Plug-in-Hybride: Verbrauch viel höher als gedacht

Eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung zeigt: Plug-in-Hybride sind deutlich durstiger als der WLTP-Normverbrauch angibt.

Der Unterschied zwischen WLTP-Messwerten und den Ergebnissen des Fraunhofer Instituts im Realbetrieb ist enorm. Die Studie basiert auf Echtdaten von knapp einer Million Fahrzeugen der Baujahre 2021 bis 2023. Während der durchschnittliche Normverbrauch bei etwa 1,5 Litern pro 100 Kilometern lag, verbrauchten die Fahrzeuge im Alltag rund 6 Liter pro 100 Kilometer. Demzufolge wären auch der CO₂-Ausstoß sowie die Spritkosten von Plug-in-Hybriden deutlich höher als in den Datenblättern angegeben.

Besonders überraschte die Forscher ein Befund: Selbst im "elektrischen Entlademodus" (sprich: beim Fahren mit Ladung in der Batterie) verbrauchten die Autos durchschnittlich etwa 3 Liter pro 100 Kilometer – deutlich mehr als erwartet. Studienleiter Patrick Plötz vom Fraunhofer ISI bezeichnet dieses Ergebnis als "Schock". Ein Geheimnis war der deutlich erhöhte Verbrauch von Plug-in-Hybriden im Realbetrieb allerdings auch zuvor nicht: Der auto touring Verbrauchstest förderte schon im September 2025 ähnliche Ergebnisse zu Tage.

Neue Prüfverfahren nötig?

Die Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts fordern indes schärfere EU-Regularien für die Verbrauchsberechnung von Plug-in-Hybriden. Die Lücke zwischen theoretischem und tatsächlichem Verbrauch sei viel zu groß. Dies wirkt sich freilich auch auf die EU-Flottenziele der Hersteller aus, die bislang auf Basis der WLTP-Werte berechnet werden. Da viele Hersteller schon jetzt am Rande dieser Regularien arbeiten, wäre eine Verschärfung der Flottenziele für viele eine regelrechte Katastrophe.

Konkrete Beispiele

Interessanterweise lassen sich bei der Untersuchung teils deutliche Unterschiede zwischen den Fahrzeugsegmenten herauslesen. So werden Oberklasse-Plug-in-Hybride mit weniger als 15% realem elektrischen Energieanteil am wenigsten vollelektrisch bewegt, obwohl sie in der Regel die größten Batterien und somit auch die beste rein elektrische Reichweite bieten. Bei Kompakt- und Volumenmodellen sind es immerhin schon 35-43%.

Noch dramatischer stellt sich die Problematik beim Blick auf einzelne Modelle dar. Laut Fraunhofer Institut werden Porsche Cayenne E-Hybrid und Panamera E-Hybrid nur zu 0,8% vollelektrisch gefahren. Der Toyota Prius Plug-in-Hybrid wird hingegen recht brav geladen und ist real zu 42,8% auf Strom unterwegs. Dementsprechend schlecht schneiden Luxusmarken natürlich auch beim realen Verbrauch in der Untersuchung ab. Allerdings: Die Hersteller können nicht viel dafür, schließlich liegt die Entscheidung, ob das Fahrzeug geladen wird, immer noch bei den Fahrenden. Eher zu hinterfragen ist die jahrelange Förderung bzw. steuerliche Begünstigung von Plug-in-Hybriden, dank der leistungsstarke Performance-Modelle oft billiger waren als reine Verbrenner mit etwas weniger Pferden unter der Haube.