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Intensiver Neuwagengeruch nicht gesundheitsschädlich

Studie testete exemplarisch vier Fahrzeuge auf Schadstoffe in der Innenraum-Luft.

Immer wieder erreichen den ÖAMTC Anfragen von Neuwagen-Besitzer:innen, die sich aufgrund eines intensiven Geruchs im Fahrzeuginneren Sorgen machen. Ihre Angst: Dass die dort eingeatmete Luft möglicherweise gesundheitsschädlich sein könnte. Der ADAC – der deutsche Partnerclub des ÖAMTC – hat sich das gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik stichprobenartig anhand von vier aktuellen Modellen (VW Golf, Hyundai Kona, Dacia Spring und BYD Seal 6) angesehen. Sie wurden systematisch auf flüchtige organische Verbindungen, Formaldehyd und aromatische Kohlenwasserstoffe in der Luft untersucht.

ÖAMTC-Techniker Dominik Darnhofer gibt weitgehend Entwarnung: "In keinem der getesteten Fahrzeuge war die Luft aus gesundheitlicher Sicht bedenklich. Zwar waren die Ausdünstungen von Materialien und Klebestoffen im Innenraum direkt nach der Auslieferung erhöht, doch die Messungen am VW Golf zeigen: Die Gesamtemissionen haben innerhalb von nur einem halben Jahr um rund 80 Prozent abgenommen. Wer konsequent stoßlüftet, kann also entspannt durchatmen."

Ab 2027 gelten EU-Grenzwerte für Formaldehyd im Fahrzeuginnenraum

Ab dem 6. August 2027 schreibt die EU-Verordnung 2023/1464 für neu zugelassene Fahrzeuge einen verbindlichen Formaldehyd-Grenzwert von 0,062 mg/m³ vor, gemessen bei 23 Grad Celius. Die aktuelle Studie zur Luftqualität in Neuwagen zeigt jedenfalls: Alle vier getesteten Modelle unterschreiten diesen Wert bereits jetzt. Bei simulierter starker Sonneneinstrahlung – wo Hitze die Ausgasungen massiv beschleunigt – überschreiten VW Golf, Dacia Spring und BYD Seal 6 allerdings den Vorsorgerichtwert des Ausschusses für Innenraumrichtwerte (AIR) von 0,10 mg/m³ noch. Daher fordert der ÖAMTC von den Herstellern, sämtliche Empfehlungen zu Innenraumemissionen konsequent bereits ab Werk und im Neuwagenzustand einzuhalten.

Das Alter des Fahrzeugs entscheidet maßgeblich über die Schadstoffbelastung. Wer wissen möchte, wie lange die Produktion des eigenen Wagens zurückliegt, findet das exakte Herstellungsdatum im COC-Papier (EG-Übereinstimmungsbescheinigung) unter Punkt 0.11 "Date of manufacture of the vehicle". Händler sind dazu verpflichtet, dieses Dokument auf Anfrage vorzulegen. Ein Fahrzeug, das bereits mehrere Monate beim Händler stand, dünstet deutlich weniger aus als ein Wagen frisch vom Band – besonders relevant für Familien mit Kleinkindern und Allergiker:innen.

Abschließende Tipps des ÖAMTC-Technikers

Bei fabrikneuen Fahrzeugen sollte man jedenfalls vor jeder Fahrt alle Türen öffnen und zwei Minuten durchlüften – das senkt die Schadstofflast sofort und signifikant. Anfangs ist es ratsam, auf einen Umluftbetrieb der Klimaanlage verzichten. Bei Babys, Kleinkindern und Schwangeren gilt besondere Vorsicht: Das Fahrzeug nach Möglichkeit nicht in der prallen Sonne stehen lassen – wenn nötig vor dem Einsteigen konsequent durchlüften, um die Schadstoffexposition zu minimieren.