Camping für Anfänger
Mit drei Vierjährigen im Wohnmobil unterwegs: zwischen Chaos, Kinderfragen und stillen Seemomenten. Eine Familienreise voller Erkenntnisse, nützlicher Tipps und Checkliste.
Noch bevor ich den Camper starte, bin ich eigentlich schon gescheitert – zumindest, wenn es nach meinen Kollegen und Freunden geht. "Darfst du dieses Riesending überhaupt fahren?", "Musst du auch Geschirr mitnehmen?", "Und wo, bitte, willst du drei Kindersitze unterbringen?" Zwischen Stirnrunzeln, Kopfschütteln und gut gemeinten Horrorszenarien packe ich unser Leben für eine Woche in ein Wohnmobil, um Richtung Abenteuer zu fahren, das mit drei Kleinkindern sonst niemand wagen wollte.
Vorbereitung & erste Hürden
Los geht‘s: Wir räumen unser Gepäck aus dem privaten Van in unser Wohnmobil, ein Sun Living A75DP (Citroën) – ein Moment, in dem ich fast die Nerven verliere. Es hat 33 Grad im Schatten. Die Fahrzeug-Übernahme bei Gebetsroither in Weißenbach bei Liezen samt Einweisung und Einräumen dauert fast zwei Stunden.
Trotzdem läuft alles reibungslos. Die Kinder helfen begeistert: Sie bringen ihre Sand-Spielsachen und kleinen Trolleys eigenständig in den hinteren Stauraum, die sogenannte Heckgarage. Mein Sohn trägt stolz die Campingstühle und verstaut sie wie ein Großer. Ich staune über ihre Aufregung: Warum ist das Bad so klein? Wer schläft wo? Wann holen wir endlich die Spielsachen wieder aus dem Kofferraum? So viele Fragen, so viel Neugier. Während mein Mann seine Reisetasche lässig in die Heckgarage stellt, sortiere ich gefühlt das halbe Kinderzimmer ins Fahrzeug. Zu meiner Überraschung verschwindet alles ordentlich in Schränken und Fächern. Sogar Spielzeug, Malhefte und Lieblingsstofftiere finden problemlos ihren Platz. Stauraum haben wir also genug. Und auch das Raumgefühl des Wohnmobils ist sehr angenehm – mein Mann kann mit 1,96 Metern Größe sogar aufrecht stehen. Hinten gibt es ein großes, fest eingebautes Bett, das für die Eltern gedacht ist. Der Alkoven über dem Fahrerhaus ist ein guter Schlafplatz für die Kinder mit praktischem "Rausfallschutz", damit nachts niemand herunterfällt. Nur das zusätzliche, ausklappbare Bett aus der umgebauten Sitzgelegenheit ist mit rund 1,80 Metern etwas kurz für einen großen Menschen.
Während der Einweisung kritzle ich Stichworte in mein Notizbuch, blättere erleichtert durch die Gebrauchsanweisung und habe trotzdem das Gefühl, die Hälfte gleich wieder zu vergessen. Was ich zu dem Zeitpunkt aber noch nicht weiß: Viel aufschlussreicher als jede Checkliste sind die Erklärungen der anderen Campinggäste. Denn die Nachbarschaft auf Zeit ist unglaublich wertvoll – man kann die anderen Urlaubsgäste am Campingplatz ansprechen und bekommt auf jede Frage eine Antwort, meist garniert mit einem Extra-Tipp aus jahrelanger Camper-Erfahrung.
So haben wir unser Wohnmobil eingeweiht und eingeräumt
Endlich unterwegs
Doch zuvor Antworten auf die Fragen meiner Kollegen: Ja, ich darf dieses Fahrzeug mit einem B-Führerschein fahren. Wohnmobile verbrauchen etwa 9 bis 14 Liter Diesel – wer zwischen 90 und 110 km/h fährt, spart Sprit. Unser Sechssitzer bietet rückwärts zwei Isofix-Plätze; die beiden anderen Sitze sind nur mit Beckengurt ausgestattet. Das Sitzen gegen die Fahrtrichtung ist ungewohnt, hat aber Vorteile: Man kann wunderbar Karten spielen. Den dritten Kindersitz montieren wir am Beifahrersitz. Eine Geschirrbox sowie die Camping-Sessel und den -Tisch können wir uns ausborgen. Ich muss gestehen, etwas wirklich Entscheidendes habe ich vergessen: Bettzeug, Polster, Decken – dafür haben wir drei Kinderräder mit und ein bis obenhin vollgepacktes Auto. Unsere erste Fahrt führt uns nicht an den Campingplatz, sondern direkt ins Möbelhaus, bevor das Abenteuer Wohnmobil überhaupt richtig beginnen kann.
Nun haben wir aber alles. Schon nach ein paar Metern merke ich, wie sich der Stress legt: Im Wohnmobil haben wir mehr Beinfreiheit als im Auto, die Kinder sitzen entspannt und der Kühlschrank ist in Griffweite. Wir entscheiden uns zum Glück für die Strecke Weißenbach bei Liezen–Ossiacher See über die Autobahn und nicht über den Pass. Landschaftlich ist sie zwar weniger spektakulär, aber deutlich entspannter.
Ankommen am Ossiacher See
Der Platz "Seecamping Berghof" ist ein kleines Familienparadies: der See und die Berge vor der Nase und ein Ferienprogramm, das die Kinder begeistert – mit Kasperl, Zauberer, Ponyreiten und Kinderbetreuung. Während die Drillinge beschäftigt sind, rolle ich morgens meine Matte direkt am Seeufer aus und praktiziere Yoga. Vom Ossiacher See aus lassen sich wunderbare Ausflüge ohne Auto unternehmen – mit dem Schiff, zu Fuß oder mit dem Rad. Das Ausflugsschiff legt direkt beim Campingplatz an und bringt einen zum Beispiel ans gegenüberliegende Ufer. Mit der Gondel geht es bequem auf die Gerlitzen. Eigentlich braucht es aber kaum Ausflüge, um glücklich zu sein: Die Kinder spielen stundenlang im Sand, bauen Burgen und streiten höchstens um die Schaufel.
Unser Basislager am Ossiacher See
Trailspaß direkt vor dem Campingeingang
Für Bike-begeisterte Familien ist der Family Playground Ossiacher See lake.bike ein echter Glücksfall: Der neueröffnete Park liegt genau gegenüber vom Seecamping Berghof, die Trails starten also praktisch direkt vor dem Campingeingang. Auf den breiten, verspielten Lines mit Wellen, Anliegern und leichten Sprüngen fühlen sich schon jüngere Kids wohl, während die Großen an ihrer Technik feilen können. Ein Highlight ist auch der Bike-Airbag – hier können die größeren Kids schwierige Sprünge ausprobieren und danach weich und sicher landen. Der Eintritt ist übrigens für alle Campinggäste vom Seecamping Berghof kostenlos.
Neulinge unter Camping-Profis
Abends genießen wir die Ruhe. Obwohl viele Urlauber am Campingplatz übernachten, ist es still. Kein Autolärm, kein Trubel – nur das leise Plätschern des Ossiacher Sees. Kerzen oder Tischleuchten haben wir vergessen, also hilft uns das Nachtlicht der Kinder aus: ein kleiner Drache, der unseren Abend erleuchtet. Für das nächste Mal wissen wir es besser: Eine Decke für die kühleren Stunden, die Kaffeemaschine und ein Handstaubsauger gehören fix auf die Packliste. Manche erfahrene Camper sind dagegen wahre Profis – mit Wäschespinne, Blumendeko und Lampionketten.
Unser erstes Campingerlebnis werden wir trotzdem nie vergessen.
Das Leben und Schlafen im Wohnmobil
Checkliste für Camping-Einsteiger
Wohnmobil-Neulinge sollten ausreichend Zeit für die Einweisung und eine realistische Route einplanen. Mit Kleinkindern gilt: weniger Strecke, mehr Pausen – und ein paar Komfort-Tricks.
Von der Fahrzeugwahl bis zur Routenplanung:
Wohnmobil oder Wohnwagen? Wer am Campingplatz bleibt, mietet sich besser ein Wohnmobil. Viele Ausflüge lassen sich auch mit dem Fahrrad machen; alternativ steht für einzelne Tage ein Mietwagen zur Verfügung. Wer eine Reise mit vielen Tagesausflügen plant, ist mit einem Wohnwagen gut beraten: Das Auto steht am Urlaubsort jederzeit zur Verfügung.
Früh buchen und Fahrzeuggröße passend zur Familie wählen: Sitzplätze mit Dreipunktgurt für Kindersitze (Isofix falls nötig). Schlafplätze: Alkoven oder Stockbett? Rausfallschutz prüfen: Beim Alkoven gibt es einen. Das Stockbett ist eher für größere Kinder geeignet.
Kindersitze rechtzeitig organisieren und testen, ob sie im Fahrzeug sicher befestigt werden können. Notfalls beim Vermieter anrufen und die Sitzbreite erfragen, um sicherzugehen, dass zwei Kindersitze nebeneinander Platz haben.
Eine gründliche Einweisung durch den Vermieter verlangen (Heizung, Gas, Wasser, Toilette, Strom, Kühlschrank), Notizen machen oder kurze Einweisungsvideos aufnehmen und alle vorhandenen Kratzer und Dellen fotografieren. Ein Übergabeprotokoll erstellen und die Bedienungsanleitungen mitnehmen.
Die Route wohnmobiltauglich und kindgerecht planen: Pässe und enge Straßen meiden, besonders in der Hauptsaison. Kurze Etappen – maximal zwei bis drei Stunden am Stück fahren.
Während der Fahrt:
Vor Abfahrt immer denselben "Abfahrts-Check" machen: Dachluken, Fenster, Außentüren, Stromkabel, Trittstufe, Schranktüren, Gasflaschen und Wasserstand kontrollieren.
Kein Herumklettern: Kinder sind im Sitz zu sichern, sobald das Wohnmobil rollt.
Was gilt im Stau? Dürfen wir aufstehen? Wenn das Fahrzeug im Stau zum Stillstand kommt (also keine Bewegung mehr hat), ist das Aufstehen und Bewegen im Fahrzeug rechtlich nicht ausdrücklich verboten. Die Anschnallpflicht entfällt, wenn das Fahrzeug steht und nicht fährt.
Fahrstil defensiv wählen: hohe Seitenwindempfindlichkeit und längerer Bremsweg als im Pkw, vor allem mit müden oder quengeligen Kindern an Bord.
Auf dem Campingplatz:
Wahl des Campingplatzes: Lieber ein naturverbundener Platz mit Bauernhofcharakter oder eine große Anlage mit Animationsprogramm, Indoor-Kinderbereich und Kinderbetreuung?
Seecamping Berghof: Eingebettet zwischen Gerlitzen Alpe und Ossiacher Tauern, direkt am Südufer des glasklaren Ossiacher Sees. Stellplätze, Ferienhäuser und Mobilheime stehen zur Wahl.
Camping beim Bräuhauser: ein kleiner Campingplatz in Stadl an der Mur direkt am Murtal-Radweg in der Steiermark mit einem Spielplatz und vielen Tieren wie etwa Hasen, Schweine, Schafe und Kühe. Zehn Minuten Gehzeit zum Badesee.
Den Stellplatz möglichst nahe bei Spielplatz oder Waschhaus wählen, damit Wege kurz bleiben. Abgelegene Plätze sind günstiger.
Check-in & Check-out: Einfahr- und Ausfahrzeiten des Campingplatzes erfragen. Falls am Anreisetag niemand kochen/einkaufen möchte, vorab klären, ob das Restaurant geöffnet hat.
Vor der Rückgabe / danach:
Vorsicht: Die Rückgabe ist meist bereits um 10 Uhr. Entweder das Fahrzeug am Vortag retour bringen (auf Öffnungszeiten achten!) oder in der Nähe einen Campingplatz suchen, um dort zu nächtigen.
Fahrzeug gemeinsam mit Vermieter durchgehen, Protokoll unterschreiben erst, wenn alles passt; Kaution wird meist nach kurzer Prüfung zurücküberwiesen.
Nach der Reise kurze Notiz für sich selbst machen: Was hat mit den Kindern gut funktioniert (Fahrzeiten, Campingplätze, Stauraum-Lösungen), was würde man beim nächsten Mal anders machen. Was wurde vergessen mitzunehmen.
ÖAMTC-Tipps und Buchungsmöglichkeiten
Trainingsoptionen für Camping-Urlauber bei der ÖAMTC Fahrtechnik:
Personal Coaching, drei Einheiten – das Training für Wohnmobil- und Wohnwagenfahrer, wird angeboten in allen 8 ÖAMTC-Fahrtechnik-Zentren.
Spezialkondition für ÖCC Mitglieder. Anmeldung telefonisch oder per Mail bitte unbedingt mit Verweis auf ÖCC Mitgliedschaft. Alle Infos zum Personal Coaching hier.
Anhängertraining bis 3,5 t, wird ganzjährig angeboten. Nähere Infos zum Gruppentraining hier.
www.oeamtc.at/fahrtechnik
Österreichischer Camping Club: Infos und Beratung, inklusive Mitglieder-Ermäßigung bei über 3.800 Campingplätzen oder beim Mieten von Wohnmobilen. www.campingclub.at
Mieten: Wohnmobil und Camper-Van mit Null-Selbstbehalt zum Mitgliedervorteilspreis in Europa, USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika und Namibia. www.oeamtc.at/camper
Gebetsroither, Campingstellplätze und Wohnmobile mieten, www.gebetsroither.com