Artikel drucken
Drucken

Risiko: Telefonieren am Steuer

Telefonieren im Auto - Jeder zehnte Autofahrer telefoniert am Steuer ohne Freisprecheinrichtung. Wie gefährlich dieser Umstand ist, beweist eine ÖAMTC-Erhebung.

Das Handy im Straßenverkehr zu benutzen, kann sehr gefährlich sein – egal, ob man als Autofahrer, Fußgänger oder Radfahrer unterwegs ist. Die Ablenkung durch das Hantieren mit dem Mobiltelefon hat stark verminderte Aufmerksamkeit in Bezug auf das Verkehrsgeschehen zur Folge. Insbesondere schwierige und emotional aufwühlende Gespräche können die Konzentration zusätzlich enorm belasten. Eine aktuelle ÖAMTC-Erhebung zeigt, dass dennoch zwölf Prozent der Österreicher auch auf belebten Straßen nicht auf ihr Handy verzichten.

Multitasking

Der Mensch ist nur eingeschränkt zum Multitasking fähig. Vor allem zwei inhaltlich sehr unterschiedliche Aufgaben wie Telefonieren und Fahren können kaum simultan bewältigt werden, speziell wenn es plötzlich zu einer fordernden Fahrsituation kommt. Die Qualität beider Tätigkeiten leidet zwangsläufig, die nötige Konzentration beim Steuern ist eigentlich gar nicht vorhanden. Noch dazu lenkt das Telefonieren am Steuer nicht nur geistig ab. Wer ein Handy in der Hand hält, hat auch "mechanische" Probleme beim Fahren – lenken, schalten, bremsen und blinken werden zu einer Herausforderung. Zu allem Überfluss sehen sich Freisprech-Muffel oft mit schlechtem Gewissen nach der Polizei um, anstatt die Aufmerksamkeit auf die Straße vor sich zu richten.

ÖAMTC Erhebung

Der Club hat in zwei Nachmittagsstunden an frequentierten Kreuzungen in ganz Österreich insgesamt 3.435 Verkehrsteilnehmer beobachtet. 419 Personen hatten das Handy am Ohr, fast 70 Prozent davon waren Auto- und Lkw-Fahrer. Von allen beobachteten motorisierten Lenkern (2.675) hat immerhin jeder zehnte ohne Freisprecheinrichtung am Steuer telefoniert. Dabei ist das in Österreich seit 1. Juli 1999 verboten.

Die Ergebnisse der Erhebung

Von 3.435 beobachteten Verkehrsteilnehmern telefonierten 419 mit dem Handy. Männer (53 Prozent) wurden etwas öfter als Frauen (47 Prozent) beim Telefonieren im Straßenverkehr beobachtet.

Von den 419 beim Handytelefonieren beobachteten Personen waren 255 (61 Prozent) mit dem Auto, 31 (sieben Prozent) mit dem Lkw, und 115 (27 Prozent) als Fußgänger unterwegs. Weitere 18 Personen telefonierten unter anderem am Fahrrad.

Bundesländervergleich

Die meisten Handytelefonierer wurden bei dieser Erhebung in Tirol (44 Prozent), gefolgt von Wien (34 Prozent) und Oberösterreich (19 Prozent) beobachtet. Im Burgenland telefonierten elf Prozent der Verkehrsteilnehmer, in Vorarlberg waren es zehn Prozent, in Salzburg und der Steiermark sieben Prozent, in Kärnten vier Prozent und in Niederösterreich zwei Prozent.

Vorbildwirkung

Im Rahmen der ÖAMTC-Erhebung wurde wiederholt beobachtet, dass sich Eltern auch mit Kindern im Fahrzeug nicht an das Handyverbot am Steuer halten. Auch bei den Fußgängern ist es vorgekommen, dass mit dem Kind an der einen und dem Handy in der anderen Hand ein Zebrastreifen bei Rot betreten wird.

Unfallzahlen

Im ersten Halbjahr 2012 kamen vorläufig laut BMI in Österreich 224 Menschen im Straßenverkehr ums Leben. Bei rund 14 Prozent (31 Personen) war vermutlich Ablenkung und Unachtsamkeit die Ursache. Das sind die offiziellen Zahlen. Man kann aber davon ausgehen, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist. Kein Wunder – frühere Simulator- und Stressexperimente des ÖAMTC haben gezeigt, dass die Zahl der Fahrfehler während des Telefonierens stark ansteigt. Wer am Steuer ohne Freisprecheinrichtung telefoniert, macht um 40 Prozent mehr Fahrfehler. Die Konzentrationsleistung müsste also nahezu verdoppelt werden, um gleich sicher unterwegs zu sein. Freisprecheinrichtungen führen zwar zu weniger Fahrfehlern, können die Ablenkung durch das Gespräch aber auch nicht vollständig kompensieren.

Forderung: serienmäßigen Einbau von Freisprecheinrichtungen

Der ÖAMTC fordert seit Jahren die serienmäßige Ausrüstung von Neuwagen mit Freisprechinfrastruktur. Durch Verbindungsstandards wie Bluetooth (wird nahezu von allen Smartphones unterstützt) ist eine einheitliche Schnittstelle vorhanden. Eine vom Fahrzeughersteller vorbereitete Infrastruktur ist sicherer und zuverlässiger in der Anwendung als Nachrüstlösungen.

Am vernünftigsten ist es aber, zumindest bis zum nächsten Parkplatz auf alle Telefonate zu verzichten. Jeder sollte sich die Frage stellen, ob es wirklich notwendig ist, immer und überall erreichbar zu sein. Zumindest bei einer an und für sich schon herausfordernden Tätigkeit wie dem Autofahren sollte man sich voll und ganz auf die aktuelle Aufgabe konzentrieren können.

verkehr_stau.jpg

Thema Verkehr

Der ÖAMTC unterstützt Sie mit umfassenden Verkehrsinfodiensten. Hier finden Sie alle Informationen zur aktuellen Verkehrslage, Verkehrsmeldungen und Baustellen auf Österreichs Straßen übersichtlich auf einen Blick.

© ÖAMTC
In dieser Fenstergröße bietet die mobile Ansicht besseren Überblick! Wenn Sie die Ansicht wechseln möchten, klicken Sie den Button jetzt wechseln