"Ich parke lieber analog"

Sie ist ein echter Wirbelwind: Kernölamazone, Sängerin, Tanzkönigin und jetzt auch Quizmasterin: Kabarettistin Caroline Athanasiadis. Doch das lustige Energiebündel hat auch eine ernste Seite.

Keine 1,60 groß, aber trotzdem eine Amazone. Caroline Athanasiadis ist nicht ruhig. Die Halbgriechin ist laut, redet schnell und sagt, was sie denkt. Im Lockdown entdeckte sie die politische Satire für sich und gab ihren "Senf" dazu ab. Neben dem Kabarett kocht sie, tanzt, moderiert und hat auch noch Zeit für ihre Familie.

Im Gespräch verrät sie, wann es bei ihr mit dem Spaß vorbei ist, wie ihr Auto heißt und wobei der "Dancing Stars"-Gewinn geholfen hat.

— Wann hast du gewusst, dass du auf die Bühne gehörst?

Caroline Athanasiadis: Schon in der Volksschule habe ich in die Stammbücher "Ich will auf der Bühne stehen" geschrieben. Ich wusste das schon immer, war der Klassenclown und konnte nie den Mund halten, daran hat sich bis heute nichts geändert (lacht).

— Mit "Caro's Senf der Woche" bist du einen neuen Weg gegangen…

Caroline Athanasiadis:Im Lockdown hatte ich Zeit nachzudenken und mich intensiv mit dem politischen Tagesgeschehen auseinanderzusetzen. Bei Ungerechtigkeiten kann ich oft nicht den Mund halten, denn vieles muss einfach öfter gesagt werden, damit sich Dinge ändern. Das mache ich und bezeichne mich gerne als "Stachel im Arsch von vielen". Also ließ ich beim "Senf" die Woche Revue passieren und habe die Geschehnisse satirisch von mehreren Seiten beleuchtet. Ich habe positive Reaktionen darauf bekommen und plane es weiterzumachen.

Folge aus "Caros Senf der Woche"




— Wird das neue Programm politisch?

Caroline Athanasiadis:Ja, mein zweites Soloprogramm wird politisch, da ich selbst politikkritischer geworden bin. Aber natürlich ist es sehr unterhaltsam und mit musikalischen Einlagen untermalt.

— Hat sich durch deinen "Dancing Stars"-Gewinn etwas bei dir geändert?

Caroline Athanasiadis:Ich wurde immer als burschikos gesehen. Vor den Kernölamazonen war es so, dass ich vorwiegend Hosenrollen, also die frechen, kleinen, männlichen Rollen bekam. Ich habe mich immer durchgeboxt und musste stark sein, auch vielleicht weil ich klein bin.

Mit "Dancing Stars" hat sich meine Eigenwahrnehmung geändert und mir gezeigt: Ich kann mich schön anziehen, Frau sein und trotzdem meine Werte vertreten. Das war eine wichtige Erfahrung für mich. Und ich habe gelernt, auch einmal die Führung abzugeben, am Tanzparkett und daheim (lacht).

— Du bist ausgebildete Tänzerin, war das Tanzen trotzdem schwer für dich?

Caroline Athanasiadis:Ja, sehr. Ich kann es vielleicht mit Sprint und Marathon vergleichen. Beides ist laufen, nur wird ein Sprinter keinen Marathon laufen können und umgekehrt.

Ich habe eine Ballettausbildung und die war mir sogar manchmal hinderlich. Das Genre ist das Gleiche: Tanz. Doch Tanz hat so viele Untergruppen – ich war nie in der Tanzschule und habe Standardtänze gelernt. Ich kannte vorher Walzer und Tango vom Namen her, wußte aber nicht, was Standard oder was Latein bedeutet und worauf es ankommt. Die Körperstellungen beim Ballett sind ganz anders, du bist zumeist auf dich alleine gestellt und beim Pas de deux assistiert der Mann mehr.

Für mich war es daher eine komplett neue Welt. Was mir natürlich zugute kam, war meine Musikalität. Du bist also im Vorteil wenn du a) musikalisch bist und b) wenn du zählen kannst (lacht ausgelassen).

Während der Proben hatte ich oft das Gefühl, dass ich gar nichts kann. Aber ich bin jemand, der alles Neue wie ein Schwamm aufsaugt. Mein Tanzpartner Danilo Campisi hat gemeint, dass er noch nie jemandem so viel erklären musste wie mir. Ich dachte mir einfach: "Wann habe ich wieder so eine Gelegenheit? Und noch dazu mit einem eigenen Tanzlehrer. Wie geil ist das denn (lacht)?" Das war für mich ein richtiges Privileg.

Wenn es um Ungerechtigkeit geht, kann ich meinen Mund nicht halten.

Caroline Athanasiadis, Kabarettistin

— Tanzt du noch immer?

Caroline Athanasiadis:Ja, ich tanze jeden Mittwoch mit Danilo. Nur aus Spaß, ich will aber trotzdem immer noch alles wissen.

— Und dein Mann?

Caroline Athanasiadis:Nein, der tanzt nicht. Da sage ich immer: "Er hat nicht nur zwei linke, sondern gar keine Füße, was das Tanzen betrifft (lacht)." Er möchte auch nicht tanzen und ist sehr froh, dass ich das mit dem Danilo mache. Beide verstehen sich gut, da gibt es keine Eifersucht. Das war mir auch sehr wichtig. Er hat sogar gesagt, dass eigentlich ich eher Grund hätte, eifersüchtig zu sein, da er Masseur ist und dabei den Kunden hautnah kommt. Stimmt eigentlich (grinst).

— Wie bist du zur Kernölamazone geworden?

Caroline Athanasiadis:Ich habe Gudrun in der Ausbildung kennengelernt. Ich hatte gerade abgeschlossen und sie hat gerade angefangen, als ich gefragt wurde, ob ich für das Abschlussstück des Jahrgangs die Choreographie machen könnte. Dort habe ich sie kennengelernt.

Später arbeitete sie an einem Projekt, bei dem ihre Partnerin ausfiel. Sie hat mich gefragt, ob ich mitmachen würde, und wir haben dann einen Liederabend gemacht, das hat gut funktioniert und wir haben gemerkt, dass die Leute viel lachen und es ihnen gefällt. Dabei war es gar nicht so lustig geplant, aber die Leute haben es witzig gefunden und wir beschlossen, es auch absichtlich lustig zu machen. Daraufhin entschieden wir uns für ein musikalisches Kabarett und es war ein großer Erfolg. Seither arbeiten wir zusammen.

Video: Kernölamazonen


— Wie kam es zum Namen Kernölamazonen?

Caroline Athanasiadis:Ganz unromantisch, wir haben im Ausschlussverfahren Namen weggestrichen, die nicht gepasst haben. Wir wurden auch schon als Kernöl-Emanzen oder Kernöl-Katzen angekündigt, wenn sich jemand den Namen nicht gemerkt hat (lacht). 

— Eine Art Ersatzplan zur Bühne wäre ein Astronomiestudium gewesen? Spielt der Weltraum noch eine Rolle in deinem Leben?

Caroline Athanasiadis:Ich finde ihn noch immer faszinierend. Wenn ich nachts von einer Vorstellung nach Hause fahre, speziell am Land, wo man den Sternenhimmel besser sieht, schaue ich hinauf. Der Plan wäre gewesen, in die Forschung zu gehen, um fremdes Leben zu erkunden. Ich meine fremde Lebensformen, nicht die kleinen grünen Männchen (lacht). Nach wie vor kaufe ich mir gerne Zeitschriften über Raumfahrt. 

— Bist du auch Science-Fiction-Fan?

Caroline Athanasiadis:Eher nicht, ich schaue mir zwar gerne Filme an, aber ich muss nicht bei jedem neuen Sci-Fi-Film ins Kino rennen.  Der Film "Stargate" hat mir sehr gut gefallen, weil mich auch das alte Ägypten sehr interessiert. "Star Wars" habe ich als Kind gerne geschaut.

Im Prinzip fasziniert mich das Thema Raumfahrt an sich mehr, ich muss es nicht auf der Leinwand sehen. Die wenigsten wissen zum Beispiel, dass Österreich viel für die Raumfahrt getan und entwickelt hat. Ich war in den USA im Space Center in Cape Canaveral, wo erklärt wurde: „This is Austrian technology“, und ich stand dort und sagte laut: "Was? Wirklich!?"

— Du liebst Thessaloniki, aber hast du auch andere Traumreiseziele?

Caroline Athanasiadis: Mein Vater stammt von dort und zeigt mir jedes Mal Neues. Ich habe immer das Gefühl, ich könnte ewig dort bleiben. Aber in Griechenland gibt es viele Traumziele, die ich jetzt nicht verrate (lacht). Ansonsten bin ich sehr gerne in Asien und ein großer Malaysien-Fan.

— Wann kommt die Griechin in dir durch?

Caroline Athanasiadis:Ich bin impulsiv und rede oft schnell und laut, wie es viele Griechen gerne tun. Manchmal ist das sogar mir zu laut, da verstehe ich dann, wie ich auf andere wirke (lacht).

— Und in deiner YouTube-Sendung kochst du auch griechisch...

Caroline Athanasiadis:Ja, in "Cook! Caro kocht!" teile ich meine griechischen Rezepte. Bei mir kann auch immer jemand spontan zum Essen kommen, dann kann ich schnell ein Drei-Gänge-Menü kochen, ohne dass ich vorher einkaufen muss (lacht). Mir ist Gastfreundschaft sehr wichtig, da bin ich auch eher griechisch. 

Video: "Cook! Caro kocht"


— Als Künstlerin bist du häufig mit dem Auto unterwegs. Hast du viele Pannen gehabt?

Caroline Athanasiadis:Leider! Zum Glück bin ich beim ÖAMTC, der hat mir oft geholfen (lacht). Sonst wäre ich mit meinen alten Autos aufgeschmissen gewesen.

— Du hast jetzt aber ein neues Auto?

Caroline Athanasiadis:Ja, nach elf Jahren habe ich mich schmerzlich von meinem "Greylord Focker" – benannt nach Ben Stillers Charakter Gaylord Focker aus "Meine Braut, ihr Vater und ich" – getrennt. Es wurde Zeit, denn ich bin sehr viel unterwegs und aufs Auto angewiesen. Außerdem fahre ich gerne Auto, da habe ich Zeit für mich.

— Fährst du eigentlich so schnell Auto, wie du sprichst?

(denkt nach) Leider manchmal, vor allem mit dem neuen Auto. Da muss ich aufpassen und mich erst daran gewöhnen, wie schnell es tatsächlich fährt. Ich halte mich natürlich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen, ich bin keine Raserin, aber ich fahre zügig Auto. Ich bin jemand, der eher gerne flott ans Ziel kommt (grinst).

— Du pflegst zu deinen Autos eine besondere Beziehung und gibst ihnen Namen…

Caroline Athanasiadis:Ich habe bisher jedes Auto benannt, jetzt habe ich die Si-Si (lacht). Sie ist silber und ich dachte: silbernes Auto mit Sitzen – und so entstand Si-Si. Ich bin auch Sisi-Fan und fand, das passt. Es ist absurd, ich weiß (lacht).

— Nervt dich auch etwas beim Autofahren?

Caroline Athanasiadis:Nichtblinker und Handyfahrer. Ich blinke gerne! Bei meinem Auto ist ein Blinker serienmäßig eingebaut, das freut mich total (lacht). Wenn jemand Schlangenlinien fährt, dann weiß ich, der schaut aufs Handy. Früher waren s' besoffen, heute schauen s' aufs Handy. Da freue ich mich über die moderne Technik im neuen Auto, bei der niemand aufs Handy schauen muss. Ansonsten bin ich eher Old School, schalte gerne und kann auch einparken. Jetzt höre ich immer dieses Piep, Piep und denke nur: "Lass mich einfach." Ich parke gerne analog ein (lacht). 

— Was ist dein größter Traum?

Caroline Athanasiadis:(ganz aufgeregt) Mein größter Traum wäre, einen Disney-Film zu synchronisieren.

— Wirkt sich deine Disney-Affinität auch im Leben aus?

Caroline Athanasiadis:Ja, sehr – ich habe T-Shirts, Taschen und Ohrringe und immer, wenn ich ein Disney-Shirt sehe, dann muss ich mich sehr beherrschen, es nicht zu kaufen. Es ist schrecklich (lacht). Ja, ich bin auch manchmal im Alltag so, dass ich durchs Haus schwebe und singe. Dann sagen meine Kinder: "Mama, du bist so peinlich" (lacht).

— Wo bist du demnächst zu sehen?

Caroline Athanasiadis:Derzeit moderiere ich im ORF die Quizshow "Smart 10", dann ist eine Tour mit den "Comedy­bitsches" geplant und am 21. Juni wird meine A-cappella-CD "Aschanti" präsentiert. Nicht zu vergessen, toure ich gerade mit meinem Soloprogramm "Tzatziki im 3/4 Takt" und als Kernölamazone mit "Sexbomb forever".

Info


Geboren: 03.10.1980 in Wien; (Vater Grieche, Mutter Österreicherin)
Mama von 2 Buben: Lukas (12) und Oskar (5) 
Seit 2007 "Kernölamazonen" mit Kollegin Gudrun Nikodem-Eichenhardt. Aktuelles Programm: "Sexbomb forever"
2019 eigenes Programm "Tzatziki im ¾ Takt" 
Auf YouTube: "Caro's Senf der Woche" (politische Satire) und "Cook! Caro kocht" 
2021 Gewinnerin "Dancing Stars" 
Moderation ORF-Show "Smart 10 – das Quiz mit den 10 Möglichkeiten" 
Neue CD "Aschanti" ab 21. Juni 2022


www.carolineathanasiadis.at