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Die neuen Kombiversionen der Mercedes E-Klasse und des Volvo V90 müssen sich dem Škoda Superb stellen. Gibt’s die große Überraschung?

Äpfel und Birnen kann man nicht vergleichen. Mercedes und Škoda auch nicht. Oder vielleicht doch? Bis vor zehn Jahren galt dieser Vergleich als lächerlich, ja fast utopisch. Aber heute? Heute müssen Mercedes-Fans tapfer sein, denn es ist mittlerweile keine Majestätsbeleidigung mehr, dass sich ein Mercedes auch einem Škoda stellen muss. Was spricht in erster Linie für die tschechische VW-Tochter spricht. Denn die hat in den letzten Jahren nämlich enorm aufgeholt. Speziell beim Fahrkomfort und bei der Qualität hat man den ehemals astronomisch großen Abstand massiv verkürzen können. Platz für Kind und Kegel haben Škoda-Modelle sowieso schon seit langem. In einem Punkt strahlt der Mercedes-Stern aber nach wie vor deutlich heller: nämlich beim Image. Doch wie wichtig ist das überhaupt? Wichtig genug, um deutlich höhere Preise in Kauf zu nehmen?

Die wichtigste Frage: Was geht rein?

Unsere drei ausgewählten Oberklasse-Kombis sind ausgesprochen attraktiv. Die neue Mercedes E-Klasse – einen Kombi in dieser Klasse hat Mercedes erstmals 1977 vorgestellt (W123). Der war von Anfang an auf Nutzwert getrimmt. Heute, knapp 40 Jahre später, soll das T-Modell immer noch praktisch sein, darüber hinaus aber auch fesch und sportlich. Gelingt das?

Zweiter Testkandidat ist der fesche Volvo V90. Der Schwede ist komplett neu und löst den V70 ab. Auffallend beim V90: Das ehemals kantige und bei Volvo-Enthusisaten geliebte Design wurde einem eleganteren Blechkleid mit auffallend mehr Rundungen geopfert. Doch ist er auch so praktisch wie bisher?

Wie man sich fühlt

Komplettiert wird unser Test-Trio vom Škoda Superb Combi. Dass der kantige Tscheche längst nicht mehr nur über seinen günstigen Preis und das Platzangebot auf Kundenfang geht, hat uns schon der Vorgänger eindrucksvoll bewiesen. Das neue Modell, seit gut einem Jahr am Markt, hat sich technisch weiterentwickelt und weiß auf nahezu alle Fragen eine Antwort. Kann er seinen beiden Kombi-Gegnern damit ab sofort ernsthaft die Stirn bieten?

Und wie fahren sie sich?

Als Antrieb haben wir uns bei allen Testkandidaten für Dieselvarianten entschieden. Alle drei kommen mit jeweils vier Zylindern aus, verfügen über zwei Liter Hubraum und leisten rund 190 PS. Škoda und Volvo haben Vorderradantrieb, der Mercedes wird traditionell via Hinterachse angetrieben. Alle drei sind sichere Autos, wie die Crashtests von Škoda und Mercedes zeigen, von Volvo gibt es noch keinen. Weit gespreizt die Preise: Die reichen von 40.590 bis zu 57.721 Euro.

Ein Verbrauch wie bei einem Kleinwagen ist auch bei einem großen Kombi mit knapp 200 PS möglich.

Christian Stich, Redakteur auto touring

Volvo V90

Volvo V90

Rund statt eckig ist angesagt. Weniger praktisch also, dafür aber fescher. Was bleibt unterm Strich?  



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Viel Platz, kräftige Bremsen, kleinster Kofferraum im Test, kurze Garantie.
Ohne wenn und aber, der neue Volvo V90 ist ein gelungenes Auto. Dass er im Vergleichstest Dritter wurde, bedeutet nicht, dass er ein schlechtes Auto wäre. Nein, ganz im Gegenteil. Eine Gesamtnote von 2,12 ist ein glattes "Gut". Wie wichtig der Kombi im Volvo-Portfolio ist, zeigt übrigens der Blick in die Historie. Nicht weniger als ein Drittel aller jemals verkauften Volvo-Modelle sind Kombis. Jetzt also der V90.

Der steht gewohnt massiv da, ist im Vergleich zu früheren Modellen aber deutlich runder und damit wesentlich sportlicher. Die Innenraumgestaltung wird weitgehend vom SUV XC90 übernommen, also auch der große Touchscreen-Bildschirm in der Mittelkonsole. Der lässt sich einfach mittels Wischen und Drücken steuern, ganz im Gegensatz zur teilweise unlogischen Bedienung des Bordcomputers vom Lenkrad aus.

Ganz offensichtlich ist dagegen der im Vergleich zu E-Klasse und Superb spürbar enger geschnittene Kofferraum. Vor allem die nach oben schmäler werdende Ladeöffnung macht den Transport von sperrigen Gegenständen schwer. Gut für Mitreisende in der zweiten Reihe: Großgewachsene müssen kaum die Beine einziehen, stärkere Insassen haben reichlich Platz zur Seite.

Erfreut werden V90-Fahrer auch vom hervorragend geräuschgedämmten Diesel sein. Außerdem fein: die kräftigen und standfesten Bremsen. Lediglich mit schlechten Straßen kommt das Fahrwerk des Volvo am wenigsten gut zurecht. Weitere Mankos sind der höchste Verbrauch im Test und die nur zweijährige Neuwagen-Garantie.

Mercedes E-Klasse T-Modell

Mercedes E-Klasse T-Modell

So sportlich war ein E-Klasse-Kombi noch nie. Trotzdem ist er praktisch geblieben. Und teuer.



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Agil, sehr sparsam, großer Kofferraum, wenig Serienausstattung, teuer.
Kombi und E-Klasse – das passt! Und zwar schon immer. Aktuell wird fast jede dritte E-Klasse in Europa als Kombi gekauft. Zu Recht, wie wir meinen, denn der Kombi ist im Vergleich zur Limousine wesentlich attraktiver. Vor allem aber praktischer. Auffallend: Von der 23 Zentimeter kürzeren C-Klasse ist die neue E-Klasse kaum noch zu unterscheiden, sowohl als Limousine oder Kombi. 

Hat man im Innenraum Platz genommen, sticht sofort das optionale, knapp 1.100 Euro teure und 12,3 Zoll große „Widescreen Cockpit“ ins Auge. Das stellt sämtliche relevanten Fahrzeuginformationen übersichtlich dar, verfügt aber nicht über eine Touchscreen-Funktion. Die Bedienung ist über weite Strecken einfach, die zwei Touchpads am Lenkrad – zuständig für Fahrzeug-Infos und Infotainment – sind aber während der Fahrt nicht exakt bedienbar. Ein Lob verdient dafür die gute Sprachsteuerung.

Gewohnt geräumig und praktisch: der Kofferraum. Die Lehnen der Rücksitze lassen sich ruck-zuck dreigeteilt nach vorne klappen (via Tasten vom Kofferraum aus), die Ladekantenhöhe ist mit lediglich 58 Zentimetern mit Abstand am niedrigsten.

Eine Klasse für sich ist der neue Vierzylinder-Diesel. Auf der auto touring-Normrunde begnügte er sich mit lediglich 5,6 Litern/100 km – ein sensationeller Wert, trotz 194 PS und fast 1.800 Kilogramm Eigengewicht. Ebenfalls auffallend gut: die sanft schaltende Neungang-Automatik. Solide: vier Jahre Garantie. Die magere Serienausstattung und die höchsten monatlichen Kosten bieten dafür Verbesserungs-Potenzial. Schade auch: viele Assistenzsysteme nur gegen Aufpreis.

Škoda Superb Combi

Škoda Superb Combi

Ein Kombi, wie er sein soll: geräumig, sparsam und günstig. Nur beim Image hapert’s. Noch.



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Viel Platz und Komfort, günstig, wertstabil, niedriger Verbrauch.
Dass der Superb Combi jede Menge Platz für Insassen und Gepäck hat, ist nicht wirklich neu. Schon der Vorgänger bot in der zweiten Reihe eine Beinfreiheit, die die Insassen von Luxusmodellen à la Mercedes S-Klasse und BMW 7er neidisch werden ließ. Auch in unserem Vergleichstest lässt der Superb die E-Klasse und den V90 alt aussehen. Erstaunlich ist es trotzdem, denn der 4,85 Meter lange Tscheche ist um immerhin acht Zentimeter kürzer als die beiden anderen Testkandidaten. Auch der Kofferraum des Superb steckt das meiste Gepäck weg. Zumindest hier ist ihm die E-Klasse aber dicht auf den Fersen. Sinnvoll: der in der Höhe verstellbare Ladeboden im Superb.

Immer wieder erfreulich: die auf den ersten Blick einfache Bedienung des übersichtlichen Cockpits. Da sitzt einfach jeder Handgriff auf Anhieb. Vor allem die logische Menüführung des im Vergleich günstigen, optionalen Navis versteht jeder. Konzern-typisch gut gelöst ist auch die Sitzposition, die für Menschen jeder Körpergröße eine ideale Einstellung zulässt.

Für eine weitere Überraschung sorgt der Superb beim Fahren. Die klassische Mercedes-Tugend des hohen Fahrkomforts trifft ohne Abstriche auch auf den Superb Combi zu. Gratulation, Škoda. Fahrsicher und agil ist er sowieso. Lediglich im Vergleich zu den modernen Acht- und Neungang-Automaten in Volvo und Mercedes wirkt das Sechsgang-DSG des Skoda in Sachen Ansprechverhalten nicht mehr ganz up-to-date. Top dafür: der niedrige Verbrauch und der hohe Wiederverkaufswert. Unschlagbar: das tolle Preis-Leistungs-Verhältnis.

Mein Fazit