FT Insides - Dezember 2022
Insbesondere Einsatzfahrer:innen müssen hinter dem Autosteuer einen kühlen Kopf bewahren und genau wissen, wie bei widrigen Umfeldbedingungen hinter dem Steuer richtig reagiert werden muss, um sicher ans Ziel kommen. „Viele unserer Pkw-Trainingsteilnehmenden sind erfahrene Autofahrer:innen. Das heißt aber nicht, dass Personen mit Fahrpraxis eher vor Unfällen gefeit sind“, sagt Andreas Aigner, seines Zeichens Zentrumsleiter im ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Kalwang. „Auch wenn das oft die landläufige Meinung ist.“ Wenn der Hubschrauber aufgrund von Schlechtwetter stehen bleiben muss, sind natürlich auch die Bedingungen auf der Straße alles andere als optimal. „Man denke im Notfall nur an einen ungebremsten Spurwechsel mit Autobahngeschwindigkeit auf rutschiger Fahrbahn. Wer nicht weiß, wie so ein Manöver richtig durchführt wird, bringt sich und andere in eine gefährliche Situation“, ergänzt Andreas Aigner. Vorbereitend für den Einsatz der Notarztzubringerflotte fand daher kürzlich ein Fahrsicherheitstraining in Kalwang statt, welches speziell auf den Einsatz von Blaulichtfahrten mit Pkw zugeschnitten wurde. Andreas instruierte die teilnehmenden Flugretter höchstpersönlich: „Neben Praxisübungen wurden auch rechtliche Aspekte einer Einsatzfahrt behandelt. Denn wer mit Blaulicht unterwegs ist, muss genau wissen, worauf es etwa beim Durchfahren roter Ampeln ankommt, um nur ein Beispiel zu nennen“, so Aigner. Die Gefahr, bei einer Einsatzfahrt in einen Unfall verwickelt zu werden, ist hoch, denn die Kombination aus regennasser Fahrbahn, erhöhtem Verkehrsaufkommen, unberechenbaren Verkehrsteilnehmer:innen und höherer Geschwindigkeit führt zu gefährlichen Situationen. Dazu kommt, dass Einsatzfahrer:innen nicht selten während der Schicht aus dem Schlaf gerissen werden – und das kann sich negativ auf die Konzentration auswirken. Aigner: „Wenn ein Notruf einlangt, zählt jede Minute. Das Einsatzpersonal trainiert daher bei uns unter identen Bedingungen eine normale und eine Einsatzfahrt mit Blaulicht. Beide Fahrversuche werden im Anschluss anhand von Zeitdifferenz und Fehlerhäufigkeit verglichen und analysiert. Dabei steht der minimale Zeitgewinn durch höhere Geschwindigkeitsbereiche oftmals nicht im Verhältnis zur hohen Fehlerrate.“ Quietschende Reifen, schleudernde Pkw und kühne Bremsmanöver – im geschützten Rahmen des ÖAMTC Fahrtechnik Zentrums konnten die Teilnehmer waghalsige Fahrmanöver unter sicheren Bedingungen trainieren und einmal austesten, wie die Pkws im Grenzbereich reagieren. „Mir war schon klar, dass auch bei Einsatzfahrten auf der Straße hohes Gefährdungspotenzial besteht. Dann aber im Auto hinter dem Steuer praktisch zu erleben, wie sich nur wenige km/h mehr oder weniger auf das Fahrverhalten auswirken und wie ich das Fahrzeug durch aktives Zutun wieder einfangen kann, ist ein Gamechanger. Im Training mit Andi habe ich immens viel mitnehmen können“, freut sich Martin Kamper. „Es ist schon erstaunlich, wie wenig es braucht, um das Auto aus der Bahn zu werfen. Wenn du dann nicht weißt, wie hinter dem Steuer korrekt reagiert wird, bist du chancenlos.“ (Quelle: Christophorus Magazin) © Christian Postl „Beim praktischen Training geht es vor allem darum, ein Einsatzfahrzeug richtig bewegen sowie verstehen zu lernen und zu erfahren, wie es in bestimmten Situationen reagiert.“ Andreas Aigner, Leiter Kalwang
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