Wie und wohin Senior:innen heute reisen

Reisen im Alter – das klingt für viele nach Pauschalurlaub mit Halbpension. Doch Senior:innen von heute sind abenteuerlustig, mobil und bestens informiert. Ob Städtereise, Kreuzfahrt oder Roadtrip – wir zeigen, wie Menschen 60+ heute reisen und was sie beachten sollten.
Von Sandra Gloning
 

Als ich ein Kind war, erinnere ich mich vor allem daran, dass meine Großeltern immer unterwegs waren: Nilkreuzfahrt, Russlandrundreise, Städtereise nach Rom, Schifffahrt durch Norwegen.

Als meine Großeltern älter wurden, veränderte sich einiges – nur ihre Abenteuerlust nicht. Eine Umfrage von GetYourGuide bestätigt diese Beobachtung: Nur 30 Prozent der Befragten zwischen 65 und 70 Jahren gaben an, gesundheitliche Einschränkungen zu haben. Zwischen 71 und 75 Jahren sind es 39 Prozent, und ab 76 Jahren steigt der Anteil noch einmal auf 49 Prozent. Die Abenteuerlust nimmt nicht ab, und Reisende werden immer älter.

Laut der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) sind Senior:innen heute der eigentliche Wachstumsmotor des Tourismus. Schon 2017 entfielen fast die Hälfte aller Urlaubsreisen auf Menschen über 60 – Tendenz steigend. Kein Wunder: Für viele gehört das Reisen längst selbstverständlich zum Leben dazu. Wer schon in jungen Jahren die Welt erkundet hat, gibt diese Gewohnheit auch im Alter nicht auf. Wir haben einige Tipps, wie auch im Alter die Reiselust nicht abnehmen muss.

1. Entspannt planen

Bei der Reiseplanung sollte auf realistische Etappen, längere Pausen und gute Unterkünfte gesetzt werden. Man sollte sich realistisch überlegen: Was traue ich mir zu? Was schaffe ich?

Irgendwann hat man genug Kirchtürme gesehen, man muss nicht mehr jeden erklimmen. Für viele wird auch Shoppen unwichtiger – abgesehen von Lebensmittelmärkten, denn dort lässt sich viel über die Esskultur eines Landes mitnehmen. Auch der Reiseplan darf entspannter werden: keine überfüllten Tage, kein Sightseeing-Stress. Ein freier Nachmittag auf der Piazza, ein Marktbesuch oder ein Gespräch mit Einheimischen hinterlassen mehr Eindrücke als zehn Sehenswürdigkeiten in drei Stunden.

Unterschiedliche Reiseunternehmen haben sich auf die Bedürfnisse von älteren Personen spezialisiert und bieten geschultes Gesundheitspersonal, das Reisende begleitet und bei Bedarf sogar Besorgungen erledigt. Wem so etwas wichtig ist oder wer sich dadurch sicherer fühlt, findet entsprechende Angebote direkt bei den Reiseveranstaltern. Es kann auch helfen, eine gute Reiseapotheke mitzuführen und sich Karten zu schreiben, wie man in den örtlichen Apotheken nach bestimmten Medikamenten fragt. Wer nicht in Europa bleiben möchte, sondern mehr Fernweh hat, ist auch bei spezialisierte Reiseunternehmen für alte Menschen an der richtigen Adresse.

2. Komfort geht vor

Gute Betten sind kein Luxus, sondern essenziell, wenn man nicht nach einer Nacht mit furchtbaren Rückenschmerzen nach Hause möchte. Doch nicht jedes gute Hotel hat auch gute Betten. Gerade in historischen Häusern lohnt sich ein Blick in die Bewertungen – sind die Betten dort ebenfalls historisch, sind sie oft durchgelegen. Am besten nicht nur Booking.com checken, sondern auch bei Google oder Tripadvisor reinschauen. Man sollte immer auf Sauberkeit, Matratzenqualität und Rückmeldungen zu Lärm oder Wanzen achten.

Bevor Sie ein Hotel buchen, rufen Sie vorher an, um sicherzustellen, dass das Hotel über Aufzüge verfügt, und fragen Sie, ob der Aufzug rollstuhlgerecht ist, falls Sie ihn benötigen. Wenn nicht, fragen Sie, ob sie Ihnen ein Zimmer im Erdgeschoß anbieten können.

3. Grenzen realistisch einschätzen – und Dienste buchen

Je älter man wird, desto bewusster nimmt man eigene Grenzen wahr. Das kann abschrecken, muss es aber nicht. Für fast alle Probleme gibt es Dienste, die man buchen kann und die das Reisen erleichtern. Ein reibungsloser Ablauf sorgt für Leichtigkeit. Viele ältere Reisende lassen sich heute von Tür zu Tür begleiten – vom Abholservice über Gepäcktransport bis zum Arzt im Bus. Das ist nicht "altmodisch", sondern clever.

Lange Wartezeiten sind für ältere Reisende besonders anstrengend. Viele Flughäfen bieten heute buchbare Zeitfenster für die Sicherheitskontrolle an, um Warteschlangen zu vermeiden. Im Flugzeug hilft ein Gangplatz dabei, komfortabel zu bleiben. Kompressionsstrümpfe verhindern geschwollene Beine, Fußgymnastik hält den Kreislauf in Schwung. Deshalb: Frühzeitig Sitzplätze reservieren, nicht zu viel Gepäck mitnehmen, und regelmäßig aufstehen. Auch am Flughafen gilt: Sitzgelegenheiten suchen und um Hilfe bitten, wenn es nötig ist – Koffer müssen nicht allein gehoben werden.

4. Ziele in Europa

Gerade wer sich etwas unsicher fühlt, reist entspannter innerhalb Europas. Spanien, Frankreich oder auch Italien bieten wunderbare Reiseziele, die man mit Bus, Zug, Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann. Mit der europäischen Krankenversicherungskarte kann man überall zum Arzt gehen. Außerdem gibt es oft Rabatte für Senior:innen – in Museen, Zügen oder bei Eintritten. Fährt man selbst mit dem Auto, sollte man genügend Pausen einplanen, immer wieder aufstehen, bei der Recherche auf spannende Ziele achten, die schon entlang der Strecke besucht werden können, um sich immer wieder die Füße zu vertreten.

Wer sich in neuen Umgebungen schnell überfordert fühlt, sollte Routinepunkte einbauen, etwa immer denselben Kaffeeplatz, Spazierweg oder feste Essenszeiten. Kleine Rituale helfen, sich unterwegs sicher und geerdet zu fühlen.

5. Leicht packen und versichern

Medikamente, wichtige Dokumente, gute Schuhe und bequeme Kleidung – mehr braucht es kaum. Je leichter das Gepäck, desto besser lässt es sich transportieren. Achten Sie auf ergonomische Rücksäcke und Gepäckstücke, die sich gut rollen und schieben lassen – das erleichtert viel.

Eine Reiseversicherung ist wichtig. Für Senior:innen gibt es spezielle Versicherungen, die besonders die Bedürfnisse von älteren Menschen abdecken.

6. Vorsorgen

Vor einer längeren Reise lohnt sich ein kurzer Check beim Hausarzt – besonders dann, wenn regelmäßig Medikamente eingenommen werden. Ärzt:innen können Bescheinigungen für mitgeführte Medikamente (z. B. Insulin oder Blutverdünner) ausstellen, die an Flughäfen oder Grenzen hilfreich sein können.

Wichtige Dokumente (Reisepass, Versicherung, Medikamentenliste, Notfallkontakte) sollte man digital speichern – etwa in einer Cloud oder auf dem Smartphone – und zusätzlich in Papierform bei sich haben. So ist man im Fall eines Verlusts abgesichert.

Fazit

Reisen im Alter heißt nicht, kürzerzutreten, sondern bewusster unterwegs zu sein. Mit guter Planung, realistischen Erwartungen und Neugier kann man auch mit grauen Haaren die Welt neu entdecken.