Sicherheit

Keine Fahrt ohne Sicherheitsgurt

2012 bereits 26 Tote bei Unfällen ohne Gurt

"Gurte retten leben" - jedem österreichischen Autolenker ist dieser Slogan bekannt. "Leider ist die Botschaft bei vielen immer noch nicht angekommen", stellt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger aufgrund der aktuellen Unfallszahlen fest. Bis 31. Mai sind bereits 26 Personen im Straßenverkehr ums Leben gekommen, weil sie nicht angegurtet waren. Im Vergleichszeitraum 2011 waren es 19 Personen (Quelle: BMI). "Zwar ist die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr insgesamt rückläufig, jedoch die der nicht Angeschnallten beinahe eineinhalb mal so hoch wie im Vorjahr", so Seidenberger. "Ein eindeutiges Zeichen, dass man einen Satz nicht oft genug sagen kann: Jede Fahrt mit Sicherheitsgurt."

Einsteigen, anschnallen, losfahren

Den Sicherheitsgurt gibt es seit rund 50 Jahren. "Genug Zeit, um das Anschnallen in den Köpfen der Menschen zu verankern", meint die ÖAMTC-Verkehrspsychologin und sucht nach einer Erklärung für den drastischen Anstieg bei den nicht angegurteten Verkehrstoten: "Möglicherweise hat der Verzicht auf dieses wichtige Sicherheitsplus mit einem falschen Sicherheitsgefühl zu tun, das die vielen neuen Sicherheitssysteme den Menschen vermitteln." Obwohl zusätzliche Sicherheitssysteme wie Airbags oder Fahrassistenzsysteme mittlerweile in nahezu jedem Auto zu finden sind, können diese den klassischen Sicherheitsgurt nicht ersetzen. Nur eine angepasste Fahrweise und das Zusammenspiel aller Sicherheitseinrichtungen bieten den optimalen Schutz.

Enorme Kräfte

Crashtests des ÖAMTC zeigen, dass die Kräfte bei einem Unfall bereits bei Geschwindigkeiten von 30 km/h enorm sind: Ein nicht angeschnallter Pkw-Insasse müsste imstande sein, bei einem Aufprall mindestens das Zehnfache seines Körpergewichtes mit den Armen und Beinen abzustützen. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Der Sicherheitsgurt kann bei allen Unfalltypen (z.B. Frontal-, Auffahr- oder Abkommensunfall) hilfreich sein, entweder um die Verletzungsschwere zu mindern, oder um im Extremfall tödliche Verletzungen zu vermeiden. Bereits bei einer niedrigen Aufprallgeschwindigkeit von 30 km/h kann es unangegurtet zu schweren Verletzungen im Nacken-, Kopf-, Brust- und Kniebereich kommen.

Vormerkdelikt unterlassene Kindersicherung

Das Fahren ohne Gurt wird gerne als Kavaliersdelikt betrachtet. Tatsächlich muss man mit einer Organmandatsstrafe von 35 Euro rechnen, wenn man ohne angelegten Sicherheitsgurt erwischt wird. Die Höchststrafe bei Verweigerung beträgt 72 Euro. "Erschreckend ist vor allem, wie häufig Kinder ungesichert im Auto sitzen", so ÖAMTC-Verkehrspsychologin Seidenberger. Erst im März veröffentlichte der ÖAMTC die Ergebnisse einer österreichweiten Erhebung, wonach 16 Prozent der beobachteten Kinder gänzlich ungesichert im Auto saßen. Unterlassene Kindersicherung ist in Österreich ein Vormerkdelikt. Bei der zweiten Vormerkung für ganz mangelhafte oder nicht vorhandene Kindersicherung kommt zur Strafe zusätzlich ein Kindersicherungskurs hinzu. "Aber soweit sollte es erst gar nicht kommen", appelliert die ÖAMTC-Expertin an das Verantwortungsbewusstsein der Autolenker.

Ihre Meinung auf Facebook

Warum ist der Griff zum Gurt noch immer keine Selbstverständlichkeit? Diskutieren Sie mit!