trip
    Haslachs Museen
    Alles dreht sich, bewegt sich und macht mächtig laut Musik: Erwin Rechberger zeigt 200 Exponate aus der Zeit zwischen 1680 und 1960, von der kleinen, selbst spielenden Geige bis zum riesigen Orchestrion, von Edisons Phonografen über Walzen-Klaviere bis zu Musicboxen, in seinem Museum für mechanische Musik. Alles, was er in 25 Jahren hierher zusammen getragen hat, ist voll funktionstüchtig - und wird auf Wunsch gerne in Betrieb genommen.
    Info: Tel. (07289) 71379, Erwin Rechberger
    Museum für mechanische Musik

    Ein paar Häuser weiter lädt das Kaufmanns-Museum in der Greisslerei zur Seidenzuckerl-süßen Zeitreise. Die lutschbaren Kindheits-Erinnerungen können stilgerecht in selbst gedrehten Stanitzeln erworben werden. Hier erhält man auch übrigens dann das für die Region so typische Leinöl, wenn die Koblmiller'sche Ölmühle geschlossen hat. Bis Ende der 60er war der Laden mit seinen Gurkenfässern und Brotregalen noch in Betrieb, heute hat man ihn um eine Ausstellung alter Werbungen, Emailschilder und Verpackungen längst entschwundener Waren erweitert.
    Kaufmannsmuseum Haslach

    Gleich daneben das alte Stadttor von 1483 mit dem Heimat-Museum, etwas abseits das Schul-Museum. Und im Weberei-Museum erfährt man alles über den Industriezweig, der Haslach einst Wohlstand brachte.
    Webereimuseum Haslach