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Zukunft der Mobilität: Autonomes Fahren - Traum oder Realität

Beim Thema "Zukunft der Mobilität" sind aktuell Schlagworte wie "autonomes Fahren" in aller Munde. Der Weg dahin ist aber noch lang.

Beim Thema "Zukunft der Mobilität" sind aktuell Schlagworte wie "autonomes Fahren" in aller Munde. "Der Weg dahin ist aber noch lang, zumindest wenn man ein vollkommen selbständig fahrendes Auto vor Augen hat", erklärte der stellvertretende ÖAMTC-Cheftechniker Friedrich Eppel am Rande des Expertenforums, das der Club gemeinsam mit dem Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik (IFA) der TU Wien veranstaltete. "Realistischere Umsetzungschancen, wenngleich ebenfalls noch Zukunftsmusik, hat hochautomatisiertes, vielleicht auch teilautonomes Fahren in bestimmten Verkehrssituationen oder Bereichen."

Viele technische und rechtliche Fragestellungen sind noch zu lösen

"Aktuell sind wir in einer Phase, in der teilautomatisiertes Fahren in ersten Serienfahrzeugen umgesetzt wird. Das Fahrzeugsystem übernimmt in spezifischen Fällen zwar selbstständig die Längs- und Querführung des Autos (also Bremsen, Gas geben und Lenken), der Fahrer muss das System aber immer noch dauerhaft überwachen", führt Eppel aus. Die nächste Stufe wäre das hochautomatisierte Fahren. Hier ist eine dauerhafte Überwachung durch den Fahrer nicht mehr notwendig, allerdings muss er nach Aufforderung des Systems die Kontrolle des Fahrzeuges übernehmen.

"Das ist von vollautomatisiertem oder gar fahrerlosem Fahren noch weit entfernt. Dennoch erfordert auch der Sprung auf diese nächste Stufe große technische Anstrengungen", stellt Eppel klar. "Denn das System muss in dieser Stufe in der Lage sein, Situationen, die es selbst nicht mehr beherrschen kann, rechtzeitig vorauszusehen und die Kontrolle an den Fahrer abzutreten." Die Zeitspanne dafür kann mit zumindest zehn Sekunden angenommen werden. Solange braucht es mindestens, um einem nicht voll auf das Verkehrsgeschehen konzentrierten Fahrer wieder die Fahraufgabe zu übertragen. Während dieser Zeit muss das Fahrzeug aber immer noch selbstständig alle Verkehrssituationen meistern können.

Rechtliche und ethische Problemstellungen

Neben den technischen Problemstellungen gibt es in Hinblick auf autonomes Fahren auch rechtliche Fragen zu klären. "Zur Umsetzung automatisierter Funktionen muss das Wiener Übereinkommen von 1968 abgeändert werden. Das heißt, dass das Abkommen automatisierte Systeme klar zulassen muss", erklärt ÖAMTC-Chefjurist Martin Hoffer. "Diese Änderungen müssen dann auch in den Gesetzen der jeweiligen Länder umgesetzt werden." Änderungen im Abkommen sind aktuell zwar im Entstehen, decken aber kaum die derzeit bereits eingesetzte Technik ab.

Zivilrechtlich erwartet Hoffer aus juristischer Sicht zumindest keine unlösbaren Probleme. "Der Fahrzeugbesitzer wird weiterhin für alle Schäden, die durch sein Fahrzeug entstehen, haftbar sein. Dies muss auch weiterhin durch eine Fahrzeugversicherung gedeckt werden", erklärt der ÖAMTC-Experte. Unklarer ist die Situation bei technischen Mängeln, wo offen ist, was passiert, wenn durch ein System, das eigentlich Schaden abwenden soll, ein Schaden entsteht. "Zu klären wird in diesem Zusammenhang auch die Frage nach der Sicherung gegen Cyber-Kriminalität sein", stellt Hoffer klar.

Die am schwersten überwindbaren Hürden zeichnen sich für den ÖAMTC-Chefjuristen im strafrechtlichen und auch im ethischen Bereich ab: "Moralische Entscheidungen werden von Menschen ad hoc getroffen – und sie müssen sich dafür entsprechend verantworten. Was eine möglicherweise folgenschwere 'Fehlentscheidung' durch ein bereits lange vor Eintreffen eines Falles programmierten Systems rechtlich bedeutet, ist derzeit völlig ungelöst."

Zur Klärung von Haftungsansprüchen nach Schadensfällen im automatisierten Fahrbetrieb ist es jedenfalls notwendig, dass Systemhandlungen und Eingriffe des Fahrers beweissicher dokumentiert werden. "Für den Verbraucher muss gewährleistet sein, dass er den Beweis für sein Nicht-Verschulden ebenso führen kann wie der Hersteller", fordert Hoffer abschließend. "Dabei sind bei der Aufzeichnung der Informationen Datenschutz und Datensicherheit sowie Transparenz für den Nutzer sicherzustellen."

Das ÖAMTC-Expertenforum

Das Expertenforum ist eine regelmäßig vom ÖAMTC und dem Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik (IFA) der TU Wien organisierte Fachveranstaltung. Im Rahmen des Forums tauschen sich nationale und internationale Referenten über Entwicklungsfelder der Automobil- und Mobilitätstechnologie aus.

Die Vorträge der Referenten finden Sie in der Box "Downloads zum Thema".

Die Vorträge der Referenten als Download

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