Franz Andras genießt seit einigen Jahren im beschaulichen Südburgenland seinen Ruhestand. Den frühen Morgen des 1. August 1976 wird der ehemalige "Gelbe Engel" jedoch zeitlebens nicht vergessen.
Gemeinsam mit einem Kollegen rückte der heute 63-Jährige aus, um einem VW-Käfer-Fahrer zu helfen, der mit einer Reifenpanne auf der Reichsbrücke liegen geblieben war. Der Radwechsel konnte nicht mehr durchgeführt werden, am Ende mussten die ÖAMTC-Pannenfahrer froh sein, mit dem Leben davon gekommen zu sein.
Viel Wirbel, Staub und Kracherei
"Es war ein fürchterlicher Wirbel, Krach und Staub, man hat nichts mehr gesehen", erinnert sich der pensionierte ÖAMTC-Pannenfahrer an die dramatischen Stunden zurück. Ein Ruck ging durch die Fahrbahn und eines der Wiener Wahrzeichen stürzte in sich zusammen.
Durch Sprung gerettet
Geistesgegenwärtig konnten sich Andras und sein Kollege, die sich zum Unglückszeitpunkt gerade am Brückenabschnitt über dem Handelskai befunden haben, durch einen beherzten Sprung retten. Hinter ihnen stürzten Straßenteile auf die darunter liegende Fahrbahn. Das gesamte Ausmaß der Katastrophe wurde erst sichtbar, nachdem sich die Staubwolken gelegt hatten.
Autobus in die Tiefe gestürzt
Mitten in den Fluten der wild aufschäumenden Donau lag ein Autobus. "Der Busfahrer hat sich auf das Dach retten können. Der ist dort gestanden und wir haben uns zugewinkt", schildert der pensionierte ÖAMTC-Pannenfahrer.
Alles, was noch ein Glück ist ...
Glück im Unglück, dass sich im Bus keine Fahrgäste befunden haben. Ein Todesopfer gab es dennoch zu beklagen – ein junger Mann, der genau zu diesem Zeitpunkt über die Brücke gefahren ist, konnte nur mehr tot geborgen werden. Dass es nicht mehr Opfer gegeben hat, ist lediglich damit erklärbar, dass am frühen Sonntagmorgen kaum Menschen unterwegs waren.
Einsatzzentrale glaubte zunächst an einen Scherz
Das Unglück schien im ersten Moment so unglaublich, dass die von den Pannenfahrern verständigte Polizei und auch die Kollegen der ÖAMTC-Einsatzzentrale kaum glauben konnten, was die "Gelben Engel" berichteten.
In 15 Minuten an der Unglücksstelle
"Es hat vielleicht im ersten Moment komisch geklungen, weil wir in der Zentrale gesagt haben, schickt's alles, was ihr erreichen könnt, die Reichsbrücke ist eingestürzt", schüttelt Andras noch heute den Kopf. Im Endeffekt musste der ÖAMTC-Pannenfahrer wohl doch überzeugend geklungen haben, denn die Einsatzkräfte waren binnen 15 Minuten vor Ort.
Der aufregendste Einsatz seines Lebens
"Wenn ich heute an den Einsturz der Reichsbrücke zurückdenke, muss ich sagen, dass ich viel Glück gehabt habe", erklärt der 63-Jährige zum wohl spektakulärsten Einsatz seiner 35 Jahre dauernden ÖAMTC-Karriere abschließend.