• Reise-Reportagen
    Ausgabe: Juni 2002
    11.05.2011
    Autor:
    Kurt Zeillinger

    Angelo d'oro, Rovinj

    Istrianisches Romantik-Hotel im Weekend-Test

    a_schild © Kurt Zeillinger, Petr Blaha
    Das Angelo d"Oro...
    © Kurt Zeillinger, Petr Blaha
    Auf einen Klick:

    Istrien profiliert sich neu: Weg vom negativen Image als Billig-Ziel und hin zum Qualitätstourismus. Noch ist es nicht überall soweit, doch die Hotels mit ihrem postjugoslawischem Ambiente, wo man sich zwei Minuten vor der Essenszeit noch vor der verschlossenen Tür des Speisesaals anstellen musste, werden immer weniger. Viele wurden komplett saniert, manche von ausländischen Betreibern übernommen - und einige, vornehmlich kleinere, entstanden ganz neu. Abseits des Massenbetriebes sollen sie auch anspruchsvollen Individualreisenden etwas bieten. Eines dieser neuen Häuser ist auf eine österreichische Initiative hin in alten Mauern entstanden.

    Das Hotel Angelo d'oro, mit dem sich das Grazer Architektenduo Dieter Killinger und Erwin Fin einen Lebenstraum erfüllt haben, liegt mitten in der malerischen Altstadt von Rovinj. Es handelt sich dabei um ein behutsam restauriertes Bischofspalais aus dem 17. Jahrhundert und seine beiden etwa gleich alten Nachbarhäuser. Bei ihrem Umbau in ein kleines, feines 24-Zimmer-Hotel wurde sehr schonend umgegangen: So wurden alte Böden erhalten und historische Mauern wieder freigelegt, spiegelnd polierte Biedermeiermöbel, Orientteppiche und Ölgemälde sorgen für das stilvolle Ambiente eines (fast) ganzjährig geöffneten Romantik-Hotels.

    Rovinj ist von Österreich aus via Laibach oder Triest zu erreichen, die Entfernung beträgt von Graz 377 km und von Villach 303 km, wobei jeweils noch mögliche Wartezeiten an der EU-Außengrenze nach Slowenien und an der Grenze nach Kroatien einzukalkulieren sind. Abseits der Badesaison darf man bis zum Hotel vorfahren und bei der weithin sichtbaren Sv. Eufemija-Kirche auf der Kuppe der Altstadt-Halbinsel parken, ansonsten steht ein eigener Parkplatz nahe dem ehemaligen Bahnhof der k. u. k. Istrianischen Staatsbahn zur Verfügung. Von dort wird man entweder per Kleinbus oder per Boot abgeholt. Was des pittoresken Panoramas wegen schon ein unvergessliches Erlebnis ist. Das Boot legt dann auf einem eigenen Steg an, von dem es nur noch 20 Meter bis zum Eingang sind.

    Die Zimmer entsprechen von ihrer Anmutung her einem überaus gepflegten Stadthotel - Badeschlapfen passen zu den Parketten und Teppichen wie die Faust aufs Aug'. Alle sind mit einer Klimaanlage, Sat-TV, Minibar und Telefon ausgestattet, vom Grundriss und der antiken Möblierung her jedoch völlig individuell gestaltet. Ein paar haben Meerblick, viele blicken in den Garten und in Richtung Basilika, einige im ersten Stock auf die Straße. Interessant die vier beieinanderliegenden ehemaligen Mönchszellen - mit je zwei getrennten Betten, wie sich's für Räume mit dieser Vorgeschichte gehört - ganz oben im dritten Stock bei der halboffenen Loggia. Die sich mit ihrem Blick über die Dächer der Nachbarhäuser hinweg aufs Meer ganz wunderbar für einen abendlichen Schlummertrunk eignet.

    Zimmer im Test
    Unser Zimmer war die einzige Suite des Hauses, sie misst 40 qm. Die zwei Doppelzimmer im zweiten Stock sind straßenseitig gelegen, was der Ruhe keinen Abbruch tut, weil es ja ohnehin so gut wie keinen Verkehr gibt, nur in der Hochsaison ab zehn Uhr vorbeimarschierende Touristen. Stünde gegenüber nicht ein anderes Haus, würde man direkt aufs Meer sehen. Hervorragend die Matratzen (Joka-Krankenhaus-Qualität made in Austria), prima auch als effektive Heizung und Air Condition, nur das große fensterlose Bad ließ nicht ganz die Atmosphäre des ansonsten üblichen Ambientes aufkommen. So fehlte z.B. ein einschaltbarer Abzug für die feuchte Luft.

    Die Hotel-Ausstattung. Zum Hotel gehört ein zauberhafter kleiner Garten mit mediterraner Vegetation (Oleander, Rosmarin, etc.) und einem Feng-Shui-artigem Wasserbecken auf Rückseite des Hauses in Höhe des 2. Stockwerks, der zum Kaffeetrinken Sonnenschirmen einlädt. An der Terrassen-Bar werden Getränke und kleine Speisen serviert.
    Ebenfalls im zweiten Stock ist der kleine Wellness-Bereich mit Sauna, Whirlpool und einer an ein Beduinenzelt erinnernden UV-Lichtgrotte. Nur schade, dass nirgendwo erklärt wird, wie man die Dampfbad-Funktion der Dusche aktiviert.
    Dass ein Stadthotel kein Strandhotel ist, ist schon klar, man setzt ja eher auf an der reichen Kultur Istriens interessiertes Publikum. Wer aber im Sommer dennoch den Drang zum Baden im Meer verspürt, den kann sich vom schnittigen Hotelboot auf eine der Inseln bringen lassen, die der Stadt vorgelagert sind.

    Die Küche. Dora Sreder kocht für Hotel- wie "Nur-Essens-Gäste" betont einfach - aber mit den besten Zutaten, die der örtliche Gemüse- und Fischmarkt sowie Bauern der Region bieten. So gibt es als rustikalen Vorspeisenteller etwa Prsut, die istrianische Variante des Prsciutto, und Pecorino, im Herbst hausgemachte Fuzi-Nudeln mit Trüffel. Fische werden vom Grill, aber auch in Weißweinsauce mit Lachreis, gebacken mit Knoblauchsauce, aus dem Rohr mit Ratatouille oder als Suppe angeboten, Meeresfrüchte als Salat oder gegrillt. Die passenden Weine kommen von den aufstrebenden lokalen Winzern wie Matosevic und Degrassi. Für das viergängige Abendmenü wird Hotelgästen ein Zuschlag von 22 Euro verrechnet.

    Die Preise für das Jahr 2002 betragen von 1. Mai bis 28. Juni und von 1. September bis 12. Oktober pro Person für die Übernachtung im Doppelzimmer mit Frühstück 77 Euro, von 29. Juni bis 31. August 93 Euro. Kinder bis 3 Jahre zahlen nichts (Babyphon ist vorhanden), bis 11 im Zusatzbett die Hälfte, für eine 3. Person im Zusatzbett gibt es 25% Rabatt.

    Info:
    Hotel Angelo d'Oro, HR-52210 Rovinj, Via Svalba 38-42,
    Tel. 00385/52/840 502, Fax 840 112
    www.rovinj.at