Modellvorstellungen
02.07.2012
Autor:
Christian Stich I Fotos: Werk

Fahrbericht: Mercedes A-Klasse

Die neue A-Klasse von Mercedes ist nicht nur ein Generationswechsel eines Autos. Auch das Käuferpublikum soll ausgetauscht werden.

Fast ausschließlich Mitt-Dreissiger entwarfen das Nachfolgemodell des Autos, dessen Käufer im Schnitt älter als 55 waren. Oberste Zielsetzung dabei: Es müsse ein wirklich großer Wurf werden und vor allem ihre Generation ansprechen, denn: “Es darf doch nicht sein, dass meine Studienfreunde einen A3 oder 1er fahren.” So bringt es Projektleiterin Eva Greiner, 36, auf den Punkt. Designer Mark Fetherston, 35, zuvor für die Form des SLS AMG verantwortlich, ging es darum, “die Langeweile in diesem Segment zu beenden.”

Im Segment der Premium-Kompakten jüngere Käufer zu erschließen, ist Mercedes schon allein deshalb wichtig, weil für diese Autos in Zukunft die höchsten Zuwachsraten erwartet werden: bis 2020 von derzeit 5,1 auf 7,7 Millionen Fahrzeuge pro Jahr.?? Womit nun definitiv Schluss ist, ist der doppelte Unterboden, die markanteste Eigenart der bisherigen A-Klasse seit ihrem Start vor 15 Jahren. Er sollte den kleinen Benz innen geräumig und variabel machen. Doch vieles, was damit verbunden war, ging in die Hose. Durch den hohen Schwerpunkt war das Fahrwerk grenzwertig – der Elchtest ließ das Auto gleich zu Beginn kippen. Darum beeilte man sich, bereits kurz darauf ESP in Serie einzubauen. Zwar war die A-Klasse damit der Bahnbrecher für das elektronische Stabilitätsprogramm, doch ernst genommen wurde sie nur von jenen, die die hohe Sitzposition zu schätzen wussten. ??Wer sich heute in die neue, 40 Zentimeter längere und fast 7 cm niedrigere A-Klasse mit ihrem tieferen Schwerpunkt setzt, plumpst mit seinem Hintern beinahe 18 cm tiefer in einen sportlichen Integralsitz. “Wir werden bestimmt Stammkunden verlieren,” so der bei Mercedes-Benz für Kompaktwagen verantwortliche Vizepräsident Jörg Prigl. Klar, dass die Abwanderung vornehmlich in Richtung (teurere) B-Klasse gehen soll. Prigl: “Aber wir werden viele neue gewinnen – jüngere. A steht dabei für Attacke.” ??

Was durchaus glaubwürdig klingt, denn im Vergleich zu seinen Konkurrenten von Audi und BMW wirkt der neue A ziemlich flott: Grill wie alle Sportler der Marke, aggressiv-geschmeidige Front, hochgezogene Schwellerlinie, muskulöse Ausformungen an den Hinterrädern und ein breitbackiges, tiefes Heck, das aussieht, als würde es das Auto auf die Straße drücken. Passend dazu: Im Inneren gibt es keine Holzapplikationen mehr. Wermutstropfen: Der Kofferraum büßte bei aufgestellten Rücksitzen im Vergleich zum Vorgänger knapp 100 Liter Volumen ein. ??Die ersten Eindrücke auf der Straße zeigen, dass das Fahrwerk mit der (aero)dynamischen Hülle (cW 0,27) mithalten kann: Präzise Lenkung und knackige Abstimmung machen die A-Klasse zu einem ziemlich fahraktivem Fortbewegungsmittel. Kurvenfresser statt Ausflugsdampfer also.??

Die Motoren: Euro-6-Benziner mit Direkteinspritzung und Turbolader (1,6/122 PS im A 180 mit 6-Gang-Handschalter, 1,6/156 PS im A 200 mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, 2,0/211 PS in den A 250-Modellen) sowie Diesel (1,5/109 PS im A 180 CDI und 1,8/136 PS im A 200 CDI). Alle Mercedes A verfügen über eine Start-/Stopp-Automatik. Die CO2-Werte: Bei den Benzinern zwischen 128 und 148 g/km, bei den Dieselmodellen zwischen 98 und 111 g/km.?? Was die Ausstattung betrifft, sind in Österreich Klimaanlage, Doppeltuner-Radio mit USB- und AUX-Anschluss, Fahrlicht-Assistent, Multifunktionslenkrad mit 12 Tasten und das radargestützte Assistenzsystem Collision Prevention Assist bereits in der Basiskonfiguration enthalten. Dieses Kollisionswarnsystem warnt bei Geschwindigkeiten ab 30 km/h vor dem Auffahren auf den Vordermann und stellt die Bremskraft adaptiv ein. Anders als die gegen Aufpreis (ab 895 Euro vor Steuern) erhältliche Distronic Plus bremst es das Fahrzeug aber nicht automatisch ab.

Die Preise der Mercedes-A-Klasse beginnen bei 24.950 Euro  für den A 180 Benziner. Drei Ausstattungslinien (Urban, Style, AMG Sport) und drei Design-Pakete (Night, Exklusiv, AMG Exklusiv) stehen zur Wahl, für die Basis-Motorisierungen darüber hinaus noch ein Lifestyle-Paket. Ab Jahresende soll es auch eine vollständige Integrationsmöglichkeit für Apples iPhone geben.