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29.10.2012

Crashtest: Gurt ist unverzichtbar

Lebensgefährliche Verletzungen durch nicht Anschnallen

Im Vorjahr sind laut Statistik Austria insgesamt 283 Personen über 14 Jahre als Pkw-Insassen bei Unfällen tödlich verunglückt. Davon waren 110 Personen (38,9 Prozent) nicht angegurtet. Im Jahr 2007 trugen 165 Personen (44,5 Prozent) der über 14-jährigen tödlich verunglückten Pkw-Insassen keinen Gurt. "Diese Entwicklung zeigt zwar prinzipiell eine positive Tendenz. Dennoch: Laut KfV beträgt die Anschnallquote in Österreich 88,2 Prozent, in Deutschland liegt sie laut BASt bei 98 Prozent. Es besteht also auch weiterhin noch dringender Aufklärungsbedarf, um endlich eine Anschnallquote von 100 Prozent zu erreichen und so die Zahl der Verkehrstoten zu senken", so ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang.

Crash mit 64 km/h ohne Gurt

Um die dramatischen Folgen bei Unfällen ohne Gurt zu veranschaulichen, hat der ÖAMTC einen Frontalcrash mit nicht angeschnallten Dummys auf Fahrer- und Beifahrerseite durchgeführt. Die gewählte Testgeschwindigkeit für den Aufprall betrug 64 km/h. Sind die Frontpassagiere ordnungsgemäß angegurtet, sind nur geringe bis sehr geringe Verletzungswahrscheinlichkeiten zu erwarten.

Lebensgefährliche Verletzungen

Ohne Gurt ändert sich das Verletzungsbild trotz Airbag dramatisch. "Der Airbag allein kann die Insassen nicht zurückhalten. Knie und Oberschenkel prallen gegen Armaturenbrett und Lenksäule. Beide Insassen durchschlagen den Airbag mit Brust und Kopf. Nach dem Anprall an der Windschutzscheibe und am Lenkrad schleudern die Insassen unkontrolliert zurück und stoßen mit den Köpfen aneinander. Die Beine des Fahrers stecken fast zusammengefaltet im Fußraum, die Knie verbiegen das Armaturenbrett, die Füße klemmen abgeknickt unter den Pedalen", schildert der ÖAMTC-Experte die erschreckenden Testergebnisse. Vor allem für den Fahrer ergeben sich lebensgefährliche Verletzungsrisiken an Brust und Kopf. Es drohen langwierige bis sogar dauerhafte Schädigungen der unteren Extremitäten bis hin zur Hüfte.

Gurtwarner ist wichtige Maßnahme

Der ÖAMTC-Crashtest zeigt deutlich, dass auf den Sicherheitsgurt unter keinen Umständen verzichtet werden darf. Ein Airbag alleine ist keine ausreichende Sicherheitsvorrichtung. "Um eine Anschnallquote von 100 Prozent zu erreichen, muss der Gurtwarner endlich auf allen Plätzen – nicht nur auf dem Fahrer- und Beifahrerplatz – verbaut werden", appelliert der ÖAMTC-Cheftechniker an die Fahrzeugindustrie. Dieser ist als konsequente Erinnerung unbedingt notwendig. Außerdem müssen endlich auch auf der gesamten Rückbank bessere Gurte mit Straffer und Kraftbegrenzen verbaut werden.

Tipps vom ÖAMTC

Die Tipps des ÖAMTC-Experten zum richtigen Anschnallen: Gurte möglichst straff ziehen, keine dicke Kleidung tragen und Kopfstütze richtig einstellen. Außerdem rät Lang: "Laut Gesetzgebung ist zwar jeder selbst dafür verantwortlich, angeschnallt zu sein. Dennoch sollte man sich als Fahrer immer vergewissern, dass alle Insassen angeschnallt sind. Ein unangeschnallter Heckpassagier gefährdet nicht nur das eigene Leben, sondern auch das der anderen Insassen. Für die Sicherung von Kindern ist im Übrigen immer der Fahrer verantwortlich."