Jetzt Drucken

Warnung vor gefährlicher Blendung durch tiefstehende Sonne

Der Herbst bringt Gefahren wie tiefstehende Sonne, Nebel, Laub und Nässe oder Wildwechsel.

Aufgrund blendender Sonne kamen im Vorjahr (2018) knapp 2.000 Menschen im Straßenverkehr bei Unfällen zu Schaden, zwölf Personen wurden dabei getötet.

"Wenn die tiefstehende Herbstsonne fast waagrecht durch die Windschutzscheibe fällt, ist die Gefahr der Blendung sehr groß. Das kann zum Übersehen von Mitverkehrsteilnehmern, Lichtsignalen von voranfahrenden Fahrzeugen sowie Verkehrszeichen an Straßen- oder Eisenbahnkreuzungen führen. Gegenstände, Tiere oder Personen sowie Bodenmarkierungen auf oder knapp neben der Fahrbahn können zu spät oder gar nicht wahrgenommen werden", weiß ÖAMTC-Psychologin Marion Seidenberger.

Besonders nach Brücken oder nach Tunnelausfahrten werden wesentliche fahrbezogene Dinge später oder gar nicht gesehen. Verstärkt wird der Effekt durch nasse Fahrbahnen, die das Sonnenlicht reflektieren. Das kann dann auch die Fahrspureinhaltung erschweren.

Die Sichtbehinderung betrifft alle Verkehrsteilnehmer – auch Fußgänger und Radfahrer können geblendet werden und dadurch Sicherheitseinrichtungen, Lichtsignale und andere Verkehrsteilnehmer übersehen oder Situationen falsch einschätzen. "Besondere Vorsicht gilt daher für alle im Bereich von Kreuzungen, Fußgängerampeln, Zebrastreifen, in Wohnstraßen, nahe Schulen, Kindergärten sowie Sport- und Freizeiteinrichtungen", betont die ÖAMTC-Expertin.

Die wichtigsten Tipps bei blendender Sonne

Wer bei Tempo 100 nur für eine Sekunde geblendet wird, ist für 30 Meter im Blindflug unterwegs. Ganz wichtig bei tiefstehender Sonne im Herbst sind neben der Sonnenbrille eine saubere Scheibe, um Spiegelungen und Reflexionen zu vermeiden, sowie die Sonnenblende.

  • Sonnenschutz: Sonnenbrille und Sonnenblende schützen vor dem grellen Licht. Die Sonnenbrille sollte bei strahlendem Sonnenschein bereits vor Fahrstart verwendet werden oder griffbereit liegen.
  • Vorausschauend fahren: "Wer auf sich ändernde Lichtverhältnisse und mögliche Blendungen gefasst ist, kann das Tempo rechtzeitig reduzieren und den Sichtverhältnissen anpassen", erklärt Seidenberger. An Kuppen und vor Kurven muss man damit rechnen, dass sich die Lichtbedingungen schlagartig ändern – deshalb vorsichtig herantasten und sich auf seine Spur konzentrieren.
  • Abstand halten, Tempo reduzieren: Ein zu geringer Abstand zum Vordermann erhöht das Risiko von Auffahrunfällen. Wer nur für eine Sekunde nichts sieht, legt bei Tempo 50 bereits 14 Meter im Blindflug zurück. Bei 130 km/h sind es 36 Meter, was in etwa der Länge von zwei Sattelschleppern entspricht. "Mehr Abstand bedeutet auch mehr Zeit, um reagieren oder rechtzeitig bremsen zu können", sagt die ÖAMTC-Psychologin.
  • Nicht ablenken lassen: Bei schwierigen Sichtverhältnissen Ablenkungen während der Fahrt unterlassen. "Sich via Ansage vom Navi leiten lassen; auch auf Gespräche über eine Freisprecheinrichtung sollte man bei schwierigen Verhältnissen verzichten. Da ist volle Konzentration auf die Straße gefragt", betont die Expertin.
  • Saubere Innen- und Außenscheiben: Ordentlich gereinigte Windschutzscheiben und Helmvisiere sowie gut funktionierende Wischerblätter sind für eine gute Sicht besonders wichtig. Trifft das Licht auf schmutziges, nicht fettfreies Glas, wird der Lichtstrahl stärker gebrochen und der Blendeffekt verstärkt. Außerdem ist auf ausreichend Wasser inklusive Reinigungsmittel im Scheibenwischertank zu achten.
  • Blendung von hinten: Blendung kann auch eine Gefahr sein, wenn man die Sonne "im Rücken" hat. "Getönte Heckscheiben helfen wenig, weil man auch in den Spiegeln nichts sieht", erklärt Seidenberger.

Laub und Nässe

Viele Unfälle werden durch Regen bzw. Nässe verursacht. Vor allem wenn Herbstlaub und Fallobst auf schon feuchte Straßen fallen, entsteht eine "rutschige Mischung" und die Reifen haften nicht mehr richtig an der Fahrbahn. "Wenn die Reifen keinen direkten Kontakt mehr mit dem Asphalt haben, können weniger Kräfte übertragen werden. Der Reifen hat keinen Grip und auch Sicherheitsassistenten wie ESP und ABS sind in diesem Fall rasch an der Grenze des Machbaren", rät ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl zur Vorsicht.

Wer auf rutschiger Herbstfahrbahn unterwegs ist, sollte vorausschauend fahren, die Geschwindigkeit reduzieren und möglichst viel Abstand zum Vordermann halten. Außerdem ist es sinnvoll, weich und sanft zu lenken sowie gefühlvoll zu bremsen. "Ist das Auto schon im Rutschen, heißt es Fuß weg vom Gaspedal, auskuppeln, blitzartig in die gewünschte Fahrtrichtung lenken und vorsichtig bremsen", empfiehlt Roland Frisch, Pkw-Chefinstruktor der ÖAMTC Fahrtechnik.

Motorradfahrer sollten die herbstlichen Bedingungen auf der Straße besonders ernst nehmen. Oft liegt das feuchte Laub im Schatten oder in unübersichtlichen Kurven. Zur Rutschgefahr kommen hier noch der Schreck und eine mögliche Fehlreaktion dazu.

Nebel

Sichtbehinderungen durch plötzlich auftauchende Nebelfelder sind im Herbst immer wieder Grund für schwere Unfälle. Besonders groß ist die Gefahr auf Autobahnen und Landstraßen. Besonders in der Früh und am Abend sollten Autofahrer mit Nebel rechnen und entsprechend vorsichtig fahren. Bei besonders schlechter Sicht werden Warnungen über Nebel auch im Radio durchgegeben. Autofahrer sollten Radiohinweise unbedingt ernst nehmen und ihr Fahrverhalten an die Situation anpassen. Bei Nebel heißt es Geschwindigkeit reduzieren und der Sichtweite anpassen. Schlussleuchten und Nebelscheinwerfer einschalten.

Weitere Tipps: Rechts fahren und auf keinen Fall überholen. Besondere Vorsicht beim Links-Abbiegen und im Baustellenbereich. Durch den Nebel sind Markierungen und Verkehrsführungen schwer erkennbar.

Nebelhäufigkeit
In Österreich gibt es einige Regionen und Gebiete mit überdurchschnittlich hoher Nebelhäufigkeit. Diese liegen zum Beispiel in der Nähe von Gewässern (z.B. oberösterreichisches Seengebiet) oder in Tallagen mit ungünstigen Durchlüftungsbedingungen (z.B. Grazer Becken). 

Gefährliche Sicht- und Straßenverhältnisse
Auf einigen Autobahnabschnitten, wo oft Nebel auftritt, sind "Nebelpunkte" angebracht, die sich in einem Abstand von 33 Metern wiederholen. Zusätzlich weisen Tafeln auf die maximale Fahrgeschwindigkeit hin:

  • 2 Punkte sichtbar - 60 km/h
  • 1 Punkt sichtbar - 40 km/h
     

Zusätzlich warnen elektronische Anzeigen der Verkehrsbeeinflussungsanlagen (VBA) vor Nebelgefahr.

Nebelarten
Bei einer Sichtweite von 500 bis 1.000 Metern spricht man von leichtem, bei 200 bis 500 Metern von mäßigem und bei unter 200 Metern von starkem Nebel.
 

Aquaplaning

Wenn es so stark regnet, dass das Wasser vom Asphalt nicht rasch genug abfließen kann, werden weder Antriebs- noch Brems- oder Lenkkräfte auf die Fahrbahn übertragen. Auch Fahrzeuge mit den besten Reifen werden dann so gut wie manövrierunfähig, weil es zu einem Kontaktverlust zwischen Reifen und Straße kommt. Daher sollte man bei starkem Regen prinzipiell die Geschwindigkeit reduzieren, besonders vorausschauend fahren und abrupte Brems- oder Lenkmanöver vermeiden. Wichtig ist auch die richtige Reifen-Profiltiefe. Im Idealfall haben die Pneus nicht weniger als vier Millimeter, keinesfalls aber unter drei Millimeter Profil.

Wildwechsel

Die Gefahr von Wildunfällen steigt mit den kürzer werdenden Tagen an. Im Bereich von Wildwechsel-Warntafeln sollte man stets bremsbereit fahren – vor allem morgens und abends während der Dämmerung. Springt ein Tier auf die Straße, bremsen, sofort abblenden und wiederholt hupen. Das Fahrzeug nicht verreißen.

Beleuchtung überprüfen

Zusätzliche Bedeutung kommt der Beleuchtung zu. Die Beleuchtungsanlage des Autos sollte rechtzeitig überprüft werden. Gleiches gilt für die Reifen, die vor der ersten Kältephase umgerüstet gehören. Zu beachten bei der Umrüstung der Reifen ist die 4x4x4-Formel. Das heißt, vier gleiche Reifen, vier Millimeter Mindestprofil und maximal vier Jahre alte Pneus.