Christophorus Magazin

18 VISION Christophorus Wenn ein Notarzthubschrauber bei Schnee zur Landung ansetzt, entscheidet oft ein einziges Detail über Sicherheit und Risiko: die Sicht. Was für Außenstehende spektakulär wirkt, ist für Pilot:innen eine der größten Herausforderungen überhaupt – das sogenannte White-out. Dabei wirbelt der Rotor so viel lockeren Schnee auf, dass sich der Hubschrauber innerhalb weniger Sekunden in einer weißen Wolke verliert. Auch Flugbetriebsleiter und Pilot Max Seidl kennt diese Situation nur allzu gut: „In der einen Sekunde siehst du den oder die Einweiser:in noch klar vor dir, doch plötzlich verschwimmt alles im Weiß des aufgewirbelten Schnees und nur ein schemenhafter Umriss bleibt.“ Das White- out ist neben möglichen Vereisungen im Winter die größte Herausforderung. Der Grund: Pilot:innen verlieren jeglichen räumlichen Bezug. Bewegt sich der Hubschrauber unbemerkt seitlich oder kippt leicht, lässt sich das ohne Sicht kaum erkennen. Hindernisse, Pistenbegrenzungen oder Unebenheiten des Bodens verschwinden zudem völlig. Eine einzige falsche Bewegung kann schwerwiegende Folgen haben. Ganz in Weiß Wie Pilot:innen Schneeverwirbelungen meistern und trotz White-out sicher landen. Richtig einweisen Vor allem im Winter benötigen Pilot:innen während der Landung unbedingt eine:n Einweiser:in. Diese:r ist eine Orientierungshilfe und der Helikopter fliegt daher häufig sehr nahe an sie:ihn heran, oft bis auf wenige Zentimeter. Auch wenn der Rotorlärm und der aufsteigende Schnee durch den Downwash überaus ungewohnt und unangenehm sind, dürfen sich Einweisende keinesfalls wegbewegen. Wer beim Einweisen mit einem Bein niederkniet, bietet dem Downwash eine geringere Angriffsfläche und kann auch leichter das Gleichgewicht halten. Einweiser:innen positionieren sich so, dass sie den Wind im Rücken haben, damit der Helikopter gegen den Wind gelandet werden kann. Nach erfolgreicher Landung dürfen sich Einweiser:innen oder andere Personen nur nach Aufforderung durch ein Crewmitglied dem Hubschrauber nähern. Wissenswert Deshalb sind die Einweisenden entscheidend: „Sie sind der fixe Bezugspunkt, der Pilot:innen Orientierung gibt, und dürfen ihren Standort keinesfalls verändern“, sagt Seidl. „Auf sie muss man sich zu 100 Prozent verlassen können, denn nur so können Pilot:innen die konturlose Schneeglocke richtig einschätzen.“ Und dieses Vertrauen ist gegenseitig, setzt der Helikopter doch oft nur wenige Zentimeter vor ihnen auf. In schneereichen Wintern gehören Landungen unter White-out-Bedingungen beinahe zum Alltag. Erfahrung spielt dabei eine zentrale Rolle: Schon aus der Luft beurteilen Pilot:innen die Schneebeschaffenheit am Landeplatz und bereiten das Manöver entsprechend vor. Ein Patentrezept gibt es dennoch nicht. „Grundsätzlich gibt es zwei Herangehensweisen“, erklärt Seidl. „Entweder man landet zügig vor der herannahenden Schneewolke, um die Sichtreferenz zu behalten. Oder man geht in einen hohen Schwebehalt und verbläst die Wolke, bevor man aufsetzt.“ ▲

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