FT Insides - Dezember 2022

Und wenn wir von Führerschein-Neulingen sprechen, fällt dir was auf? Beim Führerscheintraining gehts zwar darum, gefährliche Situationen im Straßenverkehr im Vorhinein zu verhindern, Gemeinsamkeiten zu den fahrerischen Aspekten im Motorsport gibt es aber dennoch. Es zeigt sich einfach, dass jedes Training, jede Schulung das Um und Auf für ein sicheres Mobilitätsleben ist. Wichtig ist, dass Fahranfänger:innen wie auch Motorsportler:innen lernen, eine Situation richtig einzuschätzen. Es geht darum, eine angemessene Reaktion hinter dem Steuer zu üben. Was ich an dieser Stelle erwähnen möchte: Ich würde mir mehr Frauen als Teilnehmerinnen bei Fahrwettbewerben wünschen. Dieses Jahr hatten wir bei den Vorentscheidungen zum 'Best Young Driver Contest' zwei von 24 Teilnehmerinnen. Beim Finale in Spanien war der Frauenanteil immerhin bei rund 35 Prozent. Da geht aber noch mehr in Österreich. Guter Punkt. Was denkst du, motiviert junge Leute ganz generell, bei der Fahrtechnik als Instruktor:in zu beginnen? Die Hauptmotivation ist sicher, anderen die Leidenschaft für Fahrzeugbeherrschung und fürs Fahren weiterzugeben und sich nebenbei damit auch noch was dazuzuverdienen. "So ist auch der erste Racing Rookie Sieger aus 2004, Patrick Winter, zu uns gekommen und hat sich seither zu einem der vielfältigsten Instruktoren entwickelt. Auch der direkte Kontakt mit verschiedenen Menschen motiviert viele und hilft, sich ein gutes Netzwerk aufzubauen. Kommen wir mal zu anderen Aspekten. Als Leiter der Abteilung Organisation und Infrastruktur bist du immer am Puls der Zeit was Fahrzeugentwicklung anbelangt. Welche Entwicklungen findest du in dem Bereich spannend, welche siehst du eher kritisch? Die Vielfalt an Assistenzsystemen und Antriebsaggregaten, die sich stetig weiterentwickelt haben, wie Verbrenner, Hybrid, PHEV, BEV, finde ich spannend. Als ich vor über 25 Jahren bei der ÖAMTC Fahrtechnik begonnen habe, haben wir den Lenker:innen noch beigebracht, wie man ein Fahrzeug ohne ABS bei einer Notbremsung stabil hält. Damals war das eine der schwierigsten Übungsabläufe. Das ist heute eigentlich kaum ein Thema mehr. Ein weiterer Meilenstein war die Entwicklung des Systems ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm), welches vorerst nur der Premiumklasse vorbehalten war, dann aber durch den 'Innovationsschub' der Mercedes-A-Klasse Ende der 90iger in allen Fahrzeugklassen und durch die Bank weg bei vielen Modellen Standard wurde. Eine der größten fahrerischen Herausforderungen ist aus meiner Sicht aber immer noch die Bewältigung eines Heckausbruchs, weil hier in kurzer Zeit sehr exakt hinter dem Lenkrad gesteuert werden muss. ESP und andere Assistenten unterstützen mittlerweile enorm – das hat sich zum Positiven verändert. Kritisch sehe ich die Tendenz zur Unachtsamkeit im Straßenverkehr. Das heißt, die immer größer werdende Verlockung, sich durch das Smartphone, Infotainment, Navigationssysteme o. Ä. ablenken zu lassen. Aber auch das oft hohe Vertrauen in die Fahrzeugtechnik kann kritisch sein und gefährlich werden. Auch wenn die unterstützenden Systeme helfen, am Ende kann keine Technik das Fahrkönnen komplett kompensieren. Welche Aspekte deiner Arbeit erfüllen dich auch nach so vielen Jahren noch besonders mit Freude und motivieren dich? Die Aufklärungsarbeit, die wir leisten, um die Herausforderungen des rapide vorangetriebenen technischen Fortschrittes in der Mobilität optimal zu nutzen. Es geht darum die Verkehrssicherheit zu erhöhen und am Ende auch Leben zu retten. Es ist wirklich motivierend, wenn Kund:innen Wochen nach einem Personal Coaching extra anrufen und erzählen, dass sie z.B. einen Unfall vermeiden konnten, weil sie aufgrund des Trainings richtig reagiert haben. Ernest, was wissen wir noch nicht über dich und hätten uns das vermutlich niemals gedacht? Ok, das ist also der richtige Moment für eine Beichte: Ich stricke gerne Weihnachtspullover. Scherz beiseite. Ich kann in berührenden Momenten schon mal eine Träne vergießen, aber prinzipiell gilt: Was bis jetzt noch keiner über mich weiß, braucht auch niemand wissen.

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