Strom aus der Straße

Wie das Tiroler Start-up REPS Bodenschwellen und stark befahrene Verkehrsflächen in kleine Kraftwerke verwandelt, die direkt vor Ort grüne Energie erzeugen.

Straßen als eigene Stromquelle nutzen? Was nach Vision klingt, betreibt das Tiroler Start-up REPS ("Road Energy Production System") bereits auf ersten Teststrecken. Das System soll überall dort Energie gewinnen, wo Fahrzeuge ohnehin langsamer werden müssen – also zum Beispiel vor Ampeln, Mautstellen, Schranken oder in großen Logistikzentren wie dem Hamburger Hafen, wo REPS seit ­einiger Zeit bereits im Einsatz ist.

Für Betreiber wie Verkehrsbetriebe oder Städte entsteht so eine zusätzliche Möglichkeit, direkt vor Ort grünen Strom für Beleuchtung, Sensoren oder Ladepunkte zu erzeugen – ganz ohne neue Flächen zu versiegeln.

Was ist die Idee?

Die Grundidee lautet, die nach unten wirkende Kraft von Fahrzeugen beim Überfahren spezieller Bodenplatten zu nutzen. Diese Module werden in bestehende Straßen- oder andere Verkehrsflächen eingelassen und nehmen jene Bewegungsenergie auf, die beim Abbremsen oder Langsamfahren sonst verloren ginge. So sollen stark genutzte Zonen – vom Speditionshof über den Hafen bis zur Autobahn-Mautstelle – zu kleinen Kraftwerken mutieren.

Im Unterschied zu Photovoltaik oder Windkraft ist REPS zudem weder vom Wetter noch der Tageszeit abhängig und kann bestehende erneuerbare Energiequellen ergänzen.

Wie funktioniert’s?

Unter einer befahrbaren Oberfläche sitzen bewegliche Platten, die bei jeder Überfahrt ein paar Millimeter nach ­unten gedrückt werden. Diese Abwärtsbewegung treibt einen Energiewandler an, der (je nach System) entweder ­hydraulisch oder über ein Magnetsystem elektrische Energie erzeugt.

Je schwerer das Fahrzeug ist und je öfter über die Platten gefahren wird, desto höher ist in der Folge auch der Stromertrag pro Quadratmeter.

Der durch REPS produzierte Strom kann dann zum Beispiel in Batterien gespeichert, ohne Netzanschluss genutzt oder auch in ein bestehendes Netz eingespeist werden – etwa für Beleuchtungen, Schranken, Anzeigetafeln oder kleinere Ladepunkte.

Was bringt’s?

Berechnungen des Start-ups zufolge könnten längere REPS-Strecken an stark befahrenen Standorten große Energiemengen liefern, etwa mehrere Millionen Kilowattstunden pro Jahr an großen Mautstellen. Gleichzeitig wird dabei nur Energie benutzt, die beim Bremsen vor der langsamen Zone ohnehin als Wärme ver­loren ginge.

Ein weiterer möglicher Vorteil des innovativen Systems: Die Nutzung bereits versiegelter Flächen würde zusätzlichen Flächenverbrauch verhindern und ­könnte, je nach Größe der Anlage, ­Tausende Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.

Für Städte, Logistikbetriebe und ­Betreiber von Ladeinfrastruktur könnte REPS damit in Zukunft helfen, zum Beispiel stark befahrene Verkehrsknotenpunkte effizienter und unabhängiger von externer Energie zu machen.

Info

Forschung, Entwicklung, Optimierung: Wissenschaft und Industrie erarbeiten laufend neue Methoden und Techniken. An dieser Stelle berichten wir über Innovationen, die sich positiv auf Effizienz und CO2-Ausstoß auswirken.