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ÖAMTC Fahrtechnik: Verhaltenstipps bei Wildwechsel-Gefahr

Fahrgeschwindigkeit drosseln, Ausweichmanöver vermeiden und nur in absoluten Notfällen zur Vollbremsung ansetzen  

Die Anzahl der Wildwechsel-Unfälle ist im Vorjahr angestiegen: 2018 ereigneten sich insgesamt 377 Wild-Unfälle, vier Personen sind dabei tödlich verunglückt. Insgesamt wurden im Jahr 2018 um 108 Personen mehr verletzt als 2017. (Quelle: Statistik Austria, Bearbeitung: ÖAMTC-Unfallforschung)

Die Tiere sind besonders in der kühlen Jahreszeit auf der Suche nach Futter aktiver. Rehwild wechselt etwa im Herbst in sein Winterquartier, wodurch sich stärkere Wanderbewegungen über Straßen ergeben. Fahrzeuglenker sollten daher auf den entsprechenden Abschnitten besonders vorausschauend fahren. Im Bedarfsfall muss die Geschwindigkeit gedrosselt werden. "Erhöhtes Wildwechsel-Risiko besteht auf Landstraßen, besonders an Wald- und Feldübergängen. Kritisch wird es in den frühen Morgenstunden sowie am Abend", erklärt Roland Frisch von der ÖAMTC Fahrtechnik. In Österreich werden seit geraumer Zeit Wildwarngeräte getestet. Diese setzen akustische Signale ab, um das Wild zu warnen und von der Fahrbahn fernzuhalten. "Warngeräte sind eine sinnvolle Ergänzung, ersetzen eine achtsame Fahrweise jedoch nicht",  sagt der Fahrsicherheitsexperte.

Riskante Ausweichmanöver stellen große Gefahr dar

"Die Folgen für Autoinsassen und andere Verkehrsteilnehmer sind dramatisch, wenn man von der Fahrbahn abkommt, im Gegenverkehr landet oder einen Baum am Straßenrand touchiert. Wenn der Bremsweg nicht mehr ausreicht, ist es unter Umständen besser, einen Zusammenstoß mit dem Tier in Kauf zu nehmen", gibt Roland Frisch zu bedenken. Der Fahrtechnik-Profi rät daher: "Ist eine Kollision mit einem Wildtier unvermeidlich, sollte man stark bremsen, das Lenkrad gut festhalten und auf Kurs bleiben. Wenn der Fahrer richtig reagiert, ist die Verletzungsgefahr bei einem Crash mit einem Wildtier für die Autoinsassen relativ gering." Entscheidend ist generell nicht nur der Blick nach vorne, sondern auch die Sicht seitlich neben das Fahrzeug. "Sieht man ein Wildtier, muss man die Geschwindigkeit reduzieren, das Fernlicht ausschalten und hupen. Hat das Tier die Fahrbahn überquert oder läuft davon, heißt es weiter vorsichtig sein, da Wildtiere oft in Gruppen unterwegs sind", erklärt Frisch. Um Unfälle zu vermeiden, sollte man im Bereich von Wildwechsel-Warnschildern besonders aufmerksam fahren und den Abstand zum Vorderfahrzeug möglichst groß halten.

Rechtliche Bestimmungen im Falle eines Auffahrunfalls

In der Rechtsprechung bestimmt vor allem die Größe des Tieres das juristisch korrekte Verhalten des Lenkers. Wer wegen eines Tieres bremst, riskiert im Falle eines Auffahrunfalls ein Mitverschulden. Bei einem Zusammenstoß mit einem Wildschwein, Reh oder Hirsch rechtfertigt die Gefahr für den Menschen eine Vollbremsung. "Trifft man beispielsweise mit 50 km/h auf einen 20 kg schweren Rehbock, wirkt eine halbe Tonne auf Fahrzeug und Fahrer, bei 100 km/h beträgt die Aufprallwucht bereits zwei Tonnen", erklärt Roland Frisch den Sachverhalt. Ist aufgrund der Größe des Tieres eine Vollbremsung für den Nachfolgeverkehr gefährlicher als ein Zusammenstoß mit dem Tier – etwa bei Kleintieren wie Hasen, Wildvögeln und Eichhörnchen – muss man laut Rechtsprechung bei einem Auffahrunfall einen Teil des Schadens selbst begleichen. Dies gilt auch dann, wenn der nachfolgende Fahrer zu wenig Abstand gehalten hat. Anderes gilt, wenn es sich zwar um kleines Wild handelt, dieses aber in Gruppen auftritt, etwa Fasane. In diesem Fall wäre eine Vollbremsung zur Verhinderung einer Kollision gerechtfertigt. "Insbesondere bei den Gefahrenzeichen 'Achtung Tiere' und 'Achtung Wildwechsel' ist der Lenker verpflichtet, die Geschwindigkeit so anzupassen, dass eine folgenschwere Kollision verhindert werden kann," so ÖAMTC-Jurist Nikolaus Authried.

Richtiges Verhalten, wenn ein Wildunfall passiert ist

Nach einem Unfall mit einem Wildtier sollte man folgendes beachten: Nach Möglichkeit an sicherer Stelle halten, Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anziehen, Unfallstelle mit dem Pannendreieck absichern, eventuell verletzte Personen versorgen und Polizei (oder, wenn bekannt, den Jagdaufseher) verständigen, auch wenn das (verletzte) Tier weiterläuft. Keinesfalls sollte man verletzte Tiere berühren oder gar mitnehmen. Wer ein verletztes oder getötetes Wild mitnimmt, macht sich wegen Diebstahls strafbar. Wird nicht angehalten oder gegebenenfalls die Unfallstelle abgesichert bzw. nicht an der Feststellung des Sachverhalts mitgewirkt, drohen mitunter mehrere Verwaltungsstrafverfahren.

Gefahrensituationen im ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum trainieren

Notsituationen bedeuten Stress. Und unter Stress reagieren viele Menschen zu langsam, lenken hektisch oder bremsen falsch. Bei einem Fahrtechnik-Training übt man, wie man auch in Gefahrensituationen sein Fahrzeug unter Kontrolle behält.

Infos zu ÖAMTC Fahrtechnik Trainings gibt es unter www.oeamtc.at/fahrtechnik.

Rückfragehinweis:

ÖAMTC | Öffentlichkeitsarbeit
T +43 (0)1 711 99 21218
kommunikation@oeamtc.at
https://www.oeamtc.at

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Bilder & Grafiken

Wildunfälle © ÖAMTC/Lobensommer
FRISCH Roland  ©  ÖAMTC
AUTHRIED Nikolaus © ÖAMTC/Postl

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