Christophorus Magazin

9 INFORMATION Christophorus In Österreich verunglückten 2024 2.721 E-Bike- und 2.102 E-Scooter-Fahrende, 27 Personen kamen dabei ums Leben. Alarmierende Zahlen – und Besserung ist nicht in Sicht: Im ersten Halbjahr 2025 verunfallten allein 1.127 E-Scooter-Nutzer:innen, um 31 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2024. Aktuellere Zahlen lagen zu Redaktionsschluss nicht vor, man kann aber davon ausgehen, dass 2025 in dieser Hinsicht ein weiteres Rekordjahr im negativen Sinne wird. Als Reaktion auf diese Entwicklung soll das Tragen eines Helms künftig gesetzlich vorgeschrieben sein – es gibt allerdings einen Haken. Warum passieren so viele Unfälle? E-Bikes erreichen schnell Geschwindigkeiten von 25 km/h und mehr, sie sind schwer und haben starke Bremsen. Allein diese Unterschiede zum Fahrrad erhöhen – vor allem für Ungeübte – die Sturzgefahr enorm. Und: Die elektrische Unterstützung beim Treten kann trügerisch sein, gaukelt sie doch oft eine Fitness vor, die nicht in diesem Ausmaß vorhanden ist. Daraus resultiert eine deutliche Zunahme des Zweiradverkehrs. Ein Beispiel dafür sind alpine Bereiche, die dank E-Motor auch von älteren oder untrainierten Gelegenheitsradler:innen erreicht werden können. Hier sind es dann vor allem die Abfahrten, die jedes Jahr zahlreiche Opfer fordern. Nicht weniger problematisch ist die Situation bei E-Scootern: Die vor allem innerstädtisch genutzten Roller beschleunigen oft schneller als erwartet. Gerade im belebten, urbanen Umfeld kommt es dadurch häufig zu abrupten Bremsmanövern, seitlichem Wegrutschen oder Kollisionen. Die kleinen Räder der Scooter „Ein Helm verhindert keinen Unfall, mindert aber das Risiko schwerster Verletzungen. Das erhöht die Überlebenschancen und erleichtert die Genesung erheblich.“ WOLFGANG VOELCKEL leitender Notarzt der ÖAMTC- Flugrettung E-Bike- und 40 Prozent der E-ScooterUnfälle ohne Fremdeinwirkung stattfinden, wird die entscheidende Rolle des Helms sogar noch deutlicher. Es führt also kein Weg daran vorbei, die Helmtragequote zu erhöhen. Eine ÖAMTC-Beobachtung, die im März und im April 2025 durchgeführt wurde, zeigt das Potenzial: Während sich beim E-Bike innerstädtisch über 52 Prozent und auf Freizeitrouten beinahe 80 Prozent aller Nutzer:innen mit einem Helm schützen, sind es nur knapp über zehn Prozent der E-Scooter-Fahrer:innen. Treffsicherheit erhöhen Eine Helmpflicht, sind sich die Expert:innen beim Mobilitätsclub einig, sei jedenfalls eine sinnvolle Maßnahme. Im Zuge der 36. Novelle der von Stefan Tschernutter verstärken zusätzlich das Risiko, an Bordsteinen oder Hindernissen zu stürzen – nicht selten mit direktem Kopfaufprall. Was heißt das aus medizinischer Sicht? Wolfgang Voelckel ist leitender Notarzt der ÖAMTC-Flugrettung. „Auch wir sind seit einigen Jahren mit steigenden Einsatzzahlen nach E-Bike- und E-Scooter-Unfällen konfrontiert. Dabei sehen wir unterschiedliche Verletzungsmuster, häufig sind dabei Knochenbrüche. Besonders problematisch sind aber SchädelHirn-Verletzungen, die deutlich schwerer ausfallen, wenn kein Helm getragen wurde“, erläutert der erfahrene Notfallmediziner. Generell gehören Verletzungen im Schädel-Hirn-Bereich zu den zeitkritischsten Notfällen. Voelckel dazu: „Selbst geringe Verzögerungen in der Notfallbehandlung schwerer SchädelHirn-Verletzungen können sich ungünstig auf die neurologische Rehabilitation auswirken oder die Überlebenschance verringern. Wir müssen auch konstatieren, dass jedes Jahr bei zehn bis 30 Prozent der Patient:innen mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma eine Behinderung zurückbleibt.“ Entsprechend wichtig ist die umgehende Versorgung in gut ausgestatteten Traumazentren. Hier kommt der Hubschrauber ins Spiel, der für die teils großen Distanzen zwischen Unfallort und Spezialklinik das optimale Transportmittel ist. Was ist zu tun? Studien und Erfahrungswerte der Notfallmedizin belegen eindeutig: Ein korrekt getragener Helm senkt das Risiko schwerer Kopfverletzungen signifikant – in vielen Untersuchungen um 40 bis 70 Prozent. Unfälle, so Voelckel, könne das zwar nicht verhindern, aber: „Aus einer tödlichen Kopfverletzung wird durch den Helm eine schwere Kopfverletzung, aus einer schweren eine mittelschwere – und wer sich leicht verletzt hätte, hat mit Helm gute Chancen, im Kopfbereich gänzlich unversehrt zu bleiben.“ Bedenkt man ferner, dass mehr als die Hälfte der ›

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