Reifentests
22.10.2012

Häufige Fragen zum Reifenlabel

Was ist das "Reifenlabel"?

Ab 1. November 2012 müssen alle in der EU verkauften Reifen, die nach dem 1. Juli 2012 produziert wurden, mittels Aufkleber oder durch Information im Verkaufsraum hinsichtlich dreier Kriterien gekennzeichnet werden. Weiters müssen diese Informationen auch auf der Rechnung aufscheinen.

Diese drei Kriterien sind eine Einstufung des Rollwiderstandes (damit wird der Kraftstoffverbrauch beeinflusst) und des Bremsweges bei Nässe sowie ein Zahlenwert plus Symbol für die Geräuschemission des Reifens bei der Vorbeifahrt.

Wie sieht dieses Reifenlabel aus?

Das Reifenlabel weist eine Ähnlichkeit mit der von Haushaltsgeräten bekannten Energieeffizienz-Kennzeichnung auf (siehe Bild).

Was bedeuten die einzelnen Angaben am Reifenlabel und wie werden sie ermittelt?

Rollwiderstand:
Der Rollwiderstand eines Reifens hat Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch eines Fahrzeuges: Je höher der Rollwiderstand der Reifen, desto höher ist im Allgemeinen der Kraftstoffverbrauch des Fahrzeuges auf denen sie montiert sind. Dieser Zusammenhang ist, insbesondere bei kleineren Unterschieden, allerdings nicht immer eindeutig.

Für die Labeleinstufung wird der Rollwiderstand des Reifens auf einer Maschine gemessen und in ein Verhältnis zu seiner Tragfähigkeit gesetzt., höhere Werte führen zu schlechteren Labelklassen. Als Faustregel kann der Unterschied zwischen zwei Labelklassen mit 0,1 bis 0,15 l/100 km angenommen werden (bei einem Durchschnittsverbrauch von 6,6 l/100 km).


Nassbremsen:

In einem standardisierten Verfahren werden die Bremswege zwischen 80 und 20 km/h der einzustufenden Reifenmodelle und eines Standardreferenzreifens ermittelt. Je nach Abweichung der Bremsweglänge vom Standardreferenzreifen erfolgt die Einstufung in die Labelklassen, längere Bremswege führen zu schlechteren Labelklassen. Dabei sind die Griffeigenschaften der Fahrbahnoberfläche (in einer bestimmten Bandbreite) und der Temperaturbereich, bei welchem die Tests durchzuführen sind, festgelegt.

Die Standardreferenzreifen werden, so weit technisch möglich, exakt gleich nach eng festegelegten Spezifikationen in einer Reifendimension (P 225/60 R16 97S) hergestellt. Alle Reifengrößen und –ausführungen werden mit dem gleichen oben angeführten Standardreferenzreifen verglichen. Bei einer Bremsung aus 80 km/h wird als Faustregel der Unterschied im Bremsweg zwischen 2 Einstufungsklassen mit 3 bis 6 m angegeben.


Außengeräusch:
Nach einem standardisierten Verfahren wird der Geräuschpegel der Reifen, montiert auf einem für die Testdimension vorbeirollendem Fahrzeug, gemessen. Der Zahlenwert gibt diesen Geräuschpegel in dB(A) an. Je höher der Wert, desto lauter ist das Außengeräusch des Reifens. Eine zweite, gleich laute Schallquelle, erhöht den ursprünglichen Geräuschpegel um 3 dB(A). Zum besseren Verständnis werden auch 3 stilisierte Schallwellen abgebildet. Mehr ausgefüllte Schallwellen bedeuten höheren Geräuschpegel.

Wer vergibt die Label-Einstufungen?

Die Angaben zur Labeleinstufung kommen von den Reifenherstellern, das Label wird nicht durch unabhängige Einrichtungen vergeben. Die Prüfungen dazu werden von den Reifenherstellern oftmals selbst durchgeführt. Sollte ein Reifenhersteller nicht über entsprechende Testmöglichkeiten verfügen, so wird er die notwendigen Tests im Normalfall bei Prüfinstituten in Auftrag gegeben.

Wer kontrolliert die Richtigkeit der angegebenen Labelwerte?

Die Kontrolle der Labelwerte ist nicht einheitlich geregelt, sondern obliegt jedem einzelnen EU-Mitgliedsstaat.

Müssen ab 1. November 2012 alle Reifen beim Verkauf gekennzeichnet sein?

Alle nach dem 1. Juli 2012 produzierten Reifen müssen ab 1. November 2012 beim Verkauf mit dem Reifenlabel versehen sein. Reifen, die vor dem 1. Juli 2012 produziert wurden, können gekennzeichnet sein, die Entscheidung darüber liegt beim jeweiligen Hersteller. Es wird in nächster Zeit also durchaus vorkommen, dass im Reifenhandel gelabelte und nicht-gelabelte Reifenmodelle angeboten werden.

Müssen alle Reifen beim Verkauf das Reifenlabel aufgeklebt haben?

Die Kennzeichnung der Reifen erfolgt entweder mit einem Aufkleber am Reifen oder durch entsprechende Informationen durch den Reifenhändler (auch im Internethandel). Außerdem müssen die Labelwerte dem Käufer auf oder zusammen mit der Rechnung mitgeteilt werden.

Bekommen alle Reifen, also auch Motorradreifen, ein Reifenlabel?

Die Reifenkennzeichnungsverordnung gilt für Pkw-, Leicht-Lkw- und Lkw-Reifen. Reifen von einspurigen Kraftfahrzeugen benötigen kein Reifenlabel. Ebenso sind noch eine Reihe anderer Reifentypen wie z.B. runderneuerte Reifen, Spikereifen oder Reifen, die ausschließlich für Fahrzeuge mit Erstzulassung vor dem 1.10.1990 ausgelegt sind, davon ausgenommen.

Rollwiderstand und Nassgriff werden also in 7 Labelklassen (A-G) angegeben?

Nein, sowohl bei der Rollwiderstands- als auch bei der Nassbremseinstufung wird die Klasse D nicht vergeben, zwischen C und E ist also nur eine Stufe Unterschied. Außerdem wird beim Nassbremsen die Klasse G nicht vergeben, die schlechteste Einstufung in dieser Kategorie ist damit F.

Abstufung beim Rollwiderstand: A, B, C, E, F, G
Abstufung beim Nassbremsverhalten: A, B, C, E, F

Werden Sommer- und Winterreifen unterschiedlich getestet?

Winterreifen werden nach den gleichen Maßstäben eingestuft wie Sommerreifen. Lediglich die Tests für die Nassbremseinstufung werden mit Winterreifen bei niedrigeren Temperaturen als mit Sommerreifen durchgeführt. Winterreifen werden daher bei den Kriterien Rollwiderstand und Nassgriff eher schlechtere Labelwerte aufweisen als Sommerreifen.

Werden bei den Einstufungstests Unterschiede bei den Reifendimensionen gemacht?

Beim Nassbremsen werden alle Reifenausführungen mit dem gleichen Standardreferenzreifen „SRTT“ der Dimension P 225/60 R16 97S verglichen und je nach ihrem Bremsweg im Verhältnis zu diesem Standardreferenzreifen eingestuft. Schmälere Reifen werden daher, bei gleicher Reifengüte, eher schlechter eingestuft werden als breitere Reifen.

Bei der Rollwiderstandseinstufung werden die ermittelten Rollwiderstandswerte in ein Verhältnis zur Tragfähigkeit des Reifens gesetzt. Das berücksichtigt zwar unterschiedliche Reifengrößen, begünstigt aber Reifen mit höherer Tragfähigkeit (XL-Reifen).

Das Vorbeirollgeräusch ist eine von der Reifendimension unabhängige absolute Messung des vom Reifen erzeugten Schallpegels.

Ist ein Reifen mit niedrigem Außengeräuschpegel auch im Innenraum leise?

Außengeräuschmessung und Innengeräuscheindruck entstehen durch unterschiedliche physikalische Wirkmechanismen. Der Wert des Außengeräuschpegels sagt daher wenig über Lautstärke und Charakteristik des Reifengeräusches im Innenraum aus.

Sagt das Label alles über die Güte eines Reifens aus?

Nein, Reifen müssen als einzige Verbindung zwischen Auto und Straße in deutlich mehr als nur den drei angeführten Kriterien gute Eigenschaften aufweisen. Wesentliche Angaben wie das Verhalten auf trockener Fahrbahn, bei Aquaplaning, auf Schnee und Eis oder zum Verschleißverhalten fehlen beim Reifenlabel. Ein Vergleich der Labelwerte verschiedener Modelle darf außerdem nur innerhalb einer Dimension und Reifenart erfolgen.

Soll eine Reifenkaufentscheidung nur nach den Labelwerten getroffen werden?

Von einer Kaufentscheidung nur nach den Werten am Reifenlabel ist abzuraten. Reifen müssen in wesentlich mehr als nur den drei angeführten Kriterien gute Eigenschaften aufweisen. Außerdem sind die Angaben am Reifenlabel für Laien, nicht zuletzt auf Grund der weiter oben aufgezeigten Unsicherheiten, oft ohne Erklärung nicht nachvollziehbar. Das Reifenlabel kann in der derzeitigen Form eine Ergänzung und grobe Richtschnur sein. Für eine fundierte Kaufentscheidung ist aber in jedem Fall Fachberatung durch den Fachhändler oder unabhängige Reifentests anzuraten.