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19.09.2012

Qualität von Warnungen durch Assistenzsysteme im Auto

Audi A6 überzeugt bei Spurwechsel- und Spurhalteassistent, BMW 5er Top bei Spurverlassenswarnung

Fahrerassistenzsysteme leisten einen wichtigen Beitrag zu Unfallvermeidung. Der Spurwechselassistent weist auf Autos im toten Winkel hin. Bei unbeabsichtigtem Überfahren der Fahrbahnlinie kommt der Spurverlassenswarner zum Einsatz. Der Spurhalteassistent führt durch Lenkeingriffe in die Fahrspur zurück. Der ÖAMTC hat die Qualität der jeweiligen Warnungen dieser Assistenzsysteme genauer unter die Lupe genommen. Sieben Autos nahmen am Test teil: ein Audi A6, ein BMW 5er, ein Citroen DS5, ein Mazda CX-5, ein Mercedes CLS, ein Volvo V40 sowie ein Volvo V60. "Für den Test wurden Fahrversuche mit 21 Probanden durchgeführt und deren Eindrücke und Wahrnehmungen ermittelt", erklärt ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang.

Spurwechselassistent

Hier hatte der Audi A6 die beste Bewertung (Gesamtnote 1,7). Sowohl die Anzeige als auch die Warnung schnitten sehr positiv ab. "Eine zusätzlich einstellbare akustische Warnung fehlt allerdings" bemerkt der ÖAMTC-Experte. Auf Platz 2 folgt der Mercedes CLS (Gesamtnote 2,1). Anzeige und Akutwarnung wurden positiv bewertet, frühere Warnhinweise wären jedoch wünschenswert. Der BMW 5er belegt aufgrund der unauffälligen Anzeige Platz 3 (Gesamtnote 2,3). Der Volvo V40 (Gesamtnote 2,8) überzeugt durch eine gute optische Anzeige. Kritikpunkte sind die unauffällige Akutwarnung und das Fehlen eines zusätzlichen akustischen Signals. Letzteres kann der Mazda CX-5 (Gesamtnote 3,2) aufweisen. Allerdings ist seine Anzeige im Spiegelglas zu unauffällig. Den letzten Platz belegt der Volvo V60 (Gesamtnote 3,9). "Die Warnhinweise kommen zu spät, das kamerabasierte System lässt sich zu leicht täuschen, eine Akutwarnung gibt es gar nicht", fasst Lang die Kritikpunkte zusammen. Der Citroen DS5 verfügt über keinen Spurwechselassistenten und wurde deshalb in dieser Bewertung nicht berücksichtigt.

Spurverlassenswarner

Die Bestnote geht hier an den BMW 5er (Gesamtnote 1,5). Perfektes Timing und die richtige Intensität der Lenkradvibration sowie die beste Fahrspur-Erkennungsrate konnten die Probanden überzeugen. An zweiter Stelle liegt der Mercedes CLS (Gesamtnote 2,4). Er punktet durch Warnung mittels Lenkradvibration. Beim Volvo V40 (Gesamtnote 2,9) wurde die gute Anzeige in den Instrumenten besonders positiv bewertet. Weniger überzeugen konnte das System des Audi A6 (Gesamtnote 3,1). "Die Lenkradvibration kam zu spät und zu schwach", so der ÖAMTC-Experte. Der Mazda CX-5 verfügt über viele Einstellmöglichkeiten, das Warngeräusch ist aber zu laut (Gesamtnote 3,2). Der Citroen DS5 setzt als einziger auf Sitzvibration, konnte aber dennoch nicht überzeugen (Gesamtnote 3,3). Am schwächsten schnitt der Volvo V60 ab (Gesamtnote 3,9). "Die akustische Warnung ist wenig intuitiv und teilweise auch störend", beschreibt der ÖAMTC-Techniker das Urteil der Probanden. Generell fordert Lang mehr Einstellmöglichkeiten bei den Warnungen der Assistenzsysteme. "Wenn eine bestimmte Warnung nervt, sollte man sie ändern können. Ansonsten besteht die Gefahr, dass das System ganz abgeschaltet wird und so keinen Nutzen mehr bringt."

Spurhalteassistent

Von den Testautos verfügen nur der Audi A6, der Mercedes CLS und der Volvo V40 über einen Spurhalteassistenten. Die beste Bewertung erhielt der Audi A6 (Gesamtnote 1,7). Er punktet durch verschiedene Einstellmöglichkeiten und gute Anzeigen. "Dringender Verbesserungsbedarf besteht bei der Spur-Erkennungsrate auf der Landstraße", bemängelt der ÖAMTC-Cheftechniker. Ex aequo auf Platz 2 landeten der Mercedes CLS und der Volvo V40 (jeweils Gesamtnote 2,1). "Das Volvo-System im V40 könnte bei den Lenkeingriffen kräftiger ausfallen", so der ÖAMTC-Experte.

Vollbremsung beim Notbremsassistenten erst als letzter Schritt

In einer zweiten Versuchsreihe ging es darum, die ideale Warnabfolge eines Notbremsassistenten zu ermitteln. Dazu wurden 20 Probanden auf abgesperrtem Gelände im Testfahrzeug abgelenkt und durch eine plötzliche Gefahrensituation zum Bremsen gezwungen. Der Notbremsassistent machte mittels rein optisch-akustischer oder mittels optisch-akustischer Warnung kombiniert mit einer haptischen Warnung in Form eines Bremsrucks auf die Gefahr aufmerksam. Es zeigte sich, dass die Reaktionszeit bei zusätzlicher haptischer Wirkung fast halbiert wurde.

Bei zu geringem Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug sollte die ideale Warnabfolge eines Notbremsassistenten demnach mit einem frühen optisch dezentem Hinweis als ersten Schritt beginnen. Reagiert der Fahrer nicht, ist ein deutlicher optischer Hinweis mit akustischer Warnung sinnvoll. Erfolgt auch auf diese Warnung keine Reaktion, sollte der Bremsruck als haptische Warnung hinzukommen. Dann ist eine Teilbremsung wichtig, die dem Fahrer nochmals etwas Reaktionszeit gibt. "Erst wenn eine Kollision nicht mehr zu verhindern ist, folgt die Vollbremsung, um die Unfallschwere zu reduzieren", so der ÖAMTC-Cheftechniker abschließend.