Platz für Spaß
Die Alpine A110 ist als kleines Sportcoupé mit nur knapp über einer Tonne Gewicht Vertreter einer vom Aussterben bedrohten Art. Im Test zeigt die blaue Flunder, was sie kann.
Die Alpine A110 S ist beileibe kein Raumwunder. Doch was dem Zweisitzer an Alltagstauglichkeit fehlt, macht er mit Fahrspaß wieder wett. Denn davon kann man sogar auf 4,18 Metern Länge und 1,25 Metern Höhe reichlich unterbringen – vor allem dank eines Leergewichts von nicht einmal 1,2 Tonnen. In einer Ära der in alle Richtungen wachsenden SUVs war schon bei der Enthüllung 2017 klar, dass die neue Alpine kein Modell für die Masse sein kann. Doch für Automobilenthusiasten ist sie vielleicht gerade deshalb umso wichtiger.
Konkurrenz und Preis
Viele Modelle halten die Fahne der kleinen, traditionellen Sportwagen heute in Österreich nicht mehr hoch. Neben der Alpine fällt noch der Mazda MX-5 in diese Kategorie… und sonst eigentlich nichts. Die elegante Französin ist trotz aller Bescheidenheit in puncto Größe kein Schnäppchen. Aktuell startet der Preis des Einstiegsmodells bei 72.400 Euro. Wichtig: Die getestete Alpine A110 S ist in Österreich nicht mehr erhältlich, ebenso wenig die komfortablere Version GT. Stattdessen gibt es nun die A110 GTS, die das Beste aus Sport und Komfort vereinen soll. Doch trotz diverser Unterschiede bei Ausstattung und Extras verändert sich der Spirit des Fahrzeugs nicht allzu sehr: Bei der Alpine geht es primär um Spaß am Autofahren – egal, in welcher Version man Platz nimmt. Sie ist ein Nischenmodell für Liebhaber, zweifellos. Aber diese Nische bedient sie erstklassig.
Das Fahrerlebnis
300 PS aus einem 1,8 Liter großen Vierzylinder sind im Sportwagen-Quartett zwar vielleicht nicht der ganz große Trumpf, die Alpine A110 S spielt damit aber ordentlich auf. Dank 340 Nm Drehmoment auf der Hinterachse geht es in 4,2 Sekunden auf Landstraßentempo, und Schluss ist erst bei 260 km/h. Das macht schon längsdynamisch richtig Freude, die eigentliche Stärke der Alpine kommt aber erst zum Tragen, wenn fleißig am Steuer gekurbelt wird.
Fliegengewicht, Hinterradantrieb, knackiges Fahrwerk und reichlich Kraft machen unterm Strich aus der Alpine A110 S eine echte Spaßkanone. Und abseits der Rennstrecke ist es relativ egal, ob da jetzt ein S, ein GT oder ein GTS hinten dran hängt. In der gerade einmal gute vier Meter kurzen Französin fährt es sich herrlich befreit – und dank der blitzschnellen Automatik so mühelos wie an der Spielkonsole. Die Alpine ist zwar auf den ersten Blick ein Auto wie damals, aber hinter der nostalgischen Fassade steckt ein durch und durch modernes Fahrzeug.
Cockpit und Alltag
Das spiegelt sich auch im Interieur des Sportwagens wider. Natürlich gibt es einen (angenehm kleinen) Touchscreen, und die Automatik wird nicht per Hebel, sondern mit bunten Knöpfen bedient. Das mag unerbittlichen Puristen nicht gefallen, macht die Alpine A110 aber um kein Stück weniger authentisch. Davon abgesehen ist das Cockpit schön hergerichtet und erstaunlich bequem – solange man keine großen Ablagen sucht. Tatsächlich ist der Platz für Gepäck abseits der Fahrgastzelle aber recht akzeptabel für ein Auto dieses Formats. Hinten gibt es einen 96 Liter "großen" Kofferraum, und unter der Haube vorn verstecken sich noch mal 100 Liter an Raum für Gepäck. Mit ein wenig Selbstbeherrschung geht sich so ein Wochenendtrip zu zweit aus.
Apropos Praxistauglichkeit: Die Alpine A110 S lässt sich auch im Alltag sehr fein bewegen. Natürlich ist das Fahrwerk straff, aber selbst in der Stadt herrscht kein übermäßiger, vibrationsbedingter Leidensdruck oder ähnliche Unannehmlichkeiten.
Fazit
Die Alpine A110 S ist ein geniales Auto für Liebhaber, die das nötige Kleingeld für einen sportiven Zweitwagen haben – eine Käuferschicht, die freilich zusehends schrumpft. Die zahlreichen, streng limitierten Sonderversionen, die Alpine in den letzten Jahren auf den Markt gebracht hat, zeigen aber, dass die A110 zweifellos ihre Kunden hat. Und offenbar doch so viele, dass die Franzosen von ihrer ursprünglichen Ankündigung eines ausschließlich rein elektrischen Nachfolgers abgewichen sind und zumindest eine Hybridversion zusätzlich in Aussicht stellen.