© Wolfgang Grube

Vier Millimeter Reifenprofil sind keine Sicherheitsreserve

Club testete abgefahrene Reifen: Unter vier Millimetern Profiltiefe nimmt die Sicherheit rapide ab.

Mindestprofiltiefe

Kritische Phase beginnt bei 4mm Restprofil

In Österreich schreibt der Gesetzgeber für Winterreifen eine Mindestprofiltiefe von vier Millimetern vor. Eine aktuelle Untersuchung des ÖAMTC und seiner Partnerorganisationen bestätigt die Sinnhaftigkeit dieser Regelung: Mit vier Millimetern Restprofil beginnen Winterreifen demnach, spürbar an Sicherheit zu verlieren. Besonders deutlich sind die Einbußen allerdings nicht – wie man annehmen könnte – bei Eis und Schnee, sondern vor allem auf nasser Fahrbahn.

ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl

"Viele Autofahrer:innen betrachten die vorgeschriebenen vier Millimeter Profil als Sicherheitsreserve. Tatsächlich zeigen unsere Ergebnisse, dass hier bereits eine kritische Phase beginnt. Es ist also durchaus sinnvoll, dass man sich in Österreich spätestens bei dieser Profiltiefe um neue Reifen kümmern muss."

Problem bei Nässe

Nässe wird früher zum Problem als Schnee

Für die Untersuchung wurden fünf aktuelle Winterreifenmodelle sowohl im Neuzustand als auch mit vier und zwei Millimetern Restprofil getestet. Geprüft wurden u. a. Bremsverhalten, Handling, Traktion sowie das Verhalten auf Schnee und bei Aquaplaning. Besonders kritisch entwickelt sich die Aquaplaning-Performance. "Bereits bei vier Millimetern Restprofil verlieren die Reifen im Vergleich zu einem neuen Modell im Schnitt bis zu 25 Prozent ihrer Leistung bei der Wasserverdrängung. Bei zwei Millimetern Restprofil – ausreichend, um z. B. in Deutschland gesetzeskonform unterwegs zu sein – steigen die Verluste auf über 50 Prozent an", erläutert der ÖAMTC-Experte.

Der Hintergrund: Im Vergleich zu Sommerreifen, die über breite Mittellaufrillen verfügen, kann ein mit Lamellen gespickter Winterreifen mit sinkender Profiltiefe wesentlich weniger Wasser verdrängen bzw. ableiten. Dadurch geht der Kontakt zur Fahrbahn früher verloren und das Fahrzeug beginnt aufzuschwimmen. Kerbl: "Dass die größten Sicherheitsverluste in erster Linie nicht auf Schnee, sondern bei Regen, tiefen Pfützen und Schneematsch auftreten, überrascht viele Autofahrer:innen. Dabei kommt eine nasse Fahrbahn in unseren Breiten viel häufiger vor als Schnee und Eis."

Premiumreifen

Premiumreifen ersetzen fehlendes Profil nicht

Die Untersuchung zeigt zudem, dass die Profiltiefe einen größeren Einfluss auf die Fahrsicherheit hat als die Unterschiede zwischen einzelnen Reifenmodellen oder Preisklassen. Zwar unterscheiden sich Premium-, Qualitäts- und Budgetreifen in ihrem Ausgangsniveau, keines der getesteten Modelle konnte jedoch den negativen Einfluss geringer Profiltiefe kompensieren. "Selbst leistungsstarke Premiumreifen verlieren mit zunehmendem Verschleiß deutlich an Sicherheitsreserven. Die Profiltiefe bleibt damit der entscheidende Faktor für die Fahrsicherheit von Winterreifen", hält Kerbl abschließend fest.

Erkenntnisse

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Bereits ab vier Millimetern Restprofil gehen messbare Sicherheitsreserven verloren, darunter verschlechtert sich die Sicherheitsperformance vieler Reifen überproportional stark.
  • Die größten Leistungseinbußen treten nicht auf Schnee, sondern bei Nässe und Aquaplaning auf.
  • Auch Premiumreifen können fehlende Profiltiefe nicht ausgleichen.
  • Die Ergebnisse bestätigen die österreichische Mindestprofiltiefe von vier Millimetern für Winterreifen.
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