ABS fürs Fahrrad

Jetzt gibt es ein Antiblockiersystem für Pedelecs. Sie fragen sich: Wer braucht denn so etwas? Wir haben es ausprobiert und meinen: Jeder. 

Nur damit hier alle inhaltlich im selben Boot sitzen: Ein ab, ein Antiblockiersystem, verhindert bei kräftiger Betätigung der Bremse das vollständige Blockieren der Räder. Das ist beispielsweise bei Autos deswegen sinnvoll, weil bei einer Notbremsung das Fahrzeug noch lenkbar bleibt.

Und es ist bei Motorrädern noch viel viel sinnvoller, weil dadurch ein Wegklappen des Vorderrades oder ein Überschlag verhindert werden können.

Dass nun so ein System auch bei Fahrrädern mit Elektroantrieb Einzug hält, ist umso erfreulicher. Denn höheres Durchschnittstempo und höheres Gewicht (im Vergleich zu einem herkömmlichen Fahrrad) sowie immer kräftiger zu Werke gehende Bremsanlagen ergeben einen Mix, der vor allem bei ungeübten Radlern für Unfälle sorgt. Speziell dann, wenn plötzlich auf Unvorhersehbares reagiert werden muss – wir sind zurück bei der bereits genannten Notbremsung.

Jenes Fahrrad-ABS, das uns nun zu einem Test zur Verfügung stand, stammt aus dem Hause Bosch und wurde da in Kooperation mit Bremsenhersteller Magura entwickelt. Technisch basiert es übrigens auf dem Motorrad-ABS – wahrlich gute Voraussetzungen waren somit gegeben. Und demenstprechend hoch ist auch das Funktionslevel dieser ersten Fahrrad-ABS-Generation.

Dem System war es beinahe völlig egal, ob wir bergab oder in der Ebene, auf Asphalt (trocken bzw. nass), Sand oder Schotter am Bremshebel zogen; stets sorgte die Steuereinheit mit kurzen, dosierten Bremskraft-Unterbrechungen für eine verlässliche Verzögerung bis zum Stillstand.

So sieht eine Vollbremsung mit ABS aus

Vorteil: Das Fahrrad kann sicher bis zum Stillstand abgebremst werden.

Ein Sturz aufgrund eines wegrutschenden Vorderrades oder ein Überschlag? Fehlanzeige. So viel Zuverlässigkeit schafft genau jene Art von Vertrauen, die auch notwendig ist, damit man sich im Ernstfall fest am Bremshebel zu ziehen traut. Und es muss fest zugegriffen werden, da sonst das System nicht mit der gewünschten Konsequenz arbeitet.

Trotzdem: So eine Notbremsung gehört unbedingt trainiert. Damit man weiß, was passiert, wenn etwas passiert.

So sieht eine Vollbremsung OHNE ABS aus

Das vollständig blockierende Vorderrad klappt zur Seite, wer nicht rechtzeitig mit den Füßen einen sicheren Stand findet, fällt unweigerlich um. Bumm.

Alexander Fischer, Redakteur: Tatsächlich gibt es an dieser ersten Fahrrad-ABS-Generation in funktioneller Hinsicht wenig zu bekritteln. Sowohl die Dosierbarkeit der Bremsanlage als auch die feinfühlige Regeltätigkeit haben uns überzeugt, den Aufpreis von rund 500 Euro stufen wir als fair ein. Man könnte freilich über das zusätzliche Gewicht des ABS-Systems matschgern – aber ganz ehrlich: 800 Gramm Lebendgewicht machen bei einem 20-Kilogramm-plus-Pedelec das Kraut auch nicht mehr fett.

Steffan Kerbl, ÖAMTC-Techniker: Endlich ist das Antiblockiersystem dort angekommen, wo es schon längst Unfälle hätte vermeiden können. Wesentlich mehr Radfahrer als Motorradfahrer stürzen, weil sie sich beim Bremsen verschätzen oder in einem Schreckmoment unkontrolliert stark bremsen. Viele dieser Stürze gehen zum Glück vergleichsweise glimpflich aus. Das von Bosch nun angebotene System kann immerhin Elektro-Radfahrern mehr Sicherheit bieten, denn auf fast allen Untergründen konnten wir sicher bis zum Stillstand bremsen, ohne Wegrutschen, ohne Überschlag. Nur auf nassen Schienen oder Kanaldeckeln stieß das Radl-ABS an seine Grenzen, aber Schienen sollte man als Radfahrer ohnehin meiden und Kanaldeckel sind rasch überwunden. Und die rund 500 Euro extra für das ABS tun weniger weh als die vermiedenen Schürfwunden und Brüche!