Was kostet die Welt?

MG HS PHEV+: Fazit nach einem Jahr Dauertest und fast einer ganzen Erdumrundung im chinesischen SUV mit Plug-in-Hybridantrieb.

Seine Herkunft kann der MG HS nur schwer verleugnen: Tauchen nämlich im Display so patscherte Übersetzungen wie "Langdrücken Sie zum Starten" auf, hat man als Besitzer:in täglich vor Augen, dass es sich hier um ein Auto chinesischer Provenienz handelt.

So viel vorab zu einer Reihe von nervigen Kleinigkeiten, die uns während des einjährigen Dauertests aufgefallen sind.

Aber: Nach rund 35.000 Kilometern (was fast der Länge des Äquators entspricht) hat der MG HS PHEV+ auch bewiesen, dass er als relativ günstiges Familien- und Reise-SUV sehr viel richtig macht.

Trotz kleiner Schwächen: Preis und Gegenwert passen beim MG gut zusammen.

Christoph Löger, Redakteur auto touring

Das Video zum Dauertest des MG HS PHEV+

Vier Jahreszeiten im MG HS PHEV+

Wie üblich bestand der auto touring-Dauertest-Alltag aus einem realitäts­nahen Mix aus Stadtverkehr, Überland-Trips durch Österreich und mehreren langen Touren in alle Ecken Europas.

Wichtigste Info für Plug-in-Hybrid-Interessent:innen gleich vorweg: Wer regelmäßig lädt, fährt das kompakte SUV zumindest im Nahbereich wie ein reines Elektroauto: Rund 100 km elektrische Praxisreichweite sind nämlich realistisch möglich, vor allem typische Pendler-Distanzen können so ausschließlich im E-Modus absolviert werden.

Auf langen Autobahn-Reisen überwiegt naturgemäß aber der Benzinbetrieb; dann pendelt sich der Verbrauch – je nach Tempo und Beladung – bei soliden rund 7 l/100 km Benzin ein.

Stadt, Umland & Autobahn

Innerorts und auf Landstraßen spielt der Plug-in-Hybrid seine Stärken aus: leises Anfahren und spontane E-Power im Stop-and-Go-Verkehr, dazu gibt’s ­eine ausgewogene, recht komfortable Fahrwerks-Abstimmung. Die Lenkung ist leichtgängig, im Sportmodus sogar überraschend präzise, die Bremsen wiederum packen ordentlich zu und sind fein dosierbar. Nur bei abruptem Leistungsabruf – etwa bei Überholvorgängen – gönnt sich der Plug-in-Antrieb ­eine kurze Bedenkzeit, und zwei bis drei Sekunden vergehen, bis Verbrenner und ­E-Motor ihre gemeinsame Systemleistung von 272 PS voll ausspielen. ​

Seine Zuckerseite zeigte der MG im vergangenen Jahr auf langen Reisen: Fahrer:in und Passagiere sitzen auf gemütlichem, langstreckentauglichem Gestühl; im Fond genießen selbst große Menschen die relativ üppige Kopf- und Beinfreiheit – ein Komfortniveau, das manche teurere Klassen-Konkurrenten nicht erreichen. Auch die Geräusch­kulisse passt: Motor, Wind- und Abroll-Akustik bleiben bis Autobahntempo dezent im Hintergrund.

Ausnahme: Zur Dauertest-Halbzeit fand ein vorwitziger Kieselstein zwischen Schutzblech und linker hinterer Bremsscheibe eine neue Heimat; das resultierende laute Kratzen hatte einen außerplanmäßigen Werkstatt-Besuch zur Folge.

MG HS PHEV+: Stärken & Schwächen

Was ist gut, was nervt?

Ausgesprochen familienfreundlich zeigt sich das Raumangebot im MG HS: genügend Krimskrams-Ablagen im solide verarbeiteten Cockpit, USB-Anschlüsse vorne wie hinten, angenehme Materialien ringsum sowie ein ebener Kofferraum-Boden mit Extrafach fürs Ladekabel erleichtern den Alltag mit Kind und Kegel.

Wo der HS patzt, sind allerdings die Punkte Infotainment und Assistenz: Die Bedienlogik des Touchscreens ist teils umständlich, manches Wichtige ist in Untermenüs versteckt, simple und oft genützte Funktionen wie zum Beispiel die Lautstärkeregelung sind nur über Lenkradtasten erreichbar. Zudem fällt ständig der digitale Radio-Empfang aus bzw. bricht in Fünf-Minuten-Intervallen ab. Dazu kommt die überraschend üble Soundqualität des Audiosystems. Eine Kritik übrigens, die sich auch in einschlägigen Online-Foren von HS-Besitzer:innen auffällig oft wiederfindet.

Licht und Schatten gibt’s auch bei den Assistenzsystemen: Während etwa Abstandstempomat und 360-Grad-Kamera tadellos arbeiten, werden manche überfürsorgliche Warnfunktionen zur Geduldsprobe. Beispiele: Hinweise zu Gefahrenstellen (Schulgelände, Steinschlag), wo keine Gefahrenstellen sind, eine hypersensible Müdigkeitswarnung oder das Navigationssystem, das nach Tankstopps hin und wieder ungefragt neue, teils längere Routen berechnet.

Für Diskussionsstoff in der Test-­Redaktion sorgten außerdem die beim Plug-in-Hybrid serienmäßigen seitlichen Trittbretter. Sie sollen den im ­Unterboden sitzenden Akku in der ­Seitenansicht des Autos optisch kaschieren, führen bei Regenwetter oder in der ­kalten Jahreszeit allerdings zuverlässig zu verschmutzten Kleider­säumen und ­Hosenbeinen.

Finaler ÖAMTC-Check

Beim obligatorischen Technik-Check nach einem Jahr am ÖAMTC-Stützpunkt in Wien-Erdberg zeigte der MG HS PHEV+ auch nach mehr als 35.000 Kilometern erfreulicherweise keinerlei technische Schwächen – bis auf übliche Gebrauchsspuren auf dem Lack (Dellen, Kratzer).

Technische Daten MG HS PHEV+

Unser Fazit

Der MG HS PHEV+ hat im einjährigen auto touring-Dauertest vor allem als komfortables, sehr geräumiges Familien- und Reiseauto überzeugt. Die alltagstaugliche E-Reichweite, der leise und kräftige Antrieb sowie die bequemen Sitze im gemütlichen Innenraum machen ihn zum entspannten Begleiter – speziell im Stadt- und Umlandbetrieb mit regelmäßigen Ladestopps.

Kritik erntet hingegen das schwache Infotainmentsystem, die teils nervigen Assistenten sowie die unpraktischen Trittbretter des Plug-in-Modells. Unterm Strich ist der MG ein ausgewogenes Auto mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, aber ­einigen kleinen Alltagsschwächen.