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5 Tipps gegen die Müdigkeit am Steuer

Ausreichender und erholsamer Schlaf ist für uns Menschen entscheidend für die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit während des Tages.

Müdigkeit am Steuer © iStock-867247798
Müdigkeit am Steuer © iStock-867247798

Die Auswirkungen von nicht erholsamem Schlaf zeigen sich besonders dann, wenn gleich zu Beginn des Tages aufmerksamkeitsfordernde Tätigkeiten wie Autofahren am Plan stehen, ein Problem, das alle Nachtarbeiter nur allzu gut kennen.

Nach wie vor ist schlechter oder mangelnder Schlaf eines der größten Sicherheitsrisiken im Straßenverkehr. In der österreichischen Unfallstatistik des BMI werden für den Zeitraum 2009-2017 zwischen 2 bis 5 % der tödlichen Unfälle, Übermüdung als vermutete Unfallursache angenommen. Dieser Anteil umfasst jedoch nur jene Unfälle, die tödlich endeten. Alle anderen Unfälle, die gerade noch glimpflich ausgegangen sind und bei denen es „nur“ Blechschaden oder verletzte Personen gab, finden hier keine Erwähnung.

Warum kann es zu „Müdigkeitsunfällen“ kommen?

Dauer der (ununterbrochenen) Wachheit

Ab etwa 15 Stunden ununterbrochener Wachheit wird es für einen Verkehrsteilnehmer sehr kritisch, ab 17 Stunden gefährlich.

Grund dafür ist der, sich über die Wachzeit aufgebaute Schlafdruck, der uns schläfrig und müde macht. Dieser wird so groß, dass in monotonen Situationen mit plötzlichem Einschlafen zu rechnen ist. Wir sprechen daher auch von Monotonie-Intoleranz infolge von Schläfrigkeit.

Übrigens: Schlafdruck ist etwas „normales“ und sorgt dafür, dass wir am Abend rasch einschlafen können. Mit zunehmendem Alter wird dieser geringer (55+) und dies ist mit ein Grund warum Senioren Probleme mit dem Einschlafen haben können. Schlafdruck kann jedoch nachhaltig nur durch Schlaf abgebaut werden: Da hilft auf Dauer kein Kaffee oder Energydrink.

Tageszeitlich bedingte Schwankungen in der Leistungskurve

Diese wird zwar von der Schlafdruckkurve mit beeinflusst, was aber nicht bedeutet, dass bei zunehmendem Schlafdruck die Leistung generell schlechter sein muss. Unsere Leistungsfähigkeit - und damit auch die Aufmerksamkeit, Konzentration usw. - unterliegt tageszeitlichen (zirkadianen) Schwankungen. Deshalb kommt es in den Abendstunden (ab ca. 20:00 Uhr) zu einer kontinuierlichen Abnahme unserer Aufmerksamkeit- und Konzentrationsleistung, die dann in den frühen Morgenstunden (2:00 bis 4:00 Uhr) ihr Minimum erreicht. Das kann auch bei Personen auftreten, die durchaus noch "fit" sind (d.h. weil sie ausnahmsweise einmal länger geschlafen haben und daher erst 10 bis 12 Stunden wach sind). Relativ gesehen ist aber unsere Leistungsfähigkeit in den frühen Morgenstunden am tiefsten. Das betrifft auch unsere Stimmung, Emotionalität und Stressbelastbarkeit.

Müdigkeitsbedingte Leistungseinbußen – vor allem beim Lösen komplexer Aufgaben

Hoher Schlafdruck beeinträchtigt vor allem unsere Fähigkeiten komplexe Aufgaben zu lösen d. h. Situationen zu meistern, in denen es gilt, die richtige unter mehreren Entscheidungsmöglichkeiten zu treffen. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Ein gut gelerntes Gedicht kann auch um 3:00 Uhr in der Früh mühelos rezitiert werden. Allerdings gelingt dies nicht mehr so gut, wenn parallel dazu mehrere andere Dinge erledigt werden müssen (z. B. mich auf den Verkehr zu konzentrieren oder zu überlegen was alles eingekauft werden muss), oder ich mich entscheiden muss, was davon zuerst zu tun ist.

Mit zunehmendem Alter nimmt zwar die Reaktionsfähigkeit ab und daher sind ältere Personen in ihren Reaktionen etwas langsamer als jüngere Autofahrer. Allerdings sind Ältere vorsichtiger und überlegter in ihren Handlungen und das auch bei Müdigkeit. Jugendliche reagieren bei Übermüdung noch rascher, was jedoch auf Kosten der Qualität der Reaktionen geht und so zu einer Häufung von Fehlentscheidungen führen kann.

Existierende Vorerkrankungen

Besonders kritisch sind Schlafstörungen oder medikamentöse Therapien mit Arzneimitteln, die müde machen oder zu einer Beeinträchtigung der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung führen können.

Bei den Schlafstörungen ist hier vor allem die Obstruktive Schlafapnoe (OSA) zu nennen. Bei dieser Erkrankung erschlafft während des Schlafs die Muskulatur im Mund- und Rachenraum. Zunge und Gaumen „fallen“ nach unten und verschließen den Luftweg teilweise oder komplett. Diese Blockierung führt zu längeren Atempausen, wodurch der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt und es infolge zu einer Notweckreaktion kommt. Diese kurzen Wachphasen werden von den Betroffenen in der Regel nicht wahrgenommen „zerhacken“ aber die Schlafkontinuität und führen dazu, dass kein tiefer und erholsamer Schlaf stattfindet. Das nächtliche Luftschnappen ist darüber hinaus für das Herz sehr anstrengend und kann zu bleibenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen (Bluthochdruck, Demenz, Schlaganfälle). Betroffene fühlen sich am nächsten Tag unausgeschlafen und können bei jeder Gelegenheit einschlafen: Das Risiko von Sekundenschlafepisoden beim Autofahren nimmt dadurch deutlich zu!

Unsere Empfehlung: Bei auffälliger Tagesmüdigkeit, hefigem nächtlichen Schnarchen und Übergewicht sollte unbedingt ein Schlafmediziner konsultiert werden! Denn es gibt effiziente und erfolgreiche Therapiemöglichkeiten. Eine beigefügt Liste der akkreditierten Schlaflabore finden Sie auf: www.schlafmedizin.at, hier können Sie u.a. Hilfe bei Schlafproblemen finden.

Müdigkeit oder Schläfrigkeit kommt nicht aus „heiterem Himmel“, sondern bahnt sich an!

Die Anzeichen von Ermüdung während einer längeren Fahrt können zwar individuell unterschiedlich sein, kündigen sich aber an. Mitfahrende Familienangehörige, Partner oder andere Personen, die den Fahrer gut kennen, erkennen Anzeichen von Ermüdung beim Fahrzeuglenker relativ leicht. Problematisch wird es allerdings dann, wenn Mitfahrer vor allem in den Nachtstunden, meist selbst schon schlafen und daher wenig aufmerksam sind.

Aktive Beifahrer wissen aber am besten, wann ein Autolenker übermüdet ist. Auf alle Fälle müssen solche Beobachtungen ernst genommen werden und nicht durch „Es geht eh noch“-Äußerungen abgetan werden. Wenn auch die Aussage "Die Strecke schaffe ich noch!" in der momentanen Situation gelten mag, kann sich dies innerhalb von Minuten ändern. Sekundenschlaf (wie der Name es auch schon sagt) kann bei langen Wachzeiten plötzlich eintreten. Daher ist unsere Empfehlung, bereits vor einer längeren Autofahrt Pausen in bestimmten Zeitintervallen fix einzuplanen, nach wie vor gültig.

Fazit: Sekundenschlaf (be-)trifft jeden!

Selbst wenn Statistiken müdigkeitsbedingte Unfälle als ein relativ seltenes Ereignis ausweisen, muss vor dessen Bagatellisierung gewarnt werden. Bei Umfragen kommt immer auch eine andere Facette zu Tage: Fast jeder der befragten Autofahrer kennt Situationen mit kurzen Einnicken am Steuer, wenn auch häufig ohne ärgere Folgen. Das soll jedoch nicht dazu führen, das Risiko eines Sekundenschlafunfalles als sehr unwahrscheinlich einzuschätzen oder als „Mir passiert sowas schon gar nicht!“ abzutun. Die Gefahr von Sekundenschlaf betrifft letztendlich jeden und auch das zeigt die Statistik: Wenn es zu einem Sekundenschlafunfall kommt, dann sind die Folgen meist fatal und leider immer wieder auch für die Betroffenen letal.

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Thema Verkehr

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