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50 Jahre ÖAMTC Mattighofen

Vor einem halben Jahrhundert – im Herbst 1968 – nahm der ÖAMTC Mattighofen als dritter Stützpunkt in Oberösterreich und als erster im Innviertel seinen Vollbetrieb auf.

Pannenhilfe Mattighofen Vintage © ÖAMTC/Grumböck
Pannenhilfe wie damals  -  Stützpunktleiter Hannes Schmidhuber hilft wie vor 50 Jahren. © ÖAMTC/Grumböck

Der Stützpunkt lag damals noch etwas weiter nördlich als der heutige und war in der Nachbargemeinde Uttendorf angesiedelt. Von dort aus wurde die ÖAMTC-Pannenhilfe, die damals noch in den Kinderschuhen steckte, für das Innviertel organisiert. Dieser erste Stützpunkt im Bereich Mattighofen befand sich neben der Uttendorfer „Total“-Tankstelle und war in der Anfangszeit unter der lokalen Telefonnummer „49“ erreichbar.

Start zur Pannenhilfe im Innviertel

Die Pannenfahrer patrouillierten damals auf starkbefahren Routen wie beispielsweise der B 147 durchs Mattigtal und führten im Stundenrhythmus Kontrollfahrten durch. In der Zeit zwischen den Kontrollfahrten hielten sich die Pannenhelfer möglichst sichtbar an der Strecke auf. Vorbeikommende Kraftfahrer konnten anhalten und die ÖAMTC-Patrouille über Pannen oder Unfälle entlang der Strecke informieren. Der Patrouillen-Dienst der Pannenhilfe hatte damals übrigens auch eine wichtige Funktion im Rettungswesen: Bei schweren Verkehrsunfällen wurde von den Pannenfahrern am Straßenrand eine Fahne mit der Aufschrift „Arzt gesucht“ ausgesteckt, um vorbeikommende Mediziner zu alarmieren. Zudem waren alle Pannenfahrer in Erster Hilfe geschult und alle Fahrzeuge des Pannendiensts mit Blutplasma-Konserven bestückt. Autofahren war damals noch viel gefährlicher als heute. Kollisionen endeten selbst bei geringem Tempo vielfach tödlich. 1962 starben in Österreich 1.622 Menschen bei Verkehrsunfällen, 1966 waren es 2.101. Den traurigen Höhepunkt gab es 1972 mit 2.948 Todesopfern. Zum Vergleich: 2017 verunglückten in Österreich im Straßenverkehr 413 Menschen tödlich.

Stützpunkt Uttendorf als Funk-Pionier des ÖAMTC

Die Dienstleistung „Pannenhilfe“ brachte dem ÖAMTC auch im Innviertel einen enormen Zuwachs an Mitgliedern. Die hohe Verkehrsdichte und die immer professioneller werdende Pannenhilfe des ÖAMTC erforderten es, die Pannenfahrer ab Ende der 1960er-Jahre per Funk zu koordinieren. Als einer der ersten ÖAMTC-Stützpunkte überhaupt wurde Uttendorf mit einer eigenen Funkanlage ausgerüstet, was an einem 25 Meter hohen Funkmast auf dem Stützpunktdach auch weithin erkennbar war. Um das Inn- und Hausruckviertel von Linz aus per Funk zu erreichen, wurde außerdem eine Funk-Relaisstation auf dem nur wenige Kilometer von Mattighofen entfernten Rothauptberg bei Frankenburg errichtet. Diese Funkanlage war bis zur flächendeckenden Verbreitung der Mobiltelefonie in den 1990er-Jahren erfolgreich im Einsatz.

„Pickerl“ beim Club

Einen weiteren großen Zuwachs an Mitgliedern brachte dem ÖAMTC die Einführung der „Pickerl“-Überprüfung nach §57a, die von Anfang an in den ÖAMTC-Stützpunkten gemacht werden konnte. Mit 1. Jänner 1973 trat diese Bestimmung in Kraft. Hintergrund der Pickerl-Einführung waren die horrenden Unfallzahlen auf Österreichs Straßen in den 1960er- und 1970er-Jahren. Der technische Zustand vieler Autos war katastrophal, grobe Defekte stellten eine ständige Gefahr für die Fahrer selbst als auch für andere Lenker mit einwandfreien Fahrzeugen dar. Kontrollen wurden vor Einführung des „Pickerls“ nur in Form von Stichproben oder auf Anordnung der Polizei durchgeführt. Wie schlimm es damals um den Fahrzeugbestand tatsächlich bestellt war, zeigte sich nach dem Start der „Pickerl“-Pflicht: Etwa ein Drittel der untersuchten Fahrzeuge bekam wegen schwerwiegender Mängel keine Plakette. Die neue Begutachtungs-Pflicht zeigte jedoch bald Wirkung: Schon ab dem Jahr 1973 sank die Anzahl der Verkehrstoten beträchtlich. Die ursprüngliche Vermutung, dass viele Verkehrsunfälle durch technische Gebrechen verursacht werden, bestätigte sich. Das Pickerl stellt seitdem einen wesentlichen Beitrag zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr dar und gehört neben der Gurtpflicht und der Verbreitung von elektronischen Hilfen wie ABS und ESP zu den Meilensteinen der Verkehrssicherheit.

Stützpunkt-Offensive im Innviertel

Durch das nachhaltige Mitgliederwachstum konnte der ÖAMTC nach und nach auch im Innviertel weiter investieren. 1969 wurde der Stützpunkt Ried gebaut, 1975 Schärding, 1988 folgte Braunau. 1996, als das Gebäude in Uttendorf bereits aus allen Nähten platzte, übersiedelte der ÖAMTC nach Mattighofen in den jetzigen, direkt neben dem KTM-Werk in der Salzburger Straße 25a gelegenen Stützpunkt.

Regionaler Mobilitätsdienstleister mit neun Mitarbeitern

Heute ist der ÖAMTC Mattighofen ein moderner Mobilitätsdienstleister. „Wir leisten nicht nur die Pannenhilfe, von uns werden auch alle Prüfdienstleistungen wie Pickerl-Begutachtung, Sicherheits- und Fahrwerksüberprüfung, Windschutzscheibenreparatur oder die Kaufüberprüfung durchgeführt“, sagt Hannes Schmidhuber, Leiter des Stützpunkts Mattighofen. Ob Versicherungs-, Reise- und Sachverständigen-Service oder die Auswahl des passenden Kindersitzes: Kompetente Fachleute machen den ÖAMTC Mattighofen zu einem Nahversorgern in allen Mobilitätsbelangen.

Die Gelben Engel aus Mattighofen leisteten im Vorjahr 3213 Pannenhilfen und Abschleppungen. Direkt am Stützpunkt wurden weitere 3554 kleinere und größere Pannen behoben. Dazu kamen Tausende technische Dienstleistungen wie beispielsweise die Pickerl- oder die Kaufüberprüfung. „Schwache, leere oder defekte Batterien waren 2017 der häufigste Pannengrund. Auf Platz zwei in der Pannen-Hitparade folgten Probleme mit Motor und Motor-Management. Sehr viele Einsätze gab es auch wegen Problemen mit dem Starter, Reifenschäden sowie vergessenen, verlorenen oder eingesperrten Schlüsseln“, sagt Schmidhuber. Derzeit sind beim ÖAMTC Mattighofen insgesamt neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pannendienst sowie im Prüf- und Beratungsbereich beschäftigt.

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