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Die Gefahren des gläsernen Autos - Lenker-Daten sind schützenswert

Es gibt viele gute Gründe dafür, dass das der Autobesitzer entscheiden soll, wer seine Daten verwendet.

Wer zahlt die Rechnung?

Am Ende der Entwicklung könnte der gläserne Autofahrer stehen, der zwar viele neue Annehmlichkeiten genießt, schlussendlich aber die Rechnung zahlt: Denn sofern auf EU-Ebene nichts anderes beschlossen wird, fließen die Daten, die ein Auto ständig produziert, an den Hersteller. Der hat unbeschränkten Zugriff darauf und kann entscheiden, wem und zu welchen Bedingungen er die Daten zur Verwertung weitergibt.

Daten sind schützenswert

Ein Argument lässt Bernhard Wiesinger, Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung, nicht gelten: Dass es schon in Ordnung sei, wenn das Auto die Daten, die es produziert, automatisch an den Hersteller sendet, weil man ja nichts zu verbergen habe. „Diese Orts-, Zeit- und Fahrzeugdaten sind schützenswert.“ Deshalb müsse der Fahrzeughalter selbst entscheiden können, wem er welche Daten zur Verfügung stellt. Und es muss sichergestellt sein, dass er keine Nachteile hat, falls er der Weitergabe bestimmter Daten nicht zustimmen will. „Der Autobesitzer darf deshalb nicht zu einem Kunden zweiter Klasse mit eingeschränktem Service degradiert werden“, so Wiesinger.

Die Politik ist gefordert

Der Club steht, was Datenschutz und Wahlfreiheit der Autodaten-Weitergabe betrifft, nicht allein. Datenschutz-Experte Hans G. Zeger von der ARGE Daten etwa findet das derzeitige Argument der Autofirmen nicht zutreffend: „Die Hersteller argumentieren falsch, dass es sich bei den Daten, die das Fahrzeug generiert, um keine personenbezogenen handle, sondern um Autodaten, für die ein Betriebs- bzw. Geschäftsgeheimnis gelte. Das trifft nicht zu, denn das Auto gehört ja jemandem. Wem, wird ja auch im Rahmen von Lenkererhebungen ermittelt - da wird ja eindeutig ein Fahrer zugeordnet.“ Zeger nimmt sich kein Blatt vor den Mund: „Dieser Blödsinn gehört abgeschafft.“ Seiner Meinung nach sei die Politik gefordert, eine klare Aussage zu treffen.

Angst vor der Datenlawine?

Selbst eine Speicherung von Daten ohne nachvollziehbaren Zweck sei eigentlich gar nicht gestattet, so Österreichs prominentester Datenschützer. Zegers Meinung nach erfolge das Auslesen der vom Auto gespeicherten Daten - ganz gleich, ob es sich dabei um Orts-, Zeit- oder Fahrzeugdaten handelt – nur dann gesetzeskonform, wenn es das Gesetz so vorschreibt (das ist zum Beispiel bei eCall so), wenn der Fahrzeughalter selbst es wünscht oder wenn ein Vertrag mit ihm es so regelt (Forderungen des ÖAMTC). Trotz der Skepsis der Datenschützer dürften viele Autofahrer - Smartphone-User machen es vor - keine Angst davor haben, dass sie von der Datenlawine, die sie beim Fahren auslösen, eines Tages überrollt werden. Wahrscheinlich deshalb, weil sie sich der Folgen gar nicht bewusst sind.

Nutzen für Autohersteller

Dass sich viele Entwicklungen derzeit in einer rechtlichen Grauzone abspielen, scheint manchen Autoherstellern gar nicht so unrecht zu sein. Sie hoffen, über die rasche Einführung von bequemen Services - etwa der Früherkennung von Reparaturfällen, die sie in das eigene Werkstattnetz lotsen - lästige Konkurrenten wie freie Werkstätten auszubremsen. Der Vorschlag des EU-Parlaments vom März dieses Jahres, den Zugang zu den Fahrzeugdaten mittels Einrichtung einer sicheren, offenen und standardisierten Plattform zu regeln, wurde im Juni im Rat von den Mitgliedstaaten abgelehnt. ÖAMTC-Mann Wiesinger: „Es ist schon recht bemerkenswert, dass der Widerstand vor allem aus jenen Ländern kam, in denen die großen europäischen Autohersteller zu Hause sind.“
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