ZEEJR 7GT beim Frontcrash in die MPDB © Euro NCAP

Euro NCAP: neue Kriterien bei Crashtests

Größte Überarbeitung des Bewertungssystems seit über einem Jahrzehnt – ÖAMTC erklärt Änderungen

Größte Überarbeitung des Bewertungssystems seit über einem Jahrzehnt – ÖAMTC erklärt Änderungen

Einleitung

Testkriterien angepasst

Das europäische Crashtest-Konsortium (Euro NCAP) prüft seit 30 Jahren Fahrzeuge in Hinblick auf ihre Sicherheit. In dieser Zeit wurden die Testkriterien immer wieder an den neuesten Stand der Technik angepasst. Für 2026 wurde das Bewertungssystem mit der größten Überarbeitung seit über zehn Jahren auf eine neue Grundlage gestellt. ÖAMTC-Techniker Thomas Hava erklärt: "Die Idee ist, die Sicherheit eines Fahrzeugs in vier Schritten zu bewerten: Vom sicheren Fahren über die Unfallvermeidung und den Unfallschutz bis hin zur Sicherheit nach einem Unfall." Die ersten nach diesem Schema getesteten Modelle, der BMW iX3 und der ZEEKR 7GT, schafften jeweils die Höchstwertung von fünf Sternen.

Vier Phasen

Vier Phasen der Sicherheit statt Einzeldisziplinen

Bisher lag das Hauptaugenmerk bei Euro NCAP vor allem auf dem Verhalten und der Sicherheit des Fahrzeugs im Augenblick eines Unfalls. Das ändert sich mit dem neuen Bewertungsschema, das den Fokus auf verschiedene Phasen – im wesentlichen also den zeitlichen Ablauf – des Unfallgeschehens legt:

  • Fahrsicherheit (Safe Driving)
    Wie gut unterstützt das Fahrzeug Lenker:innen und ermöglicht ein sicheres Fahren? Bewertet werden hier auch intuitive, physische Bedienelemente – z. B. echte Tasten statt Touch-Funktionen – sowie zuverlässige Fahrer:innenbeobachtungssysteme.
  • Unfallvermeidung (Crash Avoidance)
    Wie wirksam erkennt das Fahrzeug Gefahren und verhindert oder entschärft einen Unfall? Autonome Notbrems- und Spurhaltesysteme sind Beispiele für solche Systeme, die helfen können, zumindest die Unfallfolgen zu mindern.
  • Unfallschutz (Crash Protection)
    Wie gut schützen Struktur, Airbags und Rückhaltesysteme die Insass: innen, aber auch andere Verkehrsteilnehmer:innen, z. B. Radfahrende?
  • Rettung & Bergung (Post Crash)
    Helfen das Fahrzeug und die Bordsysteme, Einsatzkräfte zu verständigen und sie nach einem Unfall bei der bestmöglichen Versorgung von Verletzten zu unterstützen? Ein Beispiel dafür sind Systeme, die automatisch einen Notruf absetzen, wenn sie einen Unfall erkennen.
Ergebnisse

Erste Modelle nach neuem Schema

Produkt Testjahr Bewertung
BMW iX3 nach dem Frontalcrash (Euro NCAP) BMW iX3 2026
ZEEKR 7GT nach dem Frontalcrash (Euro NCAP) ZEEKR 7GT 2026
Details

Hohe Sicherheitsstandards

Der BMW iX3 50 xDrive überzeugte vor allem beim Insass:innenschutz und in der Phase nach dem Unfall. Positiv bewertet wurden die eigenständigen physischen Bedienelemente, Schwächen zeigten sich bei der Fahrer:innenbeobachtung im Bereich kurzer Ablenkung sowie beim fehlenden Erkennen einer falschen Sitzposition oder Gurtführung auf dem Beifahrersitz. Gesamtergebnis: Fünf Sterne.

Der ZEEKR 7GT Privilege AWD erzielte insgesamt etwas höhere Werte, besonders beim Aufprallschutz. Sein Schwachpunkt: Viele Fahr-, Klima- und Komfortfunktionen laufen über den zentralen Touchscreen, was nach den neuen Kriterien zu deutlichen Abzügen bei der Bedienung führte. Gesamtergebnis: Fünf Sterne.

"Die neuen Protokolle verlangen von den Herstellern deutlich mehr – und das zu Recht. Ein modernes Auto ist erst dann sicher, wenn die Assistenzsysteme im Alltag zuverlässig funktionieren und die wichtigsten Bedienelemente auch ohne Blick auf einen Bildschirm erreichbar sind", ordnet ÖAMTC-Techniker Thomas Hava ein. "Dass sowohl BMW als auch ZEEKR auf Anhieb mit fünf Sterne schaffen, zeigt, dass hohe Sicherheitsstandards machbar sind."

ÖAMTC Stützpunkt