Schrott als Rohstoff
Daten statt Deponie: Das EU-Projekt "Digi4Circular" zeigt mit österreichischer Beteiligung, wie aus alten Autos wertvolle Ressourcen für neue Modelle gewonnen werden können.
Das Wort "Kreislaufwirtschaft" bedeutet im Automobilbereich, Fahrzeuge und Komponenten so zu entwickeln, dass sie möglichst lange genutzt, repariert und wiederverwendet werden können. Außerdem sollen die Materialien am Ende ihres Lebenszyklus wieder in den Produktionskreislauf zurückfließen, statt als Abfall zu enden. Dafür werden von Anfang an ressourcenschonende Designs, der Einsatz von Sekundärrohstoffen und effiziente Recyclingprozesse mitgedacht.
Ein neues Forschungsprojekt (mit österreichischer Unterstützung) soll die Autoindustrie nun fit für eine solche "echte" Kreislaufwirtschaft machen.
Was ist die Idee?
Digi4Circular heißt das EU-Forschungsprojekt mit Beteiligung des LKR Leichtmetallkompetenzzentrums Ranshofen (OÖ), das der Autoindustrie in Zukunft helfen soll, mehr Teile aus Recycling-Aluminium einzusetzen und dabei trotzdem sicher und effizient zu bleiben.
Ziel ist eine Produktionskette, in der von Anfang an mitgeplant wird, wie bestimmte Bauteile wiederverwendet oder recycelt werden können – und welche CO2-Einsparung das bringt.
Dr. Katrin Mester, Projektleiterin am LKR, betont die Relevanz des Projekts: "Mit Digi4Circular schaffen wir die Grundlage, um Schrott nicht länger bloß als Abfall zu betrachten, sondern vielmehr als wertvolle Ressource für neue Fahrzeugkomponenten."
Wie funktioniert’s?
Das Projekt baut eine digitale Plattform auf, die alle Schritte vom Schrott bis zum fertigen Bauteil dokumentiert. Software-Tools werten dabei Daten zum Material aus, schlagen passende Aluminiumlegierungen und Designs vor und berechnen direkt, wie sich das auf Umwelt und Kosten auswirkt.
Ein "digitaler Produktpass" speichert dann wichtige Infos wie Materialzusammensetzung, Erzeugung und Einsatzgebiet jedes Bauteils. So wissen Autohersteller, Werkstätten und Recycling-Unternehmen später, was genau in einem Teil steckt – eine wichtige Grundlage für echte Kreislaufwirtschaft.
Was bringt’s?
Recyceltes Aluminium verursacht in der Verarbeitung deutlich weniger CO2 als Primär-Aluminium und schont außerdem knappe Rohstoff-Ressourcen. Sollten durch das Forschungsprojekt in Zukunft mehr hochwertige Teile aus Recycling-Materialien möglich werden, könnte die Klimabilanz von Autos spürbar und nachhaltig verbessert werden, ohne gleichzeitig auf Sicherheit oder Komfort verzichten zu müssen.
Für die Branche würde dieser digitale Ansatz bedeuten: weniger Fehlversuche, schnellere Entwicklung und mehr Transparenz entlang der gesamten Lieferkette. Am Ende steht das hehre Ziel, Fahrzeugschrott als verlässliche Rohstoffquelle für kommende Fahrzeuggenerationen zu verwenden – statt ihn als Problemfall im Hinterhof zu lassen.
Info
Forschung, Entwicklung, Optimierung: Wissenschaft und Industrie erarbeiten laufend neue Methoden und Techniken. An dieser Stelle berichten wir über Innovationen, die sich positiv auf Effizienz und CO2-Ausstoß auswirken.