Lastenrad statt Auto? Ja, warum denn nicht?

Taugt so ein Fahrrad mit Ladefläche als Zweitauto-Ersatz? Ein Selbstversuch – 10 Tage lang, inklusive Knock-out-Prüfung: dem Familien-Wocheneinkauf.

Das sind unsere Voraussetzungen: Zwei junge Kinder, ein Hund, wohnhaft im Speckgürtel, Radabstellplatz bedingt vorhanden. Supermärkte, Baustoffhandel und sonstige Versorgungseinrichtungen sind meist im Umkreis von maximal zehn Kilometern angesiedelt.

Trotzdem legen wir diese Kurzstrecken oft mit dem Auto zurück. Weil sich der Familien-Wocheneinkauf auf einem normalen Fahrrad kaum unterbringen lässt, weil vielleicht die sperrige Schultasche dabei ist, weil es schnell gehen muss, kurz: Meist ist das Auto die bequemere und flottere Alternative zu unseren Drahteseln.

Doch sie ist unbefriedigend, diese Situa­tion, aus ökologischen sowie ökonomischen Gesichtspunkten. Deshalb kommt hier das Lastenrad ins Spiel. Für unseren Selbstversuch haben wir einen kompakten Alleskönner gesucht – die Wunschliste las sich dann in etwa so:

Einigermaßen handlich und fahraktiv soll er sein, der Alleskönner, zudem genug Platz bzw. Stauraum für den Familien-Wocheneinkauf bieten. Oder eben für den Hund, damit auch der wahlweise mitgenommen werden kann. Dieses Lastenrad soll jedoch weder mehrspurig noch sperrig sein (wegen der limitiert vorhanden Abstellfläche), aber über einen Elektroantrieb verfügen (wegen des Gewichts), der via Riemen mit dem Hinterrad zusammengespannt wird (statt einer Kette, wegen des Schmutzes).

Und, last but not least, das Rad soll uns beiden Erwachsenen gleichermaßen passen, was hinsichtlich eines Größenunterschieds von rund 10 Zentimetern zwar keine Herkulesaufgabe darstellt, aber doch einen gewissen Spielraum hinsichtlich Sitz- und Lenker-Einstellung erfordert.

Unser Mittel zum Zweck – ein Lastenrad von i:sy

Fündig wurden wir schließlich in Deutschland bei der Firma i:sy, die sich auf kompakte Lastenräder mit 20-Zoll-Bereifung spezialisiert hat. Kostenpunkt: rund 4.500 Euro für das Modell Cargo. Mit zusätzlichem Gepäckträger, der Falttasche und anderem Zubehör sind es bald darauf etwa 5.100 Euro.

Ja, das ist viel Geld, angesichts der (gewünschten) Ausstattung ist das Preis-Leistungs-Verhältnis jedoch okay; und zum Glück gibt es ja auch Förderungen (in Wien beispielsweise bis zu 1.000 Euro pro Rad).

Interessant war ja: Wir erlebten eine immens große Neugier in Bezug auf das Lastenrad. Vor dem Supermarkt, der Schule, dem Kindergarten – es entwickelten sich laufend Gespräche über Praktikabilität, Handlichkeit und, natürlich, den Preis. Gerade bei Letzterem erlebten wir im Grunde genommen jedoch nur zwei Reaktionen: "Gar nicht so teuer – habe gedacht, das kostet mehr" (so antworteten meist Viel-Radler oder begeisterte E-Biker) bzw. "Um den Betrag bekomme ich ja schon fast einen anständigen Gebrauchtwagen".

Eine statistische Anmerkung noch an dieser Stelle: 2019 betrug der durchschnittliche Verkaufspreis für ein Elektrofahrrad in Österreich 2.809 Euro (Quelle: VSSÖ).

Doch nun zurück zum Lastenrad.

Wir beginnen mit einem Blick auf die besonderen Details des i:sy Cargo

Und nun: Einkaufen

Freitagnachmittag, jetzt geht’s um die Wurst, wortwörtlich, das Einkaufswagerl ist randvoll gefüllt, das Augenmaß meint: Könnte knapp werden. Ob sich das alles ausgeht? Und nur damit Sie sich, liebe Leser, ein Bild davon machen können: Mengenmäßig sieht bei uns der wöchentliche Großeinkauf in etwa so aus.

Im Wesentlichen waren es übrigens vier Erkenntnisse, die wir im alltäglichen Umgang mit dem Lastenrad gewonnen haben.  

1. Erkenntnis (beim Umräumen ins Lastenrad):

Wer bereits am Förderband der Kassa vorsortiert, ist danach beim Beladen deutlich schneller. Schwere und kalte Dinge nach unten, Leichtes nach oben, Sperriges oder Großformatiges auf die Gepäckträger; wir beginnen mit der Beladung.

2. Erkenntnis:

Der Familien-Wocheneinkauf geht sich tatsächlich aus (und dabei waren die Gepäcktaschen hinten noch gar nicht montiert). So sieht das übrigens aus der Radler-Perspektive aus.

3. Erkenntnis (nach etlichen Kilometern Fahrt):

Ein fein regelnder Elektromotor macht sich speziell bei einem voll beladenen Lastenrad schnell bezahlt, weil der zusätzliche Schub für mehr Stabilität, ergo für ein sichereres Fahrverhalten sorgt, vor allem beim Anfahren und bei langsamer Fahrt. Davon abgesehen ist es schlicht der insgesamt sehr harmonische Gesamteindruck, der für Fahrvergnügen sorgt – beginnend bei den gut dosierbaren Bremsen und endend bei der stufenlosen Nabenschaltung (Enviolo TR).

4. und letzte Erkenntnis:

Wir haben im Testzeitraum das Auto tatsächlich öfter stehen gelassen – aus Freude am Fahren: am Lastenradfahren. Wie viele Autokilometer wir uns über das Jahr gesehen tatsächlich ersparen würden, ist nach so einem kurzen Zeitraum schwer vorherzusagen. Aber vorsichtig hochgerechnet, inklusive Schlechtwetterabzug und Radtouren-Aufschlag, würden wir von rund 50 Kilometern pro Woche ausgehen, tendenziell sogar mehr. Das wären pro Jahr dann immerhin rund 2.500 eingesparte Autokilometer.

Und wie sieht es rechtlich aus? Das sagen die Juristen.

Weil wir in den meisten Gesprächen irgendwann dann auch bei den rechtlichen Rahmenbedingungen für Lastenräder ankamen, hier ein kleiner Überblick:


Rechtlich gelten Lastenfahrräder mit oder auch ohne Tretunterstützung mit einer Bauartgeschwindigkeit von maximal 25 km/h und einer maximalen Antriebsleistung von 600 Watt als Fahrräder. Wer mit dem Lastenfahrrad unterwegs ist, hat in der Regel die gleichen Rechte und Pflichten wie jeder Radfahrer. Es gibt jedoch einige Sonderregeln.
Auch mit einspurigen Lastenfahrrädern (sofern der Abstand zwischen Vorder- und Hinterradnabe nicht mehr als 1,7 Meter beträgt) ist eine vorhandene Radfahranlage zu benützen. Grundsätzlich dürfen diese Radfahranlagen auch von mehrspurigen Fahrrädern benützt werden, allerdings nur, wenn sie nicht breiter als 100 Zentimeter sind.
Seit 10. Oktober 2013 ist es erlaubt, eines oder mehrere Kinder mit Fahrrädern, die über eine Transportkiste verfügen, mitzunehmen. Diese muss laut Hersteller für den Transport von Kindern geeignet und mit einem Gurtsystem ausgerüstet sein, das vom Kind nicht leicht geöffnet werden kann. Die Transportkiste darf vor oder hinter dem Lenker angebracht sein. Und: Helmtragepflicht für Kinder unter zwölf Jahren.
Wer das Lastenfahrrad auf dem Gehweg parkt oder dort hält, darf damit keine Fußgänger behindern. Generell gilt: Fahrräder sind so aufzustellen, dass sie nicht umfallen oder den Verkehr behindern können. Auf dem Gehsteig ist das Abstellen von Fahrrädern nur dann zulässig, wenn dieser mehr als 2,5 Meter breit ist. Dies gilt allerdings nicht im Bereich von Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel, außer es sind dort Radständer aufgestellt.
Mehrspurige Lastenfahrräder dürfen bis max. 250 Kilogramm beladen werden. Bei ein­spurigen Lastenfahrrädern gibt es kein gesetzlich vorgeschriebenes Ladegewicht. Wichtig ist, die Herstellerangaben zur maximalen Zuladung und das Gesamtgewicht zu beachten.