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Bequem soll's sein - Autofahren im Alter

Umfrage: Inwieweit unterscheiden sich die Anforderungen älterer Menschen ans Auto von denen der jüngeren?

Erstaunlich, wie schnell man sich an die Automatik gewöhnt!“ Gabriele Eisenbraun, 66, genießt den Tag mit 23 weiteren Clubmitgliedern im ÖAMTC Fahrtechnikzentrum Teesdorf. Sie alle hatten sich - so wie 900 andere über 65-Jährige - für den „Plus65-Test“ des auto touring beworben. Ihre Meinung ist gefragt: Ziel ist es, herauszufinden, worauf sie Wert legen. „Erfahren durch fahren“ ist das Motto. Zwölf Autos, vom Kleinwagen bis zum SUV, stehen bereit, um auf Komfort, Ausstattung, Fahrassistenz-Systeme und Fahrgefühl getestet zu werden.

Video: Das Autofahren im Alter

Die Lordosenstütze im Sitz fehlt in meinem Auto, deswegen habe ich immer einen Polster dabei“, berichtet Susanne Hartl, 74. Sie ist sehr angetan von den Sitzen jener Testautos, die dem Fahrer erlauben, das Innenleben der Rücklehne an die eigene Wirbelsäule anzupassen. Komfort ist den Teilnehmern überhaupt wichtig - genauso wie eine erhöhte Sitzposition. Der Ein- und Ausstieg muss leicht sein, so der Tenor. Und: „Zu groß darf der Wagen nicht sein, denn meine Frau möchte ihn auch ab und zu fahren“, lacht Klaus Schinnerer, 71.
Nicht zu groß und nicht zu teuer, sind für die Teilnehmer in Teesdorf wichtige Kauf-Kriterien. „Der Preis ist einfach ausschlaggebend“, bringt es Renate Bernold, 66, auf den Punkt. Doch es ist nicht nur der Preis: Auch auf Freisprecheinrichtung und Tempomat legen Senioren wert. Von Autos mit hohem Verbrauch, unübersichtlichen Armaturen und zu lautem Motorengeräusch lassen sie die Finger, so die Plus65-Online-Umfrage mit mehr als 300 Befragten, die auto touring zusätzlich in Auftrag gab.
Fahrspass steht an erster Stelle. Zurück nach Teesdorf. Keiner der Teilnehmer scheut davor zurück, sich in ein fremdes Auto zu setzen. Es wird eingeparkt, reversiert, die Handlingstrecke befahren und am Nassparcours rechtzeitig vor plötzlich aus dem Boden schießenden Wasserfontänen ausgewichen. Allen sieht man an, dass sie einfach gerne Auto fahren und Freude daran haben.
Genau das ergab auch die begleitende Online- Umfrage: Etwas mehr als zwei Drittel der Befragten fahren sehr gerne mit dem Auto. Am liebsten am Land oder in Kleinstädten, denn Staus, großes Verkehrsaufkommen und Parkplatzsuche, wie sie in großen Städten an der Tagesordnung stehen, verursachen Stress. „Ich wohne bei Graz, und wenn ich in die Stadt muss, fahre ich immer mit dem Bus. Ansonsten geht ohne Auto aber nichts“, erzählt Paul Oitzinger, 66.
Drei Viertel der Befragten nutzen für ihren Alltag das Auto. Der Rest geht zu Fuß, fährt mit den Öffis oder mit dem Rad. „Wenn ich auch privat so einen Zwerg fahren würde, dann wäre einparken kein Problem“, meint eine Testerin, die privat einen SUV fährt, während sie einen Kleinwagen in eine enge Lücke bugsiert. „Das geht ja wirklich leicht! Bei so vielen Modellen sieht man ganz toll die Unterschiede.“
Der aktive Park-Assistent ist die nächste Station. Dieter Svepes, Instruktor der ÖAMTC-Fahrtechnik, macht es vor: Er lässt das Lenkrad los und winkt aus dem Auto. Wie von Zauberhand reversiert der Wagen selbsttätig in die Parklücke. Svepes betätigt lediglich das Gaspedal. Das Staunen ist groß, aber auch viel Skepsis ist zu vernehmen: „Da kommt man sich entmündigt vor, das will man ja selber machen“, meint eine Teilnehmerin. Ein anderer pflichtet ihr bei: „Fürchterlich!“
Ausprobiert werden aber auch Autos mit akustischer Einparkhilfe oder eingebauter Kamera, die anhand von Videobildern des Umfelds dem Lenker in die Parklücke helfen. „Der Bildschirm beim Rückwärtsfahren ist gewöhnungsbedürftig, man kann den Abstand nur schwer einschätzen“, schildert Robert Richter, 83, seine Erfahrungen.
Interessant: Laut Plus65-Online-Umfrage verwenden bereits etwa zwei Drittel der 300 Teilnehmer eine Einparkhilfe (akustisch oder mit Kamera).
Notbrems- und Totwinkel-Assistenten sind noch kaum bekannt, sind deshalb quasi eine Premiere für die meisten der Test-Truppe. Speziell der City-Notbrems-Assistent lässt den Atem stocken. „Das ist gewöhnungsbedürftig, das muss man sich erst einmal trauen!“, so Suzanne Wolf, 69. Gemeinsam mit den anderen beobachtet sie, wie der Fahrtechnik-Instruktor gezielt auf das Hindernis zufährt. Plötzlich bremst das Auto abrupt - von alleine. Unglaublich: Das Fahrzeug kommt wenige Zentimeter vor dem Hindernis zum Stillstand!
Die Notbremsung wird also vom Fahrzeug selbsttätig durchgeführt. Eine gute Sache - sollte man glauben. Doch genau das macht einigen Teilnehmern Angst. Instruktor Andreas Pazourek erklärt: „Wie bereits der Name sagt, wird dieser Assistent nur in Notfällen ausgelöst. Also nur dann, wenn man zu zaghaft bremst oder etwas übersieht und gar nicht bremst.“ Allerdings nur bis Tempo 30.
Manche meinen zu den vielen unterschiedlichen Helferleins: „Bei zu viel Technik hört man auf zu denken.“ So ist auch das Navigationssystem kein Pflicht-Assistenzsystem für die meisten. „Auf mein Navigationsgerät verlasse ich mich so gut wie nie“, erzählt Gerhard Goldschmidt, 71.
Anders ist es beim Totwinkel-Assistenten, denn dieser ist gerade für Personen im reiferen Alter sehr wichtig: „Je älter man wird, desto geringer wird die Größe des Gesichtsfelds“, erklärt ÖAMTC-Verkehrsmediziner Heimo Vedernjak. Nahbereichs-Radarsensoren erkennen Fahrzeuge im toten Winkel. Ein Blinklicht im Seitenspiegel oder ein Warnton machen den Lenker z. B. bei versuchtem Spurwechsel darauf aufmerksam.
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