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Viele Gurtmuffel unterwegs: Weiterhin Optimierungsbedarf

Alarmierend: Laut ÖAMTC-Erhebung 55 Prozent am Rücksitz nicht angegurtet. Experten warnen vor tödlicher Gefahr im Nacken für Frontpassagiere.

Alarmierend: Laut ÖAMTC-Erhebung 55 Prozent am Rücksitz nicht angegurtet

Im Sommer 2015 führte die ÖAMTC-Unfallforschung an mehreren Stellen in Wien und Niederösterreich Erhebungen durch, wie viele Passagiere auf Pkw-Rücksitzen angegurtet sind. Das Ergebnis ist alarmierend. "Von 1.069 Fondspassagieren waren nur 480 angegurtet, das sind 45 Prozent. 589, also 55 Prozent, waren nicht angegurtet", zeigt sich ÖAMTC-Verkehrsexperte David Nosé von den Zahlen bestürzt. Gefährlich ist das nicht nur für die Passagiere am Rücksitz selbst, sondern auch für jene, die vorne sitzen.

Club-Experte warnt vor tödlicher Gefahr im Nacken für Frontpassagiere

"Bei einem Crash mit 50 km/h drückt eine 55 kg schwere Frau mit einem Gewicht von 2,75 Tonnen gegen den Vordersitz. Jedem, der vorne sitzt, muss klar sein, dass das eine tödliche Gefahr darstellt. Schon aus eigenem Interesse sollte sich daher jeder Fahrer versichern, dass die Fondspassagiere angegurtet sind", fordert Nosé.

Die Erhebung wurden an sieben Tagen zu unterschiedlichen Zeitpunkten (vormittags, mittags und in der Hauptverkehrszeit am frühen Abend) sowie an verschiedenen Orten durchgeführt – im innerstädtischen Verkehr, wie z. B. am Wiener Schwarzenbergplatz, genauso wie an Autobahnauf- und abfahrten, z. B. an der A4 Abfahrt Stadionallee in Wien oder in Bruckneudorf in Niederösterreich.

Niedrige Gurtmoral bei allen Pkw-Insassen

Im Frühling 2015 hat eine stichprobenartige Analyse des ÖAMTC im Wiener Innenstadtgebiet ergeben, dass 15 Prozent der Pkw-Insassen ohne Gurt unterwegs sind. Vor allem bei kurzen Fahrten im Orts- und Stadtgebiet schätzen viele die Gefahr eines Verkehrsunfalls als gering ein und verzichten darauf, sich anzuschnallen. Bei Beobachtungen an zwei Autobahnabfahrten am Stadtrand Wiens waren hingegen "nur" rund sieben Prozent der Fahrzeug-Insassen nicht angegurtet.

"Gurte retten Leben" ist mehr als ein Slogan

Betrachtet man die Unfallzahlen aus dem Jahr 2013, lag die Gurtanlegequote aller österreichweit verunglückten Pkw-Insassen über 13 Jahre bei rund 95 Prozent. Von den tödlich Verunglückten waren nur 66 Prozent angeschnallt. Nach Bundesländern betrachtet, gibt es leichte Unterschiede: Die niedrigste Gurtanlegequote gab es bei den Verunglückten im Burgenland, dort waren nur knapp 91 Prozent angegurtet. Positiv ist die Steiermark aufgefallen, wo 96 Prozent der Verunglückten einen Sicherheitsgurt nutzten (Quelle: Statistik Austria, Bearbeitung: ÖAMTC).

Gurtmuffel sind häufig männlich, Mitfahrer und nachts unterwegs

Unfallzahlen der Statistik Austria zufolge waren österreichweit rund acht Prozent der im Pkw verunfallten Männer im Jahr 2013 nicht angegurtet, hingegen nur drei Prozent der Frauen. Ein ähnliches Ergebnis zeigte sich auch bei der stichprobenartigen Erhebung des Clubs: In Summe waren 93 Prozent der Frauen angegurtet, hingegen nur 88 Prozent der Männer.

Die Unfallzahlen aus 2013 zeigen auch, dass im Pkw Mitfahrende mit einer Gurtanlegequote von rund 93 Prozent häufiger nicht angeschnallt waren als Lenker mit einer Quote von 95 Prozent. Bei der aktuellen Erhebung des Clubs waren vor allem männliche Beifahrer häufig nicht angeschnallt: Rund 14 Prozent der männlichen Beifahrer verzichteten auf den Sicherheitsgurt, bei den Frauen waren es sechs Prozent.

Deutliche Unterschiede bei der Gurtanlegequote zeigen sich auch bei einer Auswertung nach Tag- und Nachtfahrten. Die höchste Gurtanlegequote wiesen diejenigen auf, die zwischen 8 und 11 Uhr verunglückten: Hier verzichteten nur rund drei Prozent auf den Sicherheitsgurt. Die "Gurtmuffel" sind eher nachts unterwegs: Die Spitzenzeit kann man zwischen 1 und 5 Uhr früh verorten. 16 Prozent der zu dieser Zeit verunglückten Pkw-Insassen waren nicht angeschnallt.

Die Ausreden der Gurtenmuffel und warum sie nicht gelten

  • "Ich habe vergessen."
    Wer den Gurt konsequent verwendet, ist so daran gewöhnt, dass ihm körperlich etwas fehlt, wenn der Gurt nicht angelegt ist. Man vergisst ja auch nicht darauf, sich Schuhe anzuziehen, bevor man aus dem Haus geht.
     
  • "Mir passiert schon nichts, ich bin eh ein guter Autofahrer."
    Selbst wenn man meint, der "beste" Autofahrer zu sein, ist man nicht allein auf der Straße, auch andere können Fehler machen.
     
  • "Ich habe acht Airbags im Auto."
    Der Airbag kann nur in Verbindung mit dem Sicherheitsgurt seine volle Wirkung entfalten.
     
  • "Für kurze Strecken zahlt sich das Anschnallen nicht aus."
    Ungebremste Unfälle geschehen gerade im innerstädtischen Bereich und bei geringen Geschwindigkeiten.
     
  • "Ich kann mich ja abstützen."
    Das ist rein physikalisch unmöglich. Bei einem Aufprall mit einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern steigt das Körpergewicht bis auf das 20fache an. 75 kg würden so zu einem Gewicht von 1,5 Tonnen anwachsen.

Enorme Kräfte

Crashtests des ÖAMTC zeigen, dass die Kräfte bei einem Unfall bereits bei Geschwindigkeiten von 30 km/h enorm sind: Ein nicht angeschnallter Pkw-Insasse müsste imstande sein, bei einem Aufprall mindestens das Zehnfache seines Körpergewichtes mit den Armen und Beinen abzustützen. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit.
 

Der Sicherheitsgurt kann bei allen Unfalltypen (z.B. Frontal-, Auffahr- oder Abkommensunfall) hilfreich sein, entweder um die Verletzungsschwere zu mindern, oder um im Extremfall tödliche Verletzungen zu vermeiden. Bereits bei einer niedrigen Aufprallgeschwindigkeit von 30 km/h kann es unangegurtet zu schweren Verletzungen im Nacken-, Kopf-, Brust- und Kniebereich kommen.

Gurt rettet Leben

Der ÖAMTC appelliert daher an alle Pkw-Insassen, immer, auch für Kurzstrecken im Ortsgebiet, den Sicherheitsgurt zu verwenden. Zudem muss es im Interesse des Lenkers liegen, nicht nur sich, sondern auch seine Mitfahrer bestmöglich zu schützen, indem er sie auf die Gurtpflicht aufmerksam macht.
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Thema Verkehr

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