Tanken
16.04.2012

Chronologie der Kraftstoff-Preisgestaltung

Von klassischer Preisregelung bis zum freien Markt war alles schon dabei

Beim Blick auf die Spritpreise an den Zapfsäulen stellen sich viele Autofahrer die Frage, ob das früher auch schon so war und wie die hohen Preise eigentlich zu Stande kommen. Bis 1981 gab es in Österreich eine „klassische'“Preisregelung für die Kraftstoffpreise. Die Sozialpartner bildeten die sogenannte paritätische Kommission, die die Preise nach unterschiedlichen Kriterien, wie beispielsweise der Ölpreisentwicklung, festsetzten. Dieses System wurde am 15. September 1981 abgeschafft - ab diesem Zeitpunkt sollte der freie Wettbewerb günstigere Preise für die Konsumenten bringen.

"Die gläsernen Taschen"

Aber bereits 1990 wurde ein weiterer Versuch, die Kraftstoff-Preise einzugrenzen, gestartet. Das „Prinzip der gläsernen Taschen“ wurde eingeführt. In diesem System wurden die österreichischen Spritpreise an die Preisbewegungen auf dem Fertigproduktmarkt gekoppelt. Sobald am Rotterdamer Markt eine genau definierte Hürde - diese betrug damals umgerechnet 20 Groschen auf den Literpreis - übersprungen wurde, änderten sich auch die Preise an den heimischen Tankstellen.

Benzinpreisgipfel

Aber auch dieses System zur Preisgestaltung hielt nicht lange und nach einigem Hin und Her wurden die "gläsernen Taschen" 1997 wieder zugunsten des freien Marktes abgeschafft. Die allgemeine Unzufriedenheit mit den überhöhten Preisen sorgte aber noch im selben Jahr für den ersten „Benzinpreisgipfel“ der Sozialpartner im Wirtschaftsministerium.

Preiswirrwarr an den Zapfsäulen

Im Sommer 2008 kam es zu einem rapiden Anstieg der Spritpreise in Österreich. Bis zum Jahresende 2008 sanken die Preise dann wieder um bis zu 50 Cent. Was allerdings blieb waren Spritpreise die mehrmals täglich nach oben oder unten korrigiert wurden: Bis zu 10mal täglich und bis zu 10 Cent nach unten oder oben. Ein Preisvergleich war für die Kunden demnach nicht mehr möglich. Im Sommer 2009 wurde eine Verordnung erlassen um diesem Preiswirrwarr einen Riegel vorzuschieben. Damals wurde verordnet, dass die Kraftstoffpreise nur mehr einmal täglich erhöht werden durften, nämlich zu Betriebsbeginn. Für 24-Stunden Tankstellen galt 00:00 Uhr als Betriebsbeginn, für Automatentankstellen war es 08:30 Uhr. Preissenkungen waren damals wie heute jedoch zu jedem Zeitpunkt möglich.

Mit 31. Dezember 2010 wäre diese Verordnung ausgelaufen, jedoch wurde sie in veränderter Form verlängert. Seit dem 1. Jänner 2011 gilt nunmehr: Die Preiserhöhung darf einheitlich nur mehr um 12:00 Uhr Mittags stattfinden. Preissenkungen sind in unbegrenztem Ausmaß und zu jeder Uhrzeit erlaubt.

Preise zentral melden

Die Kraftstoffpreise werden nach wie vor vom freien Markt bestimmt. Es kam aber auch zu deutlichen Verbesserungen für die Konsumenten. Seit August 2011 sind die Tankstellen beispielsweise verpflichtet, ihre Preise zentral zu melden, um so die Transparenz des Marktes zu erhöhen. Auch der ÖAMTC erhält für seine Applikationen die Daten für Super und Diesel vom neu eingerichteten Spritpreisrechner.

Angesichts der aktuellen Preise wünschen sich viele Autofahrer wieder eine Preisregelung wie früher. Generell tritt der ÖAMTC für den freien Markt ein und ist ob der vielen Versuche in der Vergangenheit misstrauisch, wenn es um Preisregelungen geht. Verbesserungsbedarf was die aktuellen Verordnungen angeht gibt es aber sicherlich.