Autohandel: China überholt die EU
Erstmals übersteigen Chinas Autoimporte in die EU die europäischen Exporte in die Volksrepublik. Wie stark verschiebt sich das Kräfteverhältnis im Automarkt?
Die Kräfteverhältnisse im weltweiten Automarkt haben sich gedreht: Erstmals übersteigen die Autoimporte aus China in die Europäische Union die europäischen Exporte in die Volksrepublik. Laut einer Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY sanken die EU-Ausfuhren von Autos und Autoteilen nach China 2025 um 34 Prozent auf 16 Milliarden Euro – während die Importe aus China um acht Prozent auf 22 Milliarden Euro stiegen. Aus einem Exportüberschuss in zweistelliger Milliardenhöhe ist damit innerhalb weniger Jahre ein Defizit geworden.
Die Entwicklung in der deutschen Autoindustrie
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung für Deutschland: China rangiert 2025 nur noch auf Platz sechs der wichtigsten Exportmärkte für deutsche Hersteller. Seit dem Rekordjahr 2022 haben sich die deutschen Ausfuhren in die Volksrepublik mehr als halbiert – von rund 30 Milliarden auf 13,6 Milliarden Euro. Im selben Zeitraum stiegen die Kfz-Einfuhren aus China um zwei Drittel auf 7,4 Milliarden Euro.
Die EY-Analyse hält fest: „Bei einer Fortschreibung der jeweiligen Kurven könnten sich 2026 Importe und Exporte die Waage halten.“ Der Umsatz der deutschen Automobilindustrie – mit der österreichische Zulieferer eng verbunden sind – sank 2025 um 1,6 Prozent auf fast 528 Milliarden Euro. Gleichzeitig schrumpfte die Zahl der Beschäftigten um rund 50.000 auf etwa 725.000 – der niedrigste Stand seit 14 Jahren.
2026 werden wir eine weitere Intensivierung des Wettbewerbs sehen.
Constantin Gall, EY-Experte
Zulieferer besonders betroffen
Besonders stark trifft der Abschwung die Zulieferindustrie. Deren Umsatz fiel 2025 um vier Prozent, die Beschäftigung sogar um mehr als zehn Prozent. Seit 2019 ist damit fast jede vierte Stelle in diesem Bereich weggefallen – insgesamt rund 73.000 Jobs. Jobabbauprogramme laufen unter anderem bei Mercedes-Benz, im Volkswagen-Konzern sowie bei Zulieferern wie Bosch, Aumovio, ZF Friedrichshafen und Mahle.
Als Ursachen nennt EY neben dem wachsenden Wettbewerbsdruck aus China auch schwächelnde Exportmärkte, eine schwache Konjunktur, geopolitische Krisen und hohe Neuwagenpreise. Hinzu kommt: Viele Unternehmen haben hohe Investitionen in die Elektromobilität getätigt, ohne dass die erwarteten Absatzzahlen eingetreten sind. Zur Einordnung: Zu den erfassten Kfz-Teilen zählen EY zufolge auch Batterien für Elektroautos – einen Markt, den chinesische Anbieter dominieren.