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Mobilität im Alter - Ansprüche, Fahrverhalten, Leistung

Der demographische Wandel in Österreich zeigt, dass in den kommenden Jahrzehnten der Anteil der über 60-Jährigen in der Bevölkerung zunimmt.

Der demographische Wandel in Österreich zeigt, dass in den kommenden Jahrzehnten der Anteil der über 60-Jährigen in der Bevölkerung zunimmt. Die ÖAMTC-Analyse der Unfallstatistiken der vergangenen Jahre spiegelt gleichzeitig eine leichte Zunahme von Unfällen wider, an denen Personen über 60 Jahre beteiligt waren.

Ärztliche Kontrollen ab bestimmtem Lebensalter?

In diesem Zusammenhang wird verschiedentlich der Ruf nach gesetzlichen Maßnahmen, wie z. B. regelmäßigen ärztlichen Kontrollen ab einem bestimmten Lebensalter, laut. Einige Forderungen gehen sogar in Richtung einer altersmäßigen Begrenzung des Führerscheinbesitzes.

ÖAMTC/ÄKVÖ-Symposium "Mobilität im Alter"

In einem gemeinsamen Symposium des ÖAMTC und seiner Ärztlichen Kraftfahrervereinigung (ÄKVÖ) wurde am 14. 04.2010 das Thema "Mobilität im Alter" aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.

Ärzte, Fahrtechniker, Psychologen sowie Seniorenvertreter - darunter Karl Blecha, Präsident des Pensionistenverbandes Österreichs, Wolf. D. Oswald, Psychologe und Professor an der Universität Erlangen, Bernhard Sturm, Produktmanager bei Mercedes-Benz Österreich, Ilsemarie Kurzthaler (Fachärztin für Psychiatrie an der Universitätsklinik für Psychiatrie Innsbruck), Amtsärztin Elisabeth Schütz (Landessanitätsdirektion NÖ/Bezirkshauptmannschaft Bruck an der Leitha) sowie Gerhard Blümel (Leiter der ÖAMTC-Fahrerakademie) - waren als Referenten geladen.

Mobilitätsanspruch von Senioren und Seniorinnen

Karl Blecha, Präsident des Pensionistenverbandes Österreichs, betonte als Einstiegsreferent die Wichtigkeit der Mobilität, da sie für jeden Menschen Teil der Lebensqualität und die Voraussetzung der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ist.

Demografische Einflüsse auf die Fahrzeugentwicklung

Bernhard Sturm, Produktmanager bei Mercedes-Benz Österreich, berichtet über die demografischen Einflüsse auf die Fahrzeugentwicklung. "In der Gruppe der 26 bis 40-Jährigen sind tödliche Kollisionen gleichermaßen auf Fahrfehler und Beobachtungsfehler zurückzuführen. Bei den über 65-Jährigen überwiegen mit Abstand die Beobachtungsfehler als Unfallursache, das aber bei vergleichsweise wesentlich geringeren Geschwindigkeiten."

Beobachtungsfehlern wirken bereits jetzt eine Reihe von Assistenzsystemen entgegen, beispielsweise intelligente Lichtsysteme (verschiedene Einstellungen für Autobahn, Nebel, Kurve, Abbiegen etc.), Totwinkelwarner (verringern die Anzahl gefährlicher Spurwechsel), Systeme zur Verkehrszeichen- Erkennung, Bremsassistenten sowie Abstandsregeltempomaten.

Fahrverhalten älterer Autofahrer

"Autofahrer entwickeln mit zunehmendem Alter ihre eigenen Vermeidungsstrategien, damit sie sich auch weiterhin hinter dem Steuer sicher fühlen", berichtet Ilsemarie Kurzthaler, Fachärztin für Psychiatrie an der Universitätsklinik für Psychiatrie Innsbruck und verweist auf eine Untersuchung des dortigen Departments für Psychiatrie und Psychotherapie. "Ältere Autofahrer schränken beispielsweise das Fahren von Langstrecken stark ein und ebenso das Fahren bei Nacht."

Leistungsfähigkeit älterer Personen im Straßenverkehr

Wolf. D. Oswald in seinem Vortrag: "Das chronologische Alter kann nicht als Indikator für Leistungsabbau angesehen werden, da die Unterschiede in den einzelnen Altersgruppen um ein Vielfaches höher sind als die Unterschiede in den Mittelwerten der Jungen und der Alten." Er schlägt anstelle eines Medizinischen Modells, nach welchem durch Auslese das Straßenverkehrsgeschehen beeinflusst werden soll, ein Kompetenzmodell vor.

Im Gegensatz zu kompetenzfördernden Maßnahmen führt - so Oswald - eine regelmäßige Überprüfung aller älteren Kraftfahrer zu keinem relevanten unfallsenkenden Effekt. Für auffällig gewordene Kraftfahrer aller Altersgruppen reichen die vorhandenen gesetzgeberischen Maßnahmen laut Oswald vollständig aus.

Club-Position zum Thema Mobilitätsbeschränkungen für ältere Verkehrsteilnehmer

Eine Reihe von Staaten hat schon seit Jahren verpflichtende regelmäßige medizinische Kontrollen von Fahrzeuglenkern eingeführt. Internationale Studien belegen allerdings, dass diese Maßnahmen keine positiven Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit brachten. Daher sieht der ÖAMTC keinen Grund, im Rahmen der Umsetzung der 3. Führerschein-Richtlinie der EU in Österreich derartige medizinische Überprüfungen einzuführen.

Eigenverantwortung der Kraftfahrer aller Altersgruppen

Für den Club steht aufgrund seiner langjährigen Befassung mit dem Thema "Senioren am Steuer", insbesondere bei den Fahrsicherheitstrainings fest, dass viele dieser "Best Agers" durch ihre Verkehrserfahrung, ihr Verantwortungsbewusstsein und ihre vorsichtige Fahrweise allenfalls vorhandene körperliche Mängel gut ausgleichen können.

Darüber hinaus haben ernst zu nehmende wissenschaftliche Studien belegt, dass ältere Fahrzeuglenker geradezu eine Strategie entwickeln, gefährlichen Verkehrsverhältnissen wie Nacht, Regen oder Schnee auszuweichen. Längere Autobahnfahrten werden ebenso wie verkehrsreiche Zeiten vermieden.

Fahrsicherheitstraining im Alter

Der ÖAMTC hat kompetenzfördernde Maßnahmen für Kraftfahrer aller Altersgruppen entwickelt. Für ältere Verkehrsteilnehmer gibt es die Veranstaltungsreihe "Mobil sein - Mobil bleiben", die in den Fahrtechnikzentren des Clubs auf die speziellen Bedürfnisse abgestimmt sind.

Die Experten des ÖAMTC setzen sich laufend mit neuesten technischen Entwicklungen auseinander, die Lenker aller Altersstufen das Fahren erleichtern und sicherer gestalten.

Weitere Informationen

Informationen zu den Fahrtechnik-Trainings des ÖAMTC und das spezielle Angebot für mobile Menschen ab 60 "Mobil sein - Mobil bleiben" findet man unter den weiterführenden Links (siehe Link-Box).

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Thema Verkehr

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